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Die Wahrheit · 1915-08-06 · Heft 28 (6.8.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 28 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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reMay^yerr Redaktion und Administration: Wien, 11., Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion Automat 42.888. Administration Aut. 47.554 . ^«abhängige Perlschrift für Mische B e z u q s p r e >. >?: Ganzjährig.K 15 — Halbjährig.K 7.50 K. k. österr. Postsparkassa- Scheck-Konto Rr. 100.918. Interessen. Für Kuittisbeaiiite: Ganzjährig .K 10. - Inserate: - — Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Kreitng. Für Dl Urlaub: Abonnements- und Jusertiousbeträge sind in ' Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Ganzjährig.S Mark 8 Rirbel oder >6 Frcs. Kr. 28. Wie». 6. August h<!5 Inhalt: Die Situation des Weltkrieges nach dem ersten Kriegsjahre. — Der gute Hirt. — Paritätische Behandlung der Inden in der neuen städtischen Verwaltung Russisch-Polens. — Biblisches Drama eines Bierverbandes. — Erster Kantor I. Schiller. — Jakob Weiß. — Eine psalmistische Sommerstudie. — Verschiedene Nachrichten. — Oesterr.-Ungar. Kanloren-Berein. Amfo! Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, die restlichen Abonnementsbeträge einsenden zn — .! wollen. VT : Die Situation des Weltkrieges nach dein ersten Kriegsjahre. Nach einem Jahre des schrecklichsten Blutvergießens und der Vernichtung ungezählter Milliardenwerte auf dem weiten Erdenrnnde, nach einer noch nie dagewesenen Häufung von Schmerz, Kummer und Vernichtung von Habe und Glück haben die gewissenlosen Kriegsspekulanten der Entente zu ihrer Verzweiflung nicht nur keinen Erfolg ihrer Raubnnternehmnng zu verzeichnen, sondern sie ächzen gewaltig unter der Gewalt der eisernen Fänge der so siegessicher angegriffenen europäischen Zentralstaaten Deutschland und Oesterreich-Ungarn, zu denen sich später noch die tapferen Kriegsscharen der Osmanen gesellten. Ein Blick auf die Kriegskarte, die nicht nur Europa umfaßt, sondern auch alle anderen Weltteile in Mitleidenschaft zieht, zeigt klar, daß nur verhältnismäßig wenig Boden der Gebiete der planmäßig überfallenen Zcntralstaaten von den Kriegsscharen der raubsüchtigen Gegner, dagegen weite Landstrecken der gierigen Angreifer von den tapferen Scharen der sich wacker wehrenden Verbündeten besetzt sind. Mit Ausnahme eines schmalen Landstreifens au der Küste bestndet sich ganz Belgien unter deutscher militärischer Gewalt und die von den Deutschen besetzten Gebiete in Nordfrankreich übertreffen die von den Franzosen besetzten Landstrecken im Elsaß mindestens fünfzehnfach an Ausdehnung. Noch günstiger für die treu miteinander im Weltkriege Verbündeten liegen die Verhältnisse am östlichen Kriegsschauplätze. Nur mehr der galizische Landstrich im Nordosten, der vom Bug, der Zlota Lipa und dem Dnjester begrenzt erscheint, ist noch von den russischen Kriegshorden besetzt. Die Landstrecken in Kongreßpolen, zwischen Weichsel und Bug im russischen Gebiete, nördlich von Galizien, in Litauen und Kurland, welche gegenwärtig unter dem Regime der Deutschen und Oesterreicher stehen, überragen aber die angezogenen galizischen Gebiete nahezu siebenfach an Ausdehnung und außerdem haben die österreichisch-ungarischen Kriegsscharen zum Schutze von Czernowitz und der Bukowina noch ansehnliche Strecken in Beßarabien besetzt. Das russischpolnische Festnngsviereck an der Weichsel und am Bug erscheint gegenwärtig im Norden und Süden von Deutschen und Oesterreich-Ungarn bedroht und namentlich gegen Warschau und Jwangorod naht das Verhängnis beängstigend. Wie niederdrückeud die Kriegssiluation aus die russische Intelligenz wirkt, erhellt aus einem Artikel in der „Nowoje Wremja", in welchem ausgeführt wird: „Deutschland würde gerne Frieden schließen, um den Rücken frei zn bekommen, aber für Rußland würde ein Frieden der Vernichtung gleichkommen. Die Deutschen würden ganze Landesteile, eine ungeheure Kontribution und einen für Rußland schädlichen Handelsvertrag verlangen und sodann das ganze Slawentum vernichten. (?) Rußland würde verarmen und nicht imstande sein, eine Armee und Flotte zu unterhalten, so daß es auf den Standpunkt Chinas herabsinken würde. Deshalb bleibt nur der Kampf bis aufs Messer übrig". Die gute „Nowoje Wremja" soll eben den „Kampf bis aufs Messer" der zusammentretenden Duma auch ferner noch mundgerecht machen und einen so gigantisch verlorenen Krieg auf diese Weise von den Schultern des bereits verängstigten Zarismus abwälzen. ZuDenken gibt es aber, daß dieMöglichkeit eines Friedensschlusses bereits in russischen Regierungsblättern diskutiert werden darf. Vielleicht entschließt sich der Zarismus, nachdem er so unbarmherzig vom Wahne seiner militärischen Ueberlegenheit gerissen wurde, doch noch in seiner Verzweiflung eher einem rechtzeitigen Friedensschlüsse, als der verflucht gefährlichen Fortsetzung des „Kampfes bis aufs Messer" zuzustimmen, denn wenn Warschau und Jwangorod gefallen sind, dann zeigt etn Blick auf die Kriegskarte, daß dann eine für die Russen katastrophale Vereinfachung der Kriegsfront etwa von Riga über Kowno und Brest-Litowsk bis zur galizischen Grenze keineswegs mehr im Bereiche der Unmöglichkeit wäre. Nach einer solchen Amputation des russischen Staates könnten die verbündeten Zentralmächte auch einen ihnen anfgedrängten zweiten Winterfeldzug ruhig aufnehmen. Auch das treubrüchige Italien hat mit feiner Kriegseröffunng schlecht spekuliert. Nur diejenigen Teile Südtirols und des Küstenlandes hält es gegenwärtig nach zweieinhalb Kriegsmonalen noch besetzt, welche ihnen der Kriegsplan Oesterreich-Ungarns von vorueherein eingeräumt hatte. Im Bierverbande und ganz besonders am Balkan wirkte aber der Eintritt des beutesüchtigen Italien direkt wie ein Spreng-

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