Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 28 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 28. 2einrichtnugen für die jüdische Bevölkerung geleistet hat. Ehre seinem Andenken!" Hierauf ergriff Kultusvorsbher Dr. Heinrich Schreiber das Wort, um einen warmgesüvlten Nachruf zu halten, in ivelchem er die Berdrenste Bettelheims hervorhob'. Dann sprach die Präsidentin des Frauenvereines „Frauenhorl" nrit tiefer Rübrnng deri Dank für die v>elen Wohltaten aus, die der Verstorbene dem Bereme erwiesen. Um acht Uhr war die ernste würdige Feier zu Ende, woraus sich sämtliche Anwesenden in den Jnuenraum des Gotteshauses begaven, wo die übliche» Zahrzeitsgebere verrichtet wurden. Wien. (Kaiser Franz Joses I. - Hnldignn gstempef, IL, P a z m a «i l e n g a s s e 6.) Freilag, am 23. Juli (Schabbos Nachmu) wurde Se. Ehrwürdeu Herr Dr. Salomon Funk, bisher Rabbiner in Boskowitz und Landesrabbinerstellverlrerer m Mähren, im Kaiser Franz'Joses I.-Hutdigungstempet iu das Amt eingeführr. Schon lauge vor der festgesetzten Stunde war der große Tempel sowohl in der Herrenals auch in der Dameuabteiluilg überfüllt. Eine große Menge illustrer Gäste und Vertretungen verschiedener Tempelvereine hatten sich eingeinndeu: In Vertretung der israelitischen Kultnsgemernde Dr. Markus Spitzer und Dr. Jakob Deutsch, ferner Ehrwürdeu Rabbiner Dr. Max Grnnwold. die Belhausvorstände Anton Beck, Rudolf Kohr«, S. A. Waffervvgl und kaiserlicher Rat Ignatz Wilhelm, weiters Pros. Moritz Kauitz, Dr. Max Huß urid noch viele Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeulde. Au» den Bethansv reinen erschienen viele Abordnungen, und zwar des Bethausvereines „Adaß Jisroel" durch den Obmaunstellvertrerer Dr. Isidor Reininger und Jakob Stern, des Bethausvereines „BethIsrael" durch Dr. Leo Landau, Jakob Weichselbaum und zwei Vorstände, des Bethausvereines „Beth Hatfilah" durch die Vorstände kaiserlicher Rat Ignatz Wilhelm und Isidor Trebitsch, des Tenipelvereines im XX. Bezirke durch Heinrich Neuhaus, des Betvausvereines „Talmud Thora" durch Obmailnstellvertreter Leopold Hirsch, des Bethausvereines „Montefiore" durch seinen Rabbiner und zwer Vorstände, des Belhausveremes „Meichisch Jeschnoh" durch M. Weinstelil und noch zwei Vorstände, des Bethausvereines „Marpe Lanefesch" durch zwei Vorstände, des Bethausvereines „Achwa w'reuth" durch zwei Vorstände. Auch mehrere WienerWohltätigkeitsvereine habenVertreter entsendet. Prorammgemäß wurde derdnrch zwei Tempelverwalter aus der Wohnung eiugeholre Rabbiner von dem Präsidenten kaiserlichen Rat Adolf Sckramek und dem Bizepräsidenteu kaiserlrchen Rar Adolf Wenger im Vestibüle im Beisein des Gesamtvorstaude» und der Vertreter der Abordnungen begrüßt, woraus das Mitglied des Wiener Vertreterkollegiums Dr. Markus Spitzer als ossizieller Vertreter der Wiener Kulrnsgemeinde unter Hinweis auf das Hafrora-Wvrt „Kaul aumer kroli — jowesch chozir, nowel zizu die derzeitige traurige Weltlage berührte und der Erroartung Ausdriick verlieh, daß der ins Air»t einzusührende Rabbiner, den er als anerkannt großen Talmndisten und Verkündiger ' strenggläubiger Lehren herzlich lvillkommen hieß, in dieser schweren Zeit zu beledeu, zu heben und zu befeuern in der Lage nnd befähigt lein wird. Beim Eintritte des Zuges unter Vorantritt des Rabbiners wurde Se. Ehrwürdeu mit einem vom ersten Kantor Armin Stift und Chor zum Vortrag gebrachten „Boruch habo“ begrüßt und vom Vorstände zu seinem Sitze geleitet, der ebenso wie der Tempel mit prachtvollen Blumengewinden und Gewächsen geschmückt war. Nach Vortrag des Einleitungsgebetes „Mb, tauwu“ und des Chorales „Halleluja“ hielt Herr Rabbiner Dr. Funk eine schöngeformte Dankesrede, welche hellen Enthusiasmus hervorries. Sie klang in ein Gebet für unseren hocherhabeueu Monarchen, für die rnhmgekrönten Heere und die unserer Verbündereu aus, bei welchem vor Rührung die Augen der Zuhörer von Träuen überfloffeu. Nach Verrichtung des Abend- und Nachtgebetes und dem Schlnßgejang „Adaun Aulom“ war die schöne, allseits eindrucksvolle Feier beendet. Tags darauf hielt Herr Rabbiner Dr. Funk vor dem Mußaphgebete die Antrittsrede. Auch hiezu waren viele Abordnungen der Bethans- und Wohltätigkeitsvereine sowie zahlreiche Mitglieder verschiedener Vereine erschienen, so daß der große £ Tempel bis über das Vestibül hinaus überfüllt war. Anknüpfend an die überlieferte Lehre „der Männer der große» Versammlung", jener Führer, die in eruer unserer Zeit ähnlichen, sturmbewegteu Epoche gelebt und das Schiff des Glauben» aus den wildbewegken Wellen des Lebens in den Hasen der Ruhe geleitet haben — au den Spruch: „Seid gelaffen im Richtsprüche, stellet viele Schüler aus und machet einen Zaun um die Lehre" entwickelte Herr Rabbiner Dr. Funk sein Progranim ui großen Zügen. Er betonte, daß der Seelsorger sowohl der neuen Zeit als auch den neuen Verhältnissen, die der Krieg geschaffen, Rechnung zu trageu habe. Einerseits hat er als treuer nnd gewissenhafter Hüter und Wächter der Religion die durch den Weltkrieg vertieften religiösen Gefühle zu hegen und zu pflegen, durch Lehre und Beispiel zu stärken, andererseits aber wird er um „viele Schüler auszustellen" und der Lehre Eingang in weite Kreise zu verschaffen, gleich dem weilen Lehrer Hillel milde, sanft und tolerant — allen Parteirichtungen gegenüber — sem und die schöne Lehre beherzigen müssen, die nach einer Talmudstelle König David an jedem Morgen vor Beginn seines Tageswerkes der über seiner Lagerstätte schwebenden Harfe entnommen hat, damit nur durch die harmonische Vereiuiguug der verschiedensten Töne jener saustmelodische Klang entsteht, der in die Herzen dringt und die Seelen bezaubert. Tausendfaches „Jejascher Kauch“ wurde dem Rabbiner eutgegengerufen, der mit Rücksicht aus sein allseits anerkanutes Wirken in seiner bisherigen Gemeinde Boskowitz vollauf befähigt ist, dem vom Vereine „Adaß Jisroel" (Schiffiynagoge) brieflich ausgesprochenen Wunsche nachzukouunen, den religiösen Sinn in der Großgemeinde zu stärken und deu Zusammenschluß aller, die auf den Boden nuseres heiligen, altüderlieserten JndeutumS stehen, kräftigst zu fördern. Eger. Die Leiche de» am Donnerstag, den 29. Juli l. I. im hiesigen Militärspitale plötzlich verstorbenen Leutnants Heinrich Beut l er vom L.-J.-R. Nr. 29 wurde Freitag, den 30. Juli l. I. vormittags um 9 Uhr vom Marodenhause (jetzigen Jnfektionsspital) aus auf den hiesigen Bahnhof überführt, von wo ans sie mittels Bahn »ach Dresden gebracht wurde. Die Ueberführung trug einen feierlichen Charakter und ging unter militärischen Ehren vor sich. Nach der vom Oberkantor Wilkowitich vorgenommenen Tranerzeremonie im Marodenhaus bewegte sich der Ziig unter Vorautritt der Marschmusik des L.-J.-R. Nr. 29, der eine Aoteilung Soldaten in Marschadjustierung folgte, durch die Bahnhosstraße zum Bahnhöfe, wobei eine kolossale Menschenmenge ein dichtes Spalier bildete. An dem Kondukte beteiligten sich außer deu nächsten Angehörigen des plötzlich Berschiedelien auch Abordnungen der L.--J.--R. Nr. 29 und 6. Die letztere war eigens ans diesem Anlasse aus Budweis hierher gekommen. Leutnant Beutler rückte im August v. I. zum L.-J.-R. Nr. 6 nach Eger ein, mit dem er dann nach Sndweis versetzt wurde, wo er jedoch nur eine kurze Zeit verweilte, da er zum L.-J.-R. Nr. 29 nach Eger transferiert worden ist. Er war gleich anfangs wegen eines schweren Herzleidens superarbitriert worden,- wurde jedoch zu leichten Lokaldiensten verwendet. Er war der einzige Sohn seiner in Schandau wohnenden Eltern. Budapest. Jeder Besucher des großen jüdischen Friedhofes der Budapester Gemeinde nimmt die neuangelegte Heldenreihe in Augenschein, die schon eine stattliche Reihe ruhmreicher jüdischer Helden birgt und die man nicht ohne tiefe Rührung betritt. Auch sieht inan neben monumentalen Mausoleen uud Denkmälern schlichte altehrwürdige Mamordenkmäler, die vom anfgelaffenen alten jüdischen Friedhose der Bndapesier verlängerten Waiznerstraße mit den Gebeinen der Exhumierten hierher gebracht werden. Die Juschristeu vieler Grabsteine, wenn auch Privaten angehörig, sollten frisch geschwärzt werden, denn sie sind von kulturhistorischem und jüdischem Interesse. Und nun möchte ich noch eines Kuriosums erwähnen. Im Vorgarten der Landesrabbinerschnle in der Berkocsisgaffe ladet ein Steinrisalit den müden Besucher der Stadt zum Ausruhen ein. Doch wehe ihm, wenn er den Versuch macht: ein Stacheldraht im Barrenzaun bohrt sich ihm tief in den Rücken hinein. Fort mit diesen Stacheldrähten! Warum hat die Wiener Universität vor dem Hauptportale schöne Marmorbäuke für Studenten und das Publikum — ohne Stacheldraht? M. A. Oesterr - «ugar. Kantor en.Uerein. (Aus der Sitzung vom 22. Juli 1915.) Anwesend: Bauer, Morgenstern, Dünnmann, Jurberger, Serebrenik, Grob, Mayrowitsch, Friedländer. Präsident Bauer eröffnet die Sitzung, worauf das Protokoll der jüngsten Sitzung uud die Einläufe zur Verlesung gelangten. Die Begründung einer internationalen wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Kantoren durch Oberkantor Simon Singer—Kattowitz wird begrüßt. Der Kassier berichtet über die Kassagebahrung sowie über das Ergebnis der Wohltätigkeitsaktion des Vereines und über die Verteilung der verschiedenen Beträge an Unterstützungsbedürftige. Den geehrten Vizepräsidenten, I. Kantor Ignaz Schiller, bestimmt der Vorstand, durch Deputation anläßlich seines siebzigsten Geburtstages am 5. August l. I. zu ehren, worauf die Sitzung vom Vorsitzenden geschlossen wurde. Sammlung des Herrn Oberkantors Joses Lewinsky und Kantors M. Atlasz in Dombovar. Grünbaum Zsigm. K 1.—, Lampl Vilmos 1.—, Günsberger Böske 2.—, Leicht Reszö 1.—, Klein Jozsef —.50, Friedenthal Vilmos —.60, Steinbock Oszkar 1.—, N. N. —.50, Spitzer Jrme 5.—, Halmos Henrik 5.—, Kramer Gynla 2.—, Miklos 4.—, Deutsch Gusztav —.60, Krausz Ivan —.60, N. N. 1.—, B. S. —.50, Kohlbach Hermann 2.—, id. Goldschmied Jozs. 6.—, Weiner P. Jozsef 2.—, Königsbaum N. 1.—, Wurm David 1.—, Jzr. hitk. Dombov 10.—, Chevra Kadischa 10.—, Fein Ferencz —.60, Kaiser Jmre 1.—, Daniel Samuel —.60, Spitzer Jozsef 1.—, Reiser Antal 2.—, Biro Miksa 1.—, Reuvirth Fülöp 1.—, Schiller Jenö 1.—, egy Utazo 1.—. Arviz Kalman 2.—, Kaiser Jgnacz 1—, Gal Mor 1.—, Kertesz Bernat 1.—, Weinberger Rudolf 1.—, Sarkadi Zoltan 1.—, Stern Jozsef 4.—, Fürst H. 1.—, Weisz Mor. 10.—, Dr. Reumanns 3.—, Hahn Vilmosns 3.—, Stern Jgnacz 1.—, Reiser Lajosns 2.—, Ozv. Hirschns 1.— Kohn David 1.—, Glücks Bertalan 2.—, Reinitz Armin 2.—, Kantor Adolf Hellmann, Lundenbnrg . . . 5.— Kantor I. Groß, Karlstadt -. . . . . . . 5.^—