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Die Wahrheit · 1915-04-16 · Heft 15 (16.4.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 15 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15. Die.Wahrheit_Seite 7. Ist nun diese Tatsache an sich kurios gerulg, so ist doch das Kurioseste daran, daß dieses große Wunder, Znaim zur bestverproviantierten Stadt der Monarchie gemacht zn haben, das Werk — eines Inden ist! Ja, Herr Emil Löwy hat den wunderbaren Plan ersonnen, wonach Zuaim mit Lebensmitteln für. Mensch und Vieh reichlich versorgt wird und außerdem dem Kriegssttrsorgeamt an die 6000 K zufließen werden. Herr Emil Löwy hat den Plan ersonnen -und ihn auch mit Unterstützung der r a d i k a l e n Sladtwerwaltnng dnrchgefnhrt — ist das nicht ein Kuriosum? Für die Internierten in Tirol. Es ist ja nur ungeheuer selbstverständlich, daß mit 'dem Ansbruche des Krieges alle jüdischen Wohltätigkeitsinstitute mobilisiert und auf erhöhten Ausgabenstand gesetzt wurden. Allein uns Inden in Tirol ist nebst der allgemeinen Kriegsfürsorge, der Unterstntznngsaktion für galizische Flüchtlinge auch noch die Aufgabe zugefallen, für die im Lande in den verschiedenen Internierungslagern untergebrachten russischen Juden zu sorgen. Diese wirklich bedauernswerten Opfer des Krieges haben von ihrem auch sonst spärlichen Besitz nichts als Talles und Tesilin gerettet. Es galt nun, im Nahmen der bestehenden gesetzlichen Vorschriften das Los dieser Armen nach Möglichkeit zu lindern, sie wenigstens seelisch aufrecht zu erhalten und ihnen die Erlaubnis zn erwirken, ihren religiösen Sitten und Gebräuchen gemäß zu leben. Dank .dem löblichen Entgegenkommen der Bezirkshauptmannschaften Schwaz und Kufstein hatte das gemeinsame Einschreiten des -Landesrabbiners Dr. Link und des Kultnsvorstehers Dannhauser den Erfolg, daß die Internierten am Sabbath und an Feiertagen von jeder Arbeit befreit bleiben und auch sonst sind die Behörden bemüht, den religiösen Bedürfnissen der Internierten nach jeder Richtung hin Rechnnng zn tragen. Vor einem viel schwierigeren Problem war die Kulmsgemeinde durch das Herannahen des Peßach-Festes gestellt. Von nicht weniger als zwölf Militärstationen und drei -lRefangeneulageru sind Ansuchen um rituelle Verköstigung eingelanfen. Eine günstige oder anch nur befriedigende Erledigung dieser Ansuchen schien in unserem jndenarmen Lande sowohl ans finanziellen als auch aus technischen Gründen fast unmöglich. Doch, wo der gute Wille vorhanden ist, da gibt es anch einen Weg. Erfüllt von jüdischem Pflichtbewnßtsein und überzeugt von der Notwendigkeit, unsere Soldaten unter allen Umständen vor dem ihnen drohenden Gewissenszwang zu bewahren, hat der Kultnsrat auf Antrag seines Vizepräsidenten Louis Bauer beschlossen, ungeachtet der bestehenden Schwierigkeiten eine umfassende Hilfsaktion einzuleiten. Mit der Durchführung dieses Beschlusses wurden die Herren .Kultusvorsteher Daunhauser und Rabbiner Dr. Link betraut, denen auch die Aufgabe znfiel, mit den Behörden in Verbindung zn treten. Ihren Bemühungen ist es zu danken, daß die Gemeinde in Innsbruck, Schwaz und Kufstein rituelle Küchen errichten und weitere nenn Militärstationen unentgeltlich mit Mazos versehen konnte. Diese schöne Leistung der Gemeinde wurde in allen Kreisen mit der größten Genugtuung anfgenommen und jedes Mitglied weiß Dank unserem wackeren Vorsteher, der trotz seines weißen Silberhaares mit jugendlichem Eifer seit Wochen unermüdlich arbeitete und seine reichen Erfahrungen, wie sein hervorragendes Organisationstalent in den Dienst der guten Sache stellte. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß die Wiener Kultns- .gemeinde und der.».Ausschuß für rituelle Verköstigung Kriegsgefangener in Wien" nufere Aktion tatkräftigst unlerstützte, ivofür ihm au'dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen sei. Abraham F i n g e r h u t. Oberkantor Siitzkind. Die Hamburger Gemeinde trauert um den Verlust -eitler ihrer anerkanntesten Persönlichkeiten. Oberkantor S ü ßkind ist nicht mehr. Ein Großmeister der svnaaogalen Borbeterkuttst ist dahingegangen. Jahrzehntelang stand er am Vorbeterpulte der Synagogen Elbstraße und Kohlhöf««, und ieinSingeir und Sagen füllte dieGotteshäuser. Selten wohl lvard die hohe Aufgabe- Dolmetsch der Empfindungen von Tausenden zu fein, so restlos erfüllt wie von de«n Heimgegangenen Sänger. Wenn Süßkind betete, dann folgte die Gemeinde mit gespanntester Aufmerksamkeit. Wenn Süßkind betete, da trat unfehlbar die Stimmung ein, die jener liturgische Teil anszulösen berufen war. Und so sehr fang sich dieser Begnadete in die Herzen seiner Zuhörer hinein, daß feine Melodien wohl noch in Generationen erklingen und eine Popularität genießen werden, die ihren Schöpfer dauernder rühmen werden als Denkmäler von Erz und Stein!- Wenn die Festtage des Jahres kamen, so kamen Feste fürs Ohr. Noch klingt in unseren Ohren die Süße seines lyrischen Tenors, der bestrickende Glanz seiner mühelosen Höhe, die nnnachahmliche Melodik 'einer Gesänge. Sein »Geschein", sein »Kednschoh", sein »Os schesch" waren für uns mnsikalische Offenbarlmgen. wie sie zündender, zn Herzen dringender nicht gedacht werden konnten. Das Schönste aber war. daß Süßkind nur Chasan, beileibe kein Sänger war. Es gab und glbt vielleicht stimmgewaltigere Vorbeter. ob sie aber Süßkinds Einfachheit, seine anmntende Liedmäßigkeit anfweisen, ist fraglich. Nie spürte man bei Süßkind das vorangegangene Notenstudinln, frei und zwanglos quoll sein Gesang. Im Gegensatz zn den Bielznvielen, die ihre Gebete singen, gehörte Süßkind zii den Vereinzelten, die ihre Gesäuge beteten! Uns ist, als ob Süßkinds Seele, da sie die irdische Hülle verließ, auf Flügeln zauberisch-schmelzender Akkorde emporgewallt sein müßte bis an die Stufen des göttlichen Throns, zn dem er lange, lange Jahre seiner Gemeinde Gebete getragen. Und wie sich seine Neschomoh dem Throne des Weltschöpfers nähert, da hebt ringsum, ans den Rethen lichtnmflossener Chöre, ein Singen und Klingen an, aus Cherubslippen und Seraphskehlen, jauchzend und frohlockend; sie alle brechen in die unvergänglich herrliche Melodie ans. mit der in Musaph-Weihesttlnden der Meister einst die Gemeinde zum Preise Gottes anfgefordert.- Die Beerdigung wurde mit einer Tranerfeier im Sterbehanse, wo sich eilte außerordentlich große Zahl Leidtragender eingfunden hatte, eingeleitet; außer den Rabbinern waren Mitglieder des Gemeindevorstattdes und des Repräfentanlenkolleginms, sowie Delegierte anderer Institutionen erschienen. Der Vorstand des Syuagogenverbandes nnd die Beamten nahmen vollzählig daran teil. Die Gedenkrede hielt OberrabbinerDr. Spitzer, der dem Schmerz und der Trauer über den schweren Verlust, den die Hamburger Gemeinde erlitten, Ausdruck gab. Mit Trostesworlen an die Kinder schloß der Oberrabbiner feinen Nachruf. Der Leichenzng, dem sich Hunderte von Fußgängern anfchlofseu, bewegte sich über den Bornplatz an der Gemeindesyuagoge vorüber nach dem israelitischen Friedhof in Ohlsdorf, wo nach einer Tranerfeier in der Friedhofhalle die Beisetzung stattfand. n*22un. Verschiedene Uachrichle» Baden In der gedrückcen Stimmung des Krieges wurde an den vergangenen Peßach-Festtagen den Tempelbesucher» in der israelitische» Knltusgemelnde Baden durch einen sehr angenehmen und wahrhaft künstlerischen Genuß, eine Seelenlabung zuteil. Herr Oberkantor San Diwlnsky lenere an den bezeichnete» Festtagen den Gottesdienst. Ts ist überflüssig, über seinen vorzüglicheil kantoralen Bortrag sich des weiteren anszniassen; wer mit geschloffenen Augen nnd mit aufmerksamem Ohre ihm znhörte. glaubte, ein in alle» Tonarten fein gestiiumtes Instrument zu hören. Er kam, sang und siegte. Seine Anstellung als Oberkantor in der hierortigeu lsraelitischen Kultusgemeinde ist mehr als eine wahrscheinliche. Entgegen steht mir der schon beim Ausbruch des Krieges gefaßte Beschluß, während der Dauer dieser kritischen Zeitverhältuiffe keinen Funktionär fest anznstellen. Oberkantor Diwinsky ist-eine hervorragende Kraft. Jägerudorf. Der hiesige Kantor und Mnsiklehrer, Herr Hermann B e h r, zurzeit zum Heere einberufe», verfaßte znm Geburtsfeste Seiner Majestät des deutschen Kaisers eine Komposition, die an Allerhöchster Stelle vorgelegr wurde. Herr Kantor Behr erhielt durch die

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