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Die Wahrheit · 1915-08-20 · Heft 29 (20.8.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 29 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ie Wahrheit Redaktion imb Administration: Wien, 11., Novaragasse 27 Telephon: Redaktion Automat 42.889. ^«abhängige Hertfchrift für jütische Bezugspreis: Ganzjährig . j ... . K 15.— Halbjährig.K 7.50 Administration Aut. 47.654 — fl. k. österr. Postsparkasia- Scheck-Konto Nr. 199.918. Interessen. Für Kultusbeainte: Ganzjährig ...... K 10.— Inserate: — Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Kreit »rg. Für Ausland: Abonnements- und JnsertionS- Ganzjährig.8 Mark betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto:; „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 8 Rubel oder 16 FrcS. Ur 29. Wien, 20. August Inhalt: Ans der Woche. — Die österreichisch-deutschen Siege in Polen. — Warschau. — Festgottesdienst und Festversammlung der Kultnsgemeinde. — Der 70. Geburtstag Dr. Julius Ofners. — 25 jähriges Amtsjubiläum. — Oesterreichisch-nngarische Kolonien in Palästina. — Eine psalmistische Sommerstudie. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. Aie geehrten Abonnenten werden ersucht, wie alljährlich» die ßinschattung der rwn ttttn- Wünsche rechtzeitig anzumelden. Kinschaltungsgeöühr 4.—. Aas Erträgnis ist wohltätigen Zwecken gewidmet. Ans der Woche. K u l t u r d e n k m ä l e r. Spärlich nur dringt zu uns die Kunde von den Ententeländern herüber. Was da aber durch die chinesische Mauer durchsickert, ist nicht besonders erfreulich. Ans Frankreich wird nun mitgeteilt, daß ein Gesetz alle dienstpflichtigen, russischen Inden vor die Alternative stellt, entweder nach Rußland zurückzukehren oder in die französische Armee einzutreten. Diese Armen scheinen nun das letztere gewählt zu haben, wie es auch ihre Leidensgenossen in Aegypten gegenüber ihren englischen Bedrückern taten, da sie jegliche Unbilden einer Rückkehr nach Rußland vorziehen. 0 tempora, o mores! Wie die Zeiten sich nun ändern! Sonst pflegte Frankreich ein Asyl für politische Flüchtlinge aller Länder zu sein, die dort die heißersehnte Freiheit ungehindert genießen konnten und nun werden Leute, die von ihrer stiefmütterlichen Heimat nichts wissen wollen, derselben gewaltsam ausgeliesert. Ein biblisches Gesetz lautet: »Du sollst nicht den Sklaven seinem Herrn ansliefern, der zu dir vor seinem Herrn geflüchtet ist." Dieses Gesetz wird jetzt von der „grande nation“ dem russischen Bundesgenossen zuliebe mißachtet. Ein französischer Kellner sagte einem deutschen Journalisten, dieser Krieg sei eine europäische Schweinerei. Ja, die größte Schweinerei besteht darin, daß „la, France“ von den Kosaken „etwas" lernt. Napoleon sagte einst: »Europa wird nach hundert Jahren entweder republikanisch oder kosakisch sein." Soll der große Korse doch ^echt behalten? Eine wunderschöne Perspektive! * * Die »Times" berichten, daß ein englischer Soldat einem deutschen Gefangenen das Bajonett durch die Brust stieß, mit der Bemerkung: »Das da für die Lusitania." Hierauf aber versetzte er ihm einen Hieb und sagte: »Und das für mich". Ein anderer englischer Soldat tötete eine» Deutschen und sagte ihm, als jener geltend machte, daß er auch Christ sei: „Nun gut, so befördere ich dich zn den Engeln." Die »Times" scheinen diese »Heldentaten" als Muster ihren Lesern vorznführen. Man sollte jedoch meinen, daß diese englischen Soldaten sich in nichts von gemeinen Mördern unterscheiden. Diese Skrupellosigkeit aber erinnert uns lebhaft an eine Erzählung, die während des Pogromes in Bjelostok die Runde durch die jüdischen Zeitungen machte: Ein jüdisches Mädchen fiel da vor einem Huligan aufs Knie und erinnerte ihn mit Tränen in den Augen an die christliche Nächstenliebe. Diese Bestie erwiderte darauf: „Jawohl, ich will dich in ein besseres Jenseits befördern." Erwähnt sei noch, daß die »Times" auch die russischen Pogrome stets zu verteidigen suchten. Wahrhaftig! Das Schicksal der Deutschen in diesem Kriege, die auch schon einige Pogrome mitmachen mußten, hat doch eine frappante Aehnlichkeit mit dem der Juden zn allen Zeiten. Den antisemitischen Zeitungen aller Länder sei es gesagt: Ihr, die ihr stets mit den Judenpogromen geliebäugelt habet, seid am wenigsten berechtigt, gegen diese Schandtaten zu protestieren' denn diese Bestien habet ihr gezüchtet. * * * Der bekannte Gelehrte, Oberrabbiner Dr. Simonson in Kopenhagen, entwirft im »Politiken" ein granenhastes Bild von der Ausweisung der Juden aus Kowno und Kurland auf Grund der Berichte zuverlässiger Gewährsmänner» die sich mit den Berichten der »Frankfurter Zeitung" im wesentlichen decken. Gleichzeitig hielt Lloyd George in einer Versammlung englischer Amazonen eine Ansprache, worin er u. a. sagte: „Rußland wird sich erneut und furchtbar erheben, um den großen demokratischen Völkern des Westens de» großen Sieg für Europcus Freiheit erringen zu Helsen." Die »Freiheit" Europa-! Es gibt keinen Raubkrieg in der Weltgeschichte, dem nicht der Räuber das Mäntelchen von der Freiheit nmgehängt hätte. Bereits ein römischer Feldherr sagte in einer Rede an die Trierer, die Tacitus in seinem vierten Buche der Historien wiedergibt: ceteram libertas et speciosa nomina praetexuntur (übrigens

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