Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1915-07-09 · Heft 26 (9.7.1915) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 26 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063862-3063888--09670-3076942
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dßt'ycü Redaktion und Administration: Wien, H., Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion Automat 42.889. , Administration Aut. 47.854 K. k. österr. Postsparkassa- Scheck-Konto Nr. 400.918. Auakhängige Ieitfchrift für Mische Bezugspreis: Ganzjährig.K 15.— Halbjährig.K 7.50 Interesse«. Für Kultusbeamte: Ganzjährig.K 40.— Inserate: Erschein 1 jeden Areitag. — Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Für Ausland: Abonnemenls- und JnsertionS- Galrzjährig.8 Mark betröge find in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 Rubel oder 16 Frcs. Ur. 26. Wien. 9. Juli «913 Inhalt: An unsere Abonnenten. — Da» neueste Manifest des Zartyrannen. — Das zehnte Gebot. — Die Eroberung von Lemberg. — Schulaktion für Flücktlingskinder ans Galizien und der Bukowina. — Sana mens in corpore sano. — Verschiedene Nachrichten. —Literatur. An unsere geehrten Herren Abonnenten! Infolge Mangel an Arbeitskräften find wir zu unserem Bedauern genötigt, in der nächsten Zeit unser Blatt mit 14 tägigen Intervallen erscheinen zu lassen. Indem wir an die Nachstcht unseres geschätzten Leserkreises appellieren, geben wir der Hoffnung Ansdruck, daß es «ns baldigst gelingen wird, die technischen Schwierigkeiten zu überwinden und wieder regelmäßig zu erscheinen. Die nächste Nummer erscheint Freitag, den 23. Juli l. I. Die Redaktion. Das neue Manifest des Zartyranneu. Nachdem sich die russische Dampfwalze zum lebhaftesteu Mißvergnügen des Gewaltzareu durch die Kraft seiner Gegner nach rückwärts bewegte, geruhte der absolute moskowitifche Herrscher folgendes Manifest an seinen Ministerpräsidenten zu richten: „Aus allen Teilen des Vaterlandes gelangen Stimmen zu mir, welche Zeugnis ablegen für deu starken Willen des russischen Volkes, seine Kräfte dem Werke der Heeresansrüstung zu widmen." Es ist wohl möglich, daß der Zar jene planmäßig hervorgelockten „Stimmen" für echt hält, trotzdem er bereits alle Ursache hätte, daran zu zweifeln, daß nichts faul wäre im Staate Dänemark. Es mag im weiten Rußland wohl viele Teile geben, wo das Volk von „dem Werte der Heeresansrüstung" gerade nicht sehr entzückt ist. Man möge nur die sieben Millionen Inden, die Polen, die Finnen und dre sozialgesinuten Arbeiter Rußlands darüber befragen. Wie können sich diese Volksschichten für die russische Heeresausrüstung begeistern, wenn sie in Friedenszeiten die traurige Erfahrung machten, daß das Heer auch gegen sie selbst losgelassen wird, sobald sie Recht und Gerechtigkeit etwas energischer begehren als sich das für „russische Untertanen" schickt? Doch weiter zum Wortlaute des famosen Manifestes: „Ich schöpfe aus dieser nationalen Einmütigkeit (?) die unerschütterliche Sicherheit einer strahlenden Zukunft." Die Echtheit dieser „unerschütterlichen Sicherheit", die der Zar für seine Zukunft schöpft, darf von vernünftigen Leuten auch wohl stark angezweifelt werden, zumal wegen revolutionärer Erscheinungen in den größten russischen Stadien bekanntlich der Minister des Innern kürzlich weggeschickt wurde. Das fürchterlich unterdrückte russische Volk mag vielleicht auf eine „strahlende Zukunft" hoffen, aber dem Pogromzaren muß vor ihr bangen. „Der lange andauernde Krieg verlangt immer neue Anstrengungen, aber indem wir die wachsenden Schwierigkeiten überwinden und den unvermeidlichen Wechselfällen des Kriegsglückes die Stirne bieten, wollen wir in unserem Herzen den Beschluß befestigen und stählen, den Kampf mit Gottes Hilfe bis znm vollständigen Triumph des russischen Heeres zu fuhren." Der Zar gibt zwischen den Zeilen zu, daß er nicht glaubte, der Krieg würde so lauge dauern. Auch daß die Schwierigkeiten wachsen und daß der Krieg offenbar infolge der Kriegstüchtigkeit der Gegner immerneue Anforderungen verlange konstatiert der Gewaltherrscher. Ja, vielleicht hätte es sich der Zar wohl überlegt, gegen die verbündeten Zentralstaaten das Schwert leichtmütig aus der Scheide zu ziehen, wenn er deren Kriegstüchtigkeit und innere Festigkeit früher gekannt hätte. Der leichtsinnig vom Zaune gebrochene Eroberungskrieg mag den Zaren bereits ernstlich reuen und er wäre nun sehr froh, wenn er es nicht nötig hätte, „den unvermeidlichen (?) Wechselfällen des Kriegsglückes die Stirue bieten." Aber vermessen und gotteslästerlich klingt der Schluß des zuletzt angeführten Zarenausspruches, wenn er für das glückliche Ende seines Raubkrieges „Gottes Hilfe" gebieterisch heischt. Zn einem „vollständigen Triumph" der russischen Kriegshorden hätte er besser und treffender des Teufels Hilfe anrnfen sollen. Uebrigens wird der Zar, der von seinem Größenwahnsinne offenbar noch nicht geheilt wurde, doch noch die Erfahrung in zwingender Weise machen müssen, daß seine persönlichen Entschlüsse, wenn dieselben noch so stählern be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.