Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 12 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ein Bündniskrieg, welcher das edelste Beispiel menschlicher Solidarität darstellt, ein nngehenerliches Ringen um die eilropäische Kultur bewirkt, daß uns die Vergangenheit nicht als ein abgeschlossenes, friedlich daliegendes Buch erscheint, da wir in deren steter furchtbarer Bewegung unsere eigene Zeit erkennen. Das Leben der Völker enthüllt sich uns als ein unablässiges Gegeneinander, nur in welchem Verhältnis sie als Gegner antreten und sich verbinden, wechselt. . . . In der großen Flutwelle der Zeit taucht der geistreiche Kopf eines der größten Vorkämpfer für den Geistessortschritt, Dr. Adolf Fischhofs, empor. Am 1b. November 1895 wurde auf der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhoses das Denkmal jenes Mannes enthüllt, der wohl in der ganzen gebildeten Welt einen ausgezeichneten Namen hat und dessen Andenken auch in der Geschichte Oesterreichs ein bleibendes sein' wird. Es ist dies Dr. Adolf Fischhof. Nach vollzogener Enthüllung des Denkmals hielten Professor Sueß, Dr. Ferd. Kronawetter Gedenkreden, alle Poesie und Begeisterung des Jüglingsalters erstand in der Erinnerung an Adolf Fischhof, der Verkörpernngsidee des Jahres 1848. Er als einer der Ersten, der in düsterer, dunkler Zeit das erlösende Wort der Freiheit gesprochen hat, indem er für das gleiche Recht aller seiner Mitbürger ohne Unterschied der Konfession mit seiner ganzen Kraft eingetreten. Es gehörte Stärke dazn, daß er diesen Idealen treu blieb, verkannt von feinen Freunden, verfolgt von seinen Feinden, niemand vermochte aus seinem Herzen die Ideale heranszureißen, welche in ihm loderten. Dr. Alfred Stern, der Vorstand der Kultusgemeinde, sprach unter anderem, von der Begeisterung des Augenblickes hingerissen, die schönen tiefgefühlten Worte: „Wenn in kommenden Jahren an den Gedächtnistagen, wenn an den uns Oesterreicheru ohne Unterschied des Glaubens heiligen Frühlingstagen an den Grabstätten der Männer, die ihr Leben der Wissenschaft, der Kunst, dem öffentlichen Wöhle, dem Vaterlande widmeten, Kränze niedergelegt werden, so vergesset nicht und wallet auch herüber und leset hier in Stein gegraben, die Worte dieses Menschenfreundes, dieses Patrioten und Idealisten: Friede — Vereinigung, welche er allenthalben verkündete!" •V Dr. Adolf Fischhof wurde am 8. Dezember 1816 zu Alt-Ofen geboren, er vollendete 1845 an der Wiener Universitär feine medizinischen Studien und wurde 1846 auf der Abteilung des Primarius Mikschik Seknndararzt. Er lebte in bescheidenen, fast ärmlichen Verhältnissen, in stiller Zurückgezogenheit, ganz seinem Berufe sich hingehend. In seinen Erholungsstnuden befaßte er sich mit dem Studium der Geschichte, mit dem tiefen Studium der Politik und den Staatswissenschaften. Am 13. März 1848 war es, daß Fischhof im Hofe des Landhauses voll hinreißender Begeisterung ats der erste Verkünder und Patriot des neuen Oesterreichs uns entgegen tritt. Inmitten der Studentenschaar hielt er die zündende Rede der historisch gewordenen Märztage. Vier junge Lenke hoben Fischhof auf ihre Schultern und Fischhof sprach in die Massen hinein, in die Herzen hinein. Was er sagte ist bekannt, charakteristisch, besonders einzelne Momente wie: „Vor allem verlangen wir die Preßfreiheit! Die Wünsche der Individuen, so lange sie nur vereinzelt ausgesprochen werden, bleiben unbeachtet, sie sind wie die Wassertropfen, die. wenn sie einzeln niederfallen, vom Boden getrunken werden, im Sande zerrinnen, in der Luft verdampfen; wenn aber die Einzelwünsche in den tausend Rinnsalen, Bächlein und Bächen der Presse znsammenfließen, dann werden sie allgemach zum mächtigen, unwiderstehlichen Strome der öffentlichen Meinung." Und weiter sprach dieser Volkstribun: „Denken wir uns die hochstrebenden, den Idealen zugewendeteu Deutschen, die zähen, fleißigen und ausdauerden Slaven, die ritterlichen und schwungvollen Magyaren, an den gemeinsamen Aufgaben des Staates mit vereinter und dadurch potenzierter Kraft arbeitend, und es kann in uns kein Zweifel entstehen, daß die Stellung Oesterreichs inmitten der Staaten Europas eine imposante werden müsse!" Als Fischhof seine Rede beendet hatte, erscholl der tausendstimmige Ruf nach des Redners Namen. Dieser sagte: „Ich sage wie Hutten: Ich hab's gewagt, ich bin Dr. Fischhof!" So der Weise von Emmersdorf, wo Dr. Adolf Fischhof am 23. März 1893 starb. Sein Wunsch: „Wo immer ich sterbe, wünsche ich in Wien begraben zu werden", wurde pietätvoll erfüllt. Diese ideale Saat ist prächtig anfgegangen. Wie ein Mann sind Oesterreichs Völker um ihren Kaiser geschaart. Mit den! begeisterten Rufe: „Moriamur pro rege nostro!" kreuzen sich die Klingen. Alles was in vergangenen Tagen gesprochen ward, ist von heute. Immer wieder möchte eine neidische Gewalt dieses blühende Land ins Chaos zurückreißen, aber jung, rein und unversehrt sind heute noch die