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Die Wahrheit · 1915-06-25 · Heft 24 (25.6.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 24 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 24. Helte 8.' Die Wahrheit. znrückznhalten mid die Straße für die Demonstranten sreizuhalten. Die Batkoue und die Fenster des Krlegsmiinsternnns waren von Offizieren und ihren Damen dicht besetzt. Die Hoch- und Hurrarufe, mir Venen die Demonstranlen vor das Kriegsministeriunl zogen, wo sie gegen das Gebäude Front machreu, wurden von dem angesammelteu Publikum stürmisch erwidert. Dre Musikkapelle, die den Zug begleitete, intonierte die Bolkshymue. die von den Versammelten mitgesungen wurde. Dann trat Abgeordneter Dr. Straucher auf den Sokel des Radetzky-Denkmals uud hielt mit weithin vernehmbarer Stimme eine Ansprache. Er feierte die Eroberung von Lemberg als Ende der HeimatSlosigkelt der jüdischen Flüchtlinge uud gedachte unt rührender Dankbarkeit der heldenmütigen siegreichen Armee, ihrer Führer und Monarchen, denen es zu danken ist, daß das harte Los der Verbannten gemildert und gebesierr werden soll. In das Hoch aus Kaiser Franz Josef nnd Kaiser Wilhelm, mit dem Dr. Srrancher schloß, stimmten die Denionstraiiten nnd das angesammelte Publikum begeistert ein. Die Musik spielte das „Heil dir im Siegerkrauz" uud die türkische Volks Hymne, die entblößten Hauptes angehört wurden. Daun sprach der ehemalige Abgeordnete Stand. Die Ordner traten in Fnnktion. In der musterhasten Ordnung, in der der Zug gekommen war, marschierte er über die Ringstraße unter Absingnng von zionistischen Liedern ab und gelangte bis zur Bellaria Hier löste sich der Zug auf. Teile der Demonstranten ichwenkten zum Landeeverteldlgungsmullsterium und zur deutschen Botschaft ein, wo begeisterte Kuudgebnuaeu starlsanden. Asch. (Eine Freudeukundgebung galizischer Flüchtlinge in Asch.) Aus Anlaß der fortgesetzten Siege der Verbündeten in Galizien, und insbesondere infolge der Wiedererobernng Przemysls veranstalteten die in den Ascher Baracken untergebrachten galizischen Flüchtlinge am 9 Juni l. I. eine große Freudeilkundgebnttg. Um 7 Uhr abends marschierten sie in geschlossenem Zuge unter klingendem Spiel vom Barackenlager ab. Sie gingen nt Vierer-Reihen geordnet, voran die Greise, dann in Altersabstnsungen die Jüngeren, zmn Schluß die Kinder. Dem Zuge voran schritt eine Abordnung der Flüchtlinge mit einer großen schwarz gelben Fahne. In den Straßen, durch die der Zug sich bewegte, halte sich eine nach vielen Tausenden zählende Menscheumenge angeiammelr. Bor dem Amtsgebäude der Bezirk-- hauptmanuschast nahmen die mehrere Hundert Personen zählenden Flüchtlinge in langer Front Aufstellung. Die Kapelle intonierte die Bolkshymue, wobei die Teiluehmer der Kundgebung die Häupter entblößte». Hierauf erschien im Portal des AmlSgebäudes Bezirkshauptmaun Hirsch, auf den die Abordnung der Flüchtlinge znrrat, deren Führer, Religionslehrer Oswald Offeuberger aus Stainslau. eine Ansprache hielt, in der er der Freude über die für uns siegreichen kriegerischen Ereigniffe in Galizien Ausdruck gab, nnd den Bezirkshanptmann bat. die Glückwünsche uud den Ausdruck unwandelbarer variiotischer Gesinnung der galizischen Jndenschaft an die Stufen des Thrones gelangen zu lassen. Er schloß seine Ansprache mit Bival-Rusen aus Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm, in die die Flüchtlinge begeistert einstimmten. Bezirkshauptmann Hirsch sprach den Dank für die patriotische Kundgebung aus und versprach, ungesäumt darüber an Allerhöchste Stelle zu berichten. Dann folgte eme eigenartige Szene, die auf alle Augenzeugert von ergreifender Wirkung war. Ein alter Jude im Kaftan trat vor uud erbat sich vom Bezirkshanptntann die Erlaubnis, ent Gebet in hebräischer Sprache singen zu dürfen. Sein Gesang, der an einzelnen Stellen von den Glaudeusgenoffen mit Murmeln und Summeit begleitet wurde, wurde auch von den zu Tausenden angesammelteu Nichljuden mit Bewegung angehört. Nach diesem eiudrucksvollett Akte setzte sich der Zug, von den Menschenmasien begleitet, zur Wohnung des Bürgermeisters in Bewegung,, woselbst sich die Kundgebung in ähnlicher Art wiederholte. Dann ging es unter Absingnng patriotischer Lieder durch verschiedene Straßen, die im Flaggenfchmuck prangten, nach dem Barackenlager auf dem Freihandschützenplatz zurück. Prag. Samstag den 12. Juni l. I. fand in der Klaussynagoge die Barmizwafeter des jugendlichen Klaviervirtuoseu Max Herrmann Schwarz, Sohn des Oberkautors dieser Synagoge Herril Siegm. Schwarz, statt. Der große Tempel war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt uud die zahlreiche andächtige Berjammlnng lauschte mit Bewnndernng dem exakten Leinen des Konfirmanden aus der Thora und feiuem verständnisvollen Vortrag der Haflara. Herr Oberrabbiner Dr. H. B r o d y hielt eine Ansprache au den Barmizwa. die alle Zuhörer rief bewegte. In der Wohnung des allbeltebteu Oberkautors fanden sich zur Gratulation Herr Oberrabbiner Dr. H. Brody. der gesamte Vorstand, viele Gemeiudemitglieder, die Kantoren Prags und zahlreiche Gönner, die den Barnuzwa mit schönen Geschenken bedachten. Den Höhepunkt der Feier bildete eine wirkungsvolle Rede des jugendlichen Künstlers. Budapest. Der allverehrte Präsident der Pester israel. Kultnsgemeiude, Herr Ludwig Adler, feierte vor einigen Tagen mit seiner Frau geb. Hermine L i ch l e n st e r n seine goldene Hochzeit. Trotzdem Präsident Adler diese seltene Feier im engsten Famillenkreise begehen wollte, ließen es sich seine zahlreichen Freunde und Verehrer nicht nehmen, rhu und seine hochherzige Frau mir ihren Glückwünschen anfzusuchen. Auch die Gemeinde nahm ihren Anteil an der Feier: am vergangeilen Samstag fatld nämlich int Kultustempel eine solenne Feier statt. Oberkantnr Prof. Adolf Lazarus trug eilten herrlichen, von ihm selbst iu klassischem Hebräisch verfaßten „Mische-Berach“ vor, woraus Rabbiner Dr. Simon H e v e s t in beredten Worten die Verdienste Adlers würdigte und hervorhob, daß den Präsidenten Adler iu allett |einen Taren stets feilt gutes, echt jüdisches Herz leitet. Das Publikum, welche» das geräumige Gotteshaus ganz gefüllt hat, bereitete hierauf dem Präsidenten Adler eine herzliche, dem Weihe des Ortes angepaßte Ovation. Nicht nur sämtliche jüdischen Vereine, sondern auch fast alle kulturellen und humanitären Institutionen Budapests suchten das Ehepaar Adler mit ihren Glückwunschadresseu ans, unter welchen besonders die Adresse der Pester Israel. Gemeinde und des Budapester Israel. Ferienkolonienvereines wegen ihrer künstlerischen Ausführung auffielen. Aus Aiilaß der goldenen Hochzeit spendete Präsident Adler zugunsten der ver» schiedenen Wohltätigkeitsinstitute namhafte Beträge. Auch wir freuen uns, Präsidenten Adler aus diesem Anlässe herzlichst begrüßen zu können. Wir gedenken aus diesem Anlasse dankbarst der rastlosen, segensreichen Tätigkeit, welche Präsident Adler seit Ausbruch des Krieges inr Interesse der jüdischen Flüchtlinge ausgeübr hat, der wirkungsvollen Propaganda, mit welchem er Geld, sehr viel Geld, zur Linderung der Not herbeigeschasft hat. Wahrlich, weint ein Mann über 50 Jahre lang im D'.custe der größten jüdischen Gemeinde der Welt steht und seit Jahren die Präsideutenstelle so ausfüllt, daß ihn die Gemeindeinitglieder nicht nur verehren, sondern aufrichtig lieben, dann muß jeder Jude ans vollem Herzen wünschen, es möge ihm noch lange, lange Jahre gegönnt sei», zum Wohle seiner Gemelnde, an der Seite seiner edlen Gattin gesund und glücklich leben zu können. — Dies walte Gott l New-Dork. Anfang Ma> fand.in New-Dork, in Cooper Union, eine Masseuverjammlung der New-Iorker Juden statt. Die Versammlung drückte ihre Sympathie für den Kamps de» polnischen Volkes um seine Befreiung und Selbstständigkeit aus, protestierte aber gegen die unmenschliche Behandlung der polnischen Inden nnd stellte die Grundsätze fest, uach denen die rechtliche Regelung des zukünftigen Gemeinwesens in Polen vorgenommen werden sollte. Die Resolution wurde einstimmig von der Versammlung, in der zirka 4000 Juden anwesend waren, angenommen. Biele Tausende mußten/ da der Saal zu klein war, draußen bleiben. Die Resolution, die eine Reihe von beachten»» werten Anregungen enthält, hat folgenden Wortlaut: „Obgleich die feindlichen Beziehungen großer Teile des polnischen Volkes, polnischer Organisationen und polnischer Zeitungen zu der jüdischen Bevölkerung in Polen, die ihren Ausdruck gefunden haben in Boykotts, Unterdrückungen und Denunziationen in der Kriegszone und blutige russische Militärpogrome zur Folge haben, eine tiefe Verbitterung geschaffen haben bei den Juden der ganzen Welt gegen die polnische Gesellschaft, so ideiillfiziereu wir doch nicht das polnische Volk als solches mit den finsteren Kräften des polnischen Chauvinismus und ändern nicht unsere sympathische Haltung zum Kampfe des polnischen Volkes für seine Befreiung, Wiedervereinigung uud Selbstständigkeit. Aber zugleich müffeu wir koitstatieren. daß die polnischen Parteien es ablehnen, der jüdischen Bevölkerung im zukünftigen Polen rechtliche Garantien für ihre nationale Existenz zu gewähren und daß diese Parteien die polnische Freiheit auf nationaler Rechtlosigkeit und Assimilieruuq der jüdischen Minderheit aufbaneu wollen. Die Weigerung, den Juden nationale Rechte zu gewähren, macht wertlos die Bereitschaft der Polen, den Inden bürgerliche Gleichberechtigung eiuzuräumen. Denn die systematische Agitation der polnischen Parteien gegen die Anerkennunq der Juden hat eine Atmosphäre des Hasses gegen die Juden geschaffen nnd so den Boden vorbereitet für einen Vernichtungskampf gegen die drei Millionen polnischer Inden. Ein dauernder nationaler Friede zwischeil Polen und Juden ist nur dann möglich, wenn im zukünftigen freien Polen der großen jüdischen Minderheit außer bürgerlicher Gleichberechtigung auch die national-politische Gleichberechtigung bei den Wahlen in der Stadt- und Landesverwaltung gewährleistet wird; ebenso müssen auch den Inden nationale Rechte ni der Gemeinde, in Schule und Sprache und die Selbstverwaltung ihrer eigenen nationalen Angelegenheiten gewährt werden." Mohllntigkeitsnklion des O e st e r r>- u n g. K a n l o r e n - V e r e i n e s in Wien. Wir bitten die geehrten Herren Kollegen Sammlungen in den Gemeinden einznleiten, damit wir in der Lage sind, alle einlaufenden Gesuche von Seite der in Not sich hier und auswärts befindendenKantoren-Familien, auch ferner berücksichtigen zu können. Dpenden erbittet man an derr Präsidenten, Oberkantor I. Bane r, II., Novaragasse 27, sowie an den Vizepräsidenten, Oberkantor I. Morgenstern, II., Ferdinandsstraße 23. Austritte ans dem Indentnm. Kaiser Klara, Arztensgattin, geb. 29/ Oktober 1876 in Wien. XIII.. Altgasse 21. Kaiser Alexander, Dr. Arzt, geb. l. September 1871 in Essegg. XIII., Altgasse 21. Braun Felix, Schriftsteller, geb. 4. November 1885 in Wien. VII., Breitegaffe 17. Grünwald Helene, geb. 20. Februar 1885 in Wien. VH., Schottenfeldgasse 89. Braun Hedwig, geb. 29. Mai 1891 in Wien., XITT., Beckmanngasse L.

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