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Die Wahrheit · 1915-06-11 · Heft 22 (11.6.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 22 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Ranbvereinignug der Entente verbreitete bekanntlich sofort' nach Ausbruch des Weltkrieges in ihrer gedungenen Presse krampfhaft die Version, sie sei gezwungen, die Freiheit der Völker, die Zivilisation der Menschheit und den weiteren Bestand der Kultur in Europa mit dein Schwerte gegen die barbarischen (?) mitteleuropäischen Zentralstaaten zu verteidigen. Diese saubere Gesellschaft, welche den Ausbruch des Weltkrieges durch Bestechung, Spionage und Förderung blutiger Verbrechen provozierte, welche ihre Macht durch fortgesetzte Eroberungen und beutegierige Ausnutzung unterjochter Völker in den sogenannten Kolonien begründet und durch den rücksichtslosesten Mißbrauch ihrer Seemacht einen fast ungeheuerlichen Welteinfluß sich ergattert hat, behauptete trotzdem mit frecher Stirne, sie seien die Wächter und Verteidiger der Moral und der Völkerrechte und Deutschland und Oesterreich-Ungarn seien die gemeingefährlichen und barbarischen Staatengebilde, die unterdrückt oder doch mindestens geschwächt werden müßten. Gegenüber solch böswilligen Ansstreuungeu wollen wir nun an der Hand der Tatsachen die Berechtigung dieser Behauptungen beleuchten. Vor allem wirkt es geradezu komisch, wenn das russische Reich, das moskowitische Zarentum, welches englische und französische Publizisten, Dichter und Maler noch vor kurzer Zeit mit der Peitsche ihrer Kritik empfindlich gegeißelt haben, nun auch als Beschützer der Völkersreiheit, des Rechtes und der Wahrheit gelten soll. Der französische Maler Gustav Dorö müßte sich wohl im Grabe nmdrehen, wenn ihm dies zum Bewußtsein käme.. Die unverfrorenste, grausamste Gewaltherrschaft, als welche der Zarismus gegenwärtig noch allgemein angesprochen wird, als Beschützer der Volksrechte und der Wahrheit! Die Kühnheit ist wirklich zu bewundern, mit welcher es die englische und französische Regierung wagten, einen derartigen Widersinn ihren immerhin noch auf hoher geistiger Stufe stehenden Völkern vorzusetzen. Um jedoch unsere Untersuchung nicht zu umfangreich zu gestalten, muß her Rückblick auf die Vergangenheit tunlichst ansgeschaltet werden, ein Blick auf die jüngsten Kriegsereignisse genügt für diesen Zweck vollständig. Nachdem England und Frankreich, wie Deutschland aktenmäßig nachgewieseu, den belgischen Staat in den Krieg hineingezogen und die belgische Regierung das belgische Volk in unverantwortlicher Weise und gegen alle Vereinbarungen des Völkerrechtes in einen wütenden und barbarischen Kampf mit dem deutschen Heere hineingehetzt hatte, wodurch dasselbe natürlich zu den schärfsten Kriegsmaßregeln gegen die irregulären belgischen Kämpferschaaren gedrängt wurde, eröffneten die Regierungsblätter der Entente einen wahrhaft mephistophelischen Lügenfeldzug gegen die deutschen Heere, denen sie nun den ärgsten Barbarismus andichteten. In den berühmtesten und kunstvollsten Kathedralen Belgiens und Frankreichs wurden von den betreffenden Armeeleitungen Beobachtungsstarionen, Apparate für drahtlose Telegraphie und sogar Geschützstände errichtet, sobald aber die Deutschen ans solche Ziele schossen, beschuldigte man sie scheinheilig der Religionslosigkeit und des Barbarismus. Sogleich nach Ausbruch des Weltkrieges blockierten England und Frankreich alle deutschen und österreichisch-ungarischen Meeresküsten, schnitten die europäischen Zentralstaaten von Weltverkehre ab, zerstörten alle Telegrapheukabel Deutschlands nnd Oesterreich-Ungarns mit der übrigen Welt und leiteten einen Lügenseldzng gegen ihre Gegner ein, wie ihn die Welt noch nie erlebt hatte. Zur Zeit als der Patriotismus in Wien und Berlin sich auf der Straße freudig und hoffnungsvoll äußerte, berichteten die Regierungsblätter der Entente von Revolten und Volksaufständen daselbst. Die Erfolge Deutschlands gegen seine Gegner im Westen nnd Osten brachten bekanntlich das Blut ihrer Gegner in Siedehitze und das sonst so erschrecklich kluge nnd praktische England beging die Unklngheit, seinen gelehrigen Schüler Japan zur Kriegshilfe aufzurufen. Durch die Eroberung Kiautschans bekundete Japan seine Bundesgeuossenschaft zu England, die bedrängten Franzosen harren aber heute noch vergebens auf das Eingreifen japanischer Kriegsschaaren zu ihren Gunsten, dafür aber führte Japan zum geheimen Aerger Englands seine Hegemonie in Ostasien durch und die so gefürchtete „gelbe Gefahr" steht vor den Toren Europas. Die arglistigen Ententestaaten hatten besonders auf die nationale, konfessionelle nnd soziale Mannigfaltigkeit der Bewohner Oesterreich-Ungarns ihren Zerstörungsplan gebaut und der moskowitische Riese übernahm es, seine gewaltige ..Dampfwalze" nach Galizien hineinzuwälzen. Der Rubel rollte gewaltig nnd „Russophilen" wurden masienhaft gekauft. Die dynastische Treue der Bevölkerung überwog aber bei weitem die Zahl der Verräter

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