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Die Wahrheit · 1915-05-07 · Heft 18 (7.5.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 18 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Noch wütet der Weltkrieg auf dem ganzen Welttheater, doch die hoffnnngsfreudigen Siegesnachrichten der letzten Tage sind geeignet, unsere Zuversicht auf den endlichen glücklichen Ausgang unserer gerechten Sache zu stärken. Unter der Bezeichnung des „inneren Burgfriedens" und unter dem lähmenden Regime des Kriegszustandes wird wohl jeder Ausblick in die Zukunft möglichst verhindert, trotzdem finden sich Regierungen, Volsvertretnngen und die Presse gedrängt, wenn auch zaghaft und schen. den Znknnftsschleier wenigstens teilweise zu beben, denn es wäre hoffnungslos und unerträglich, die langwährende Kriegsnot ohne solchen Ausblick durchzuhalten. Jeder klare Blick in die Zukunft stützt sich auf einen Rückblick in die Vergangenheit und ans dieser Erwägung sott die Entstehungsgeschichte des gegenwärtigen blutigen Völkerringens kurz rekapituliert werden. Dieser Krieg wurde in Wahrheit schon Jahrzehnte vorher durch die russisch-französische Annäherung, welche ihre aktuelle, gefährliche Bedeutung erst durch den Beitritt König Eduards von England als Dritten im Bunde erhielt, vorbereitet. Die Zentralmächte Europas, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, wurden durch diese Sachlage mit Naturnotwendigkeit zu einem Schutz- und Trutzbündnis aneinander gekettet und Italien, welches durch die kolonialen Ausbreitungen Frankreichs und Englands in Nordafrika beunruhigt werden mußte, ergänzte sich mit ihnen zum „Dreibunde". Durch die bekannte Entwicklung der Balkanstaaten in den letzten Jahrzehnten des abgelaufenen Jahrhundertes wurden die russischen Hoffnungen an seiner Südgreuze zerstört und als seine Eroberungsaktionen im äußersten Osten am Beginne des 20. Jahrhundertes ebenfalls arg scheiterten, wendete sich der russische Koloß behufs Betätigung seiner ununterbrochenen Ausbreilnngssncht wieder nach Westen. Nach der bekannten barbarischen Palastrevolution im Belgrader Konak war die serbische Negierung die kläffende Avantgarde des russischen Bären gegen Oesterreich-Ungarn geworden und der vom werbenden russischen Rubel mächtig geförderte Panslavismns löste schließlich das Verbrechen zu Sarajevo und den Ansbrnch des gegenwärtigen Weltkrieges aus. Der deutsche Kaiser und sein Reichskanzler konstatierten schon am 31. Juli 1914, daß Deutschland den Frieden a u f r e ch t e r h a lt en wollte, daß man ihm aber d as S ch w e r t in die Hand zwinge. Am 1. August 1914 sprach der deutsche Kaiser folgende denkwürdige Worte: „In deml jetzt bevorstehenden Kamps kenne i ch in meinem Volke k e i n e P a r t e i e n mehr. Es gibi unter uns nur noch Deutsche und welche von den Parteien auch im Laufe des Meinnngskampses sich gegen mich gewendet haben sollte, ich verzeihe ihnen allen von ganzem Herzen. Es handelt sich jetzt nur darum, daß alle wie Brüder z u s a m m e n st ehe n." Aus der Thronrede vom 4. Angnst 1914 zu Berlin verdienen besonders folgende kaiserlichen Worte sestgehalten zu werden: „Die kaiserlich-russische Regierung hat sich, dem Drängen eines unersättlichen Nationalismus nachgebend, für einen Staat eingesetzt, der durch Begünstigung verbrecherischer Anschläge das Unheil dieses Krieges veranlaßte. Die gegenwärtige Lage ging nicht aus vorübergehenden Jnteressenkonflikten oder diplomatischen Konstellationen hervor, sie ist das Ergebnis eines seit langen Jahren tätigen Uebel wolle ns gegen Macht und Gedeihen des Deutschen Reiches. Uns treibt nicht Er ob e r n n gs l n st. uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren, aus den Gott uns gestellt hat, für uns und alle kommenden Geschlechter. Zum Zeugen dessen, daß Sie fest entschlossen sind, ohne Parteinnterschiede, ohne Standes- und Ko ns es s i o n sun t e r s ch i e d e zusammeuzuhalten, fordere ich die Vorstände der Parteien ans. vorzutreten und mir in die Hand zu geloben." Der deutsche Reichskanzler erklärte damals: „Wir haben der englischen Regierung die Erklärung abgegeben, daß, solange s i ch En g l a n d neutral verhält, unsere Flotte die Nordküste Frankreichs nicht angreifen wird und daß. wir die territoriale Integrität und die Unabhängigkeit Belgiens nicht antasten werden. Diese Erklärung wiederhole ich h i e m i t vor aller W e l t und ich kann hinznsetzen, daß solange England neutral bleibt, wir auch bereit wären, im Falle der Gegenseitigkeit keine feindlichen Operationen gegen die französische Handelsschiffahrt vorzunehmen." Am 2. Dezember 1914 erklärte der deutsche Reichskanzler im deutschen Reichstage unter anderem: „Wir müssen und wollen den Verteidigungskrieg, den .vir, vor allen Seiten bedrängt, s ü r R e ch t u u d F r e i h e i t s ü h r e n. vis zum guten Ende durchkämpsen." Nachdem er das englische Kabinett als den hinterlistigen Urheber des Weltkrieges angesprochen, rühmte er die E i n i g k e i t und Opferwilligkeit des ganzen d e n t s ch e n Volkes im gefahrvollen Kampfe und sagte: „Wenn der Krieg beendet

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