Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1915-04-23 · Heft 16 (23.4.1915) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 16 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063862-3063878--09558-3076820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 16. Die Wabrveil Seite 7. ad absurdum. ist nicht zn erwarten, daß diese treffliche Schrift die „gelehrten Antisemiten" bekehren wird. Aber es ist ein vortreffliches Dokument znr Beleuchtung der „a n t i s e m i t i s ch e n G e l e h r s a m k e i t". Der rnfstsche Geuerattsstmns UiKolai Nikolajewitsch und Pharao. In Nr. 18.192 der „Neuen Freien Presse" heißt es im Leitartikel ausdrücklich: „Seit dem Austauchen der Gerüchte mber die Erkrankung des Oberfeldherrn Nikolai Nikolajewitsch hat uns die Frage beschäftigt, ob der Krieg wohl ansgechrochen wäre, wenn die Leber des Großfürsten ihn nicht in einen reizbaren Zustand versetzt haben würde." Hiezu möchte ich mir erlauben, zn bemerken, daß die Vermutung, der Weltbrand wäre nicht so leicht entzündet worden, wenn Nikolajewitsch leine kranke Leber gehabt hätte, vollständig begründet sei. Wenn die Leber angeschwollen ist. wird selbstverständlich auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen und ein solcher Patient leidet nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Eine geschwollene Leber ist schwer, wirkt daher sowohl ans das Herz als auf den Geist furchtbar deprimierend. Kowed heißt in der hebräischen Sprache schwer, Leber, während Kowaud Ehre heißt. Es ist leicht möglich, daß der unbezähmbare Ehrgeiz die natürliche Folge eines schweren Leberleidens, oder umgekehrt, daß ein schweres Leberleiden die Folge des Ehrgeizes und der Herrschsucht sei. Es war daher ein schweres, unverzeihliches Vergehen, daß einem seelisch und körperlich leidenden, gallsüchtigen Menschen in Rußland ein so hohes, verantwortnngsreiches Amt wie das des Generalissimus übertragen und das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel gesetzt wurde. Mit Fug und Recht dürfte man jetzt den Russen mit dem Propheten Jesaias znrnfen: „AI meh sukku od, tosifuli soroh?“, „Wohin sollet ihr noch nnnützerweise geschlagen werden, wenn die Empörung zunimmt?". „Kol rosch locholi wech-ol lewow dwoj“, „Der Kopf (das Oberhaupt) ist krank und das Herz matt." Auch der grausame Pharao, der Vater des Antisemitismus, -dürfte mit einer ähnlichen Krankheit behaftet gewesen sein, daher er bis zum letzten Augenblicke, nämlich bis zur letzten Dinge, die die schwerste Katastrophe war, von welcher die Aegypter heimgesucht wurden, verstockt, hartnäckig geblieben war. Das Wort Gottes an Moses lautet ja ausdrücklich: ^Ko^sd lew Parao“, „Das Herz Pharaos ist schwer", darum ist er trotzig, unbeugsam, barbarisch und weigert sich, Israel frei ziehen zu lassen. Bemerkt muß jedoch werden, daß selbst in Mizraim unter der Regierung des grausamen Tyrannen Pharao solche scheußliche Frevel- und Schandtaten und Menschenschlüchtereien, wie im gegenwärtigen Weltkriege unter der Leitung des -Großfürsten Nikolajewitsch nicht vorgekommeu sind. V e r i t a s. Verschiedene Nachrichten. Wie». Samstag, den 17. April feierten Herr Oberrabbiuer Dr. G ü d e m a n u und dessen Gattin die Barinizwah ihres Sohnes Leo, der, als Maftir zur Thora ausgernfen, den Thora-Abschnitt sowie ■ bie Hasthora verständnisvoll vortrug. OberrabbinerDr. Güdemann erteilte unter allgemeiner Ergriffenheit seinem Knaben selbst den Segen und Oberkantor Don F u ch s rezitierte, dem feierlichen Akte entsprechend, ben üblichen Nisoüsdsraoü in wirkungsvoller und ergreifender Weise. Wien. Die Jahresversammlung der „I ü d i s ch e tt T o y II b e ehalle" fand wie stets in den Räumen der „B'nei B'rith", IX., Universitätsstraße 4, statt. Der Obmann, Dr. I. S a m n e l y, gedenkt in herzlichen Worten Heinrich M e n d l s, durch deffen weitblickenden Edelsinn so große Erfolge erzielt werden konnten. In dem geräumigen Saale wurden 123 Vorträge und' Konzerte abgehalten, welche 24.400 Zuhörer versammelten. Die Musikaufführungen erhoben sich immermehr über das Niveau der Liebhaberkunst, da sich eine große Anzahl von Meistern in den Dienst der Bolksveredlung gestellt batte. 'Außerdem wurden 6 Kurse für Stenographie und Deutsch, hauptsächlich für Flüchtlinge (300) abgehalteu. In den schönen Räumen des Josephme Mendl-Wohlfahrtshauses sind nun auch eine Schule der Baron Hirsch-Stiftung und eine für hebräische Sprache untergebracht. Der Redner dankt den Herren Karl Freund, Prof. Roth und Glück, sowie den Frauen Freund. R o r h. Glück und Borges und noch vielen andern Herren und Frauen, deren Eifer für die schöne Sache nie erlahmte. Bon den zahlreichen Zuwendungen erwähnt der Vorsitzende insbesondere die der israel. Knlmsgemeinde von K 2000,. die ans der Stiftung Goldschmid von X 500, jene des Bankiers S p e y e r-K a n » von X 1000 und die der Stiftung Thorsch m der Höhe von X 5000. Dr. Schorr berichtet über die Kaffengebahrung. Die Ausgaben betrugen X 8000. Er daukc den Vereinen „Wien" und „Eintracht" für die Unterstützung (X 200, bzw. X 1500), Herrn Rudolf K o h u für die Beistellnng vorzüglicher Klaviere und mehreren Herren für gewährte Unterstützungen (X 700). Prof. E h r m a n n, Präsident der vereinigten österreichischen Wohltätigkeltsverbände, schließt sich den vorher entwickelten Gedanken über die Ansgeftaltung der „Toynbeehalle" an und legt Nachdruck darauf, daß gerade jetzt das Abstrakte gegenüber dem Konkreten mehr in den Hintergrund treten müffe, insbesondere im Hinblick auf die hieyer geflüchteten Glanbensgenossen, denen technisches Denken so sehr nottne. Herr Glück dankt nainentlich dem Obmaune und dessen Stellvertreter Herrn Koyn für den Verein „Wien", Herr Kommerzialrat R o s e n z w e i g für den Verein „Eintracht", daß die schöne Schöpfung immer mehr gedeihe. Kaiserlicher Rat Dr. Ascher dankt namens der Baron Hirsch-Stiftung für die Einmietung von 140 Schülern, unter denen sich auch 40 christliche Kinder besinden, und bittet Herrn Karl Freund, auch diesen nuglücklicheii Geschöpfen seine Fürsorge angedeihen zu lassen. Auch er rühmt die Anstalt, der seitens der behördlichen Kommissioil ebenfalls die vollste Anerkennung zuteilc geworden ist. Herr Pelz drückt für die galzischeu Vereine seine Freude und Veivilndernng über das in dem neuen Hame Gesehene ans u-ld nennt diese „Organisation des Almosens" nachahmenswert. Schließlich wird der neue Vorstand gewählt, und zwar folgende Herren: Dr. I. Samuely, Obmann, Karl Freu n d. erster Stellvertreter, Prof. S. E h r m a n n, zweiter Stellvertreter, Kommerzialrat R o s e n z w e i g, Berthold Glück, Schriftführer, Dr. K- S ch o r r, Schatzmeister, Heinrich Lederer, Wilhelm Neu mann, I. K a r p e l e s, Dr. Knöpft mach er, Alfred Zweig, Rudolf Borges, Heinrich M e n d l, Viktor Heim und Richard L i s s a u. Wien. Die Jahresversammlung des „B e r e i n e s zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinde r", XX., Deuisgasse 33, fand am gleichen Orte wie die der „Toynbeehalle" statt und war beherrscht von der aufrichtige» Anerkeuung der edlen Handlungsweise Heinrich M e u d l s. Der Obmann, Dr. I. Samuely, legte anstelle des eingerückren Schatzmeisters den Kassabericht vor, dem zu entnehmen ist, daß die Ausgabe» X 18.000 (um X 1000 mehr als im Vorjahre) betragen haben, Nebst den regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen wurde der Betriebsfond durch eine Spende des Herrn Richard Wiener (X 5000), vieler Jngendfrennde und der Kulrusgemeinde in der Gesamthöhe von X 2050 gestärkt. Hiezu kam noch daS Legat Gropper (X 16.500) und die Zuwendungen des Vereines „Wum" (X 2700). Der Hort ist von 192 Kindern besucht, von denen 61 Mädchen, 131 Knaben sind. Für die schönen Erfolge gebührt den Lehrern Husch ak, Zwirn und Frau Zwirn volle Anerkennung. Herr Karl Freund gibt ein Bild der Verwaltung und stellt hiebei fest, daß der eigentliche Gründer des Hortes Dr. Samuely ist. Nebst den täglichen zweimaligen Jause» gab es die festlichen „Kinderjausen", wobei fast 1.800 Kinder beschenkt und 500 nahezu vollständig bekleidet worden sind. Für eifrige Betätigung im Horte verdienen besten Dank die Frauen Freund und Borges, sowie Herr Phil..Ko h n, der 40 Kinder aus seine Kosten aufs Land gesandt hatte. Schließlich müffe der umsichtige» Mühewaltung des Verwalters Klein und deffen Frau dankend gedacht werden. Nun erfolgte die Wahl des neuen Vorstandes, und zwar: Die Herren Dr. I. S a m u e l y, Obmann, Karl Freund, erster Stellvertreter, Kommerzialrat R o f e n z w e i g, zweiter Stellvertreter, Ernst G ö tz l. Schriftführer, Max H l l l e r, Stellvertreter, Karl G o l d s ch m i d r, Schatzmeister, Direktor Jul. B e l l a k. Siegln. B o s ch a u. Kommerz'alrat Jul. Freund, Direktor Alex. Hecht, Pros. S. Kühner, Dr. Mor. schnabl, Ernst S i m dii, E. G. Tanßig und Heinrich M e n d l. Wien. (Die U e b e r si e d l u n g g a l i z i s ch e r Flüchtl i n g e a u s U u g a r n n a ch O e st e r r e i ch.) Die ungarische Regierung hat bekanntlich verfügt, daß die sich seit einigen Monaten in Budapest aufhalrenden unterstützungsbedürftigen gal'.zischen Flüchtlinge nach Oe st erreich befördert werden. Sonntag, den 18. April ging der erste Transport, bestehend aus 88 Familien mit 272 Köpfen, von h:er ab. Das Reiseziel ist U n g a r i s ch - H r a d i j ch in Mähren, wo die Flüchtlinge untergebrachl werden. Von den nach Budapest geflüchteten galizischeu Familien, über 200 au der Zahl, haben sich bisher im ganzen 184 mit 584 Köpfen gemeldet, um nach Oesterreich gebracht zu werden. Denjenigen, die sich melden, wird die staatliche Unterstützung, die sie bisher bezogen, bis znm 15. Mai ausbezahlt. Wien. (Zulassung der Mittelschüler Galiziens und der Bukowina zu den P rüfuug e n.) Um jenen Mittelschülern Galiziens und der Bukowina, die ihre Studien anderwärts fortgesetzt haben, den regelmäßigen Abschluß des laufenden Schuljahres zu ermöglichen, hat der Unterrichtsminister folgende Ansnahmsbestimmnngen getroffen: Schüler, die an Mittelschulen anderen Krön-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.