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Die Wahrheit · 1915-10-01 · Heft 32 (1.10.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 32 (1.10.1915)
Date
1915-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion »nd Administration: Wien, 11., Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion Automat 42.889. Hllakhängige Aertschrift für jüöifche Bezugspreis: Ganzjährig.K IS — Halbjährig.K 7.50, Administration Aut, 47.6547 r K. k. österr. Postsparkassa- Scheck-ttonlo Dir. 100.918. Iirterejjerr. Für Kuitusbeamte: Ganzjährig.K 10.— Inserate: — Die viermal gespaltene Dionpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden A r e i t u j\. Für Ausland: Abonnements- und JnsertionS- Ganzjährig.8 Mark betrage sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 8 Rubel oder 18 FrcS. Ur. 32. Wien, 1. Oktober UM 5 Inhalt: Die jetzige Phase des Weltkrieges. — Die jüdisch-voluische Frage. — Rothschild und Romanow. — Die Ostjuden iu Prag. — Kriegs* sprüche. — H.-Boot-Abzeichen. — Verschiedene Nachrichten. — Oesterr.-ungar. Kalllorenverem. Abonnements-Einladung. Die geebrleu Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Hktober 1915 beginnende IV. Huartaleriucht, damit die regelmäßige Erpedition des Wtattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalbjährig Kr. 7.—, vierteljährig Kr. 3.50. K. k. Poftfparkasfen-Konto 1VV.S18. Probenummern gratis zur Verfügung. mm MW Die jetzige Wale des Weltkrieges. Alle Teile Rußlands, welche westlich von einer geraden Linie liegen, die von Riga zur Ostgrenze Galiziens führt, sind und bleiben durch den siegreichen Verlaus der fünfmonatlichen deutschösterreichischen Offensive, welche den Fall aller russisch-polnischen und lithanifchen Festungen herbeiführte, für Rußland hoffentlich auf immer verloren. Im Verhältnisse zu dem kolossalen russischen Reiche ist dieser Verlust wohl unbedeutend, denn die von den verbündeten Zentralstaaten bisher okkupierten Länderstrecken beherbergen kaum fünfzehn Millionen Seelen, was ungefähr einem Zehntel der ganzen russischen Einwohnerschaft entspricht. Der Verlust an Bodenstäche ist nach ungleich geringfügiger, wenn man ihn relativ beurteilt. Mit dem Maßstabe der verbündeten Zentralstaaten gemessen, ist aber der russische Verlust sehr bedeutend, denn die den Rnsfen bisher entrissenen Gebiete entsprechen ungefähr der Größe des Länderkomplexes, der durch einen von Paffau bis zur oftgalizifchen Grenze gedächten Breitenkreis von der österreichisch-ungarischen Monarchie im Norden abgeschnitten wird. Zudem sind es die dichtest bewohnten und kulturell am weitesten fortgeschrittenen, am weitesten nach Westen gelegenen Gegenden Rußlands, die ein volles Jahrhundert schon einen schmerzenden Dorn in den Staatskörpern Deutschlands Und Oesterreich-Ungarns bedeuten. Die Eroberung dieser Gegenden wird daher in Deutschland und Oesterreich- Ungarn mit Recht wie eine Befreiung von einer ständig drohenden Gefahr gefühlt, während es in Rußland als ein katastrophaler Schaden, als eine ungeheure Machteinbnße bewertet werden muß. Es war voransznsehen. daß nach der Verlegung der Ostfront an die erwähnte gerade Linie von Riga dis znr ostgalizischen Grenze der weitere Kampf gegen die Russen sich schwieriger gestalten muß, denn der Zarismus hat nun alle Ursache, mit den verzweistltsten Mitteln einem gleich raschen weiteren Vordringen der Verbündeten entgegenzuarbeiten, denn sonst handelt es sich für ihn überhaupt nm Sein oder Nichtsein. Der weitere Verlauf des Weltkrieges im Osten dürfte deshalb bald ebenso den Charakter des Defensivkrieges annehmen, wie dies bereits seit einem Jahre der Fall ist. sowohl die reichsdentschen als österreichisch-ungarischen Heerführer dürften nun angesichts des heraunahenden Winters keinen übermäßigen Drang verspüren, noch viel weiter in russisches Gebiet vorzngehen. Auch im Westen dürften es dte Reichsdeutschen vorziehen, die lauge schon errungenen Kriegsvorteile festzuhalren, als ein äußerst gefährliches weiteres Vordringen zu versuchen, aber am Balkan bereitet sich nnn eine neue Phase des Weltkrieges vor. welche vielleicht bald die Entscheidung des Weltkrieges herbeiführen kann. Der russischen Niedertracht, die sich im Jahre 1913 durch Entfachuug des zweiten Balkankrieges gegen die tapferen Bulgaren wendete, erblüht nnn eine recht unliebsame Bergeltnng. Der Hauptzweck des Weltkrieges war für Rußland die Eroberung Konstantinopels, das mehrhnndertjährige Ziel aller seiner politischen Träume. Die langjährige russische Rolle als Befreier der slawischen Balkanvölker vom türkischen Joche, welche unendlich viel russisches Blut und Geld kostete, war diesem Hauptziele gewidmet, denn der russische Zar wollte den Glanz und die Bedeutung der oströmischen Kaiser au sich reißen. Der zweite Balkankrieg richtete sich mit voller Wucht gegen die Bulgaren, weil sie nach Auffassung des moskowttischen Zaren die Kühnheit hatten, die Hand nach Konstantinopel ansznstrecken. Dies mußte exemplarisch gestraft werden und die „Züchtigung" wurde dem Selbstherrscheraller Renßen durch die Haltung der anderen Balkansttaateu leicht gemacht. Verhältnismäßig bald kam nun für die tapferen Bulgaren der Zahltag. Nach einem Jahre Weltkrieg

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