Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 14 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ie Wahrheit Redaktion und Administration: Wien, II., Novaragasse 27 Telephon: Redaktion Automat 42.889. Administration 4938 ll. K. k. österr. Postsparkassa- Scheck-Konto Nr. 190.918. Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. «abhängige Zeitschrift für Mische Interefseu. Erscheint jeden Kreita\\. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Bezugspreis: Ganzjährig.K 15— Halbjährig.K 7.50 Für Kultus beamte: Ganzjährig.K 10.— Für Ausland: Ganzjährig.8 Mark 8 Rubel oder l6 Frcs. Kr. 14. Wien. 9. April 1915 Inhalt: Englischer Egoismus, die Ursache des Weltkrieges. — Jüdische Soldaten meiner Kompagnie. — Kais. Rat Jonas Weil. — Ans dem Leben des R. Menachem b. Zerach. — Verschiedene Nachrichten. — Wohltätigkeitsaktion des österr.-uugar. Kantoreilvereines. — Literatur — Banken. Abonnements-Einladung. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Krnenernng des Abonnements für das am 1. April 1915 begonnene 11. Huartat ersucht, damit die regelmäßige ßrpedition des ISlattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalbjährig Kr. 7.—, vierteljährig Kr. 3.59. K. l. Poftsparkassen-Konto 1VV.S18. - — Probenummern gratis zur Verfügung. -- Englischer Egoismus, die Ursache des Weltkrieges. Englische Zeitungsstimmen waren die ersten, die nach der teilweisen Lüftung der von der britischen Regierung in die Welt gesetzten Heuchelei, sie sei als Garantiemacht der im Jahre 1831 festgelegten Neutralität Belgiens gezwungen gewesen, Deutschland den Krieg zu erklären, es selbst zugaben, daß nicht dieser Nentralilätsbruch, sondern »die Ehre" (?) und das Interesse England auch dann gezwlingen hätte, sich Frankreich und Rußland anznschließen, wenn Deutschland die Rechte seines kleinen Nachbars skrupulös respektiert hätte. In dem Artikel: »Warum stehen wir im Kriege?", den die „Times" am 8. März l. I. publizierte und in welchem der Zynismus des englischen Krämervolkes so recht zum Ausdrucke kommt, heißt es u. a.: »Wir wissen sehr gut, daß, indem wir unser Versprechen hielten, das nackte Selbstinteresse Hand in Hand ging mit der Ehre, mit der Gerechtigkeit und mit dem Erbarmen." 'Ans diesem Geständnis geht auch hervor, warum Großbritannien nicht auch den Bruch des „Berliner Vertrages", der die Verpflichtung der rumänischen Regierung enthielt, die Inden daselbst den übrigen Staatsbürgern gesetzlich gleichznstellen, als Garantiemacht ahndete, als ihn die rumänische Regierung brach. Das moralisch so tiefsteyende Blatt äußert sich darüber folgendermaßen: »Wir sind nicht darauf versessen, internationale Don Q n i x o t t e s zu sein, die allezeit bereit seien, Ungerechtigkeiten zu vergelten, die uns nicht schäd igen." Wenn also einem Staate Ungerechtigkeiten, ja Verbrechen vorteilhaft wären, dann müssen sie nach dieser famosen Logik ohne Zandern ausgeführt werden! In dem angezogenen Artikel kommt es aber noch besser, denn er verteidigt auch alle Halbheiten und Ränke aus früheren Zeiten, welche die englische Diplomatie beging, mit den Worten: »Wenn wir jeden Staat in Deutschland und praktisch ganz Europa (?) mit Subsidien versahen, so verschwendeten wir unser Geld nicht etwa ans Liebe für die deutsche oder österreichische Freiheit oder ans einem Altruismus, n e i 11, wir investierten es für unsere eigene Sicherheit und unseren eigenen Vorteil und im Ganzen wurden unsere Auslagen durch einen angemessenen Erfolg belohnt." Diese Ausführungen der englischen Zeitung erklären mithin auch das Rollen des russischen Rubels in gegnerischen Reichen zum Zwecke der Anwerbung von Verrätern zulässig. Hält es nun die russische Publizistik noch ratsam, die heuchlerische Maske der Gerechtigkeit und moralischen Zulässigkeit der staatlichen Maßnahmen vorzustecken, so zeigen die Taten doch klar, daß der Moskowitismus vorstehende englische Ansichten vollkommen teilt. Die Verbrechen des serbischen Königs hinderten den gerechten Zaren nicht, ihn gegen Oesterreich in Schutz zu nehmen, weil dieselben dem Interesse Rußlandnützlich schienen. Die russische Treue wurde aber am schlagendsten im zweiten Balkankriege illustriert, der im Augenblicke vom Zaune gebrochen wurde, als die tapferen Bulgaren die Hand nach Konstantinopel ansstreckten. Dem aufmerksamen Kenner der Weltgeschichte ist es übrigens bekannt, daß die zünftigen Diplomaten es nie verschmähten, Treue und Glauben und moralische Zulässigkeit unbeachtet zu lassen, so oft dies ihren Zwecken nützlich schien. So sind alle Vertragsbrüche, alle gewaltsamen Eroberungskriege, alle furchtbaren Massenschädigungen der Menschheit an ihren realen, kulturellen und moralischen Gütern, alle politischen Verbrechen und auch der gegenwärtige entsetzliche Weltkrieg entstanden. Werden aber die heuchlerischen, machiavetistischen Grundsätze im diplomatischen Verkehre als zulässig anerkannt.