Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 11 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 11. .. ..;vV:5jie' liebenden Völker, denen er mit eiserner Hand so viele Jahre den Frieden erhalten hat und dessen Herz nun am Abende seines Lebens erfüllt ist von schwerer Sorge ob des ihm freventlich aufgezwnngenen Krieges. Mögest Dn, Vater im -Himmel, ihm die Gnade eines baldigen dauernden Friedens nach ruhmreichen Siegen zuteil werden lassen und in diesem sehnsüchtigen Erwarten vereinigen wir uns alle in dem Rufe: Gott erhalte unseren Kaiser!!!" Dr. Karl L o w y dankt zunächst dem Vorsitzenden für die sympathischen Worte der Begrüßilng, die er ihm als Delegierten des Vereines „Nachlath Jeschurim“ geiuiömet, und brachte sodann als Mitglied des Tempelvereines unter Anerkennung der Wirksamkeit des Vorstandes einige Wünsche vor, deren Erfüllung er dem Vorstände ans Herz legte. Insbesondere wünschte er die persönliche Teilnahme des Vorstandes oder Vertreter desselben bei einem eventuellen Todesfälle eines Mitgliedes. Er verwies ferner ans die mangelhafte Heizung des Gotteshauses, auf die geringe Teilnahme der Vorstandsmitglieder am Gottesdienste, resp. bei den angecknndigten Predigten und zum Schlüsse bat er, daß die in der vorjährigen Generalversammlung beschlossene Resolution betreffs Heranziehung der Knltnsgemeinde zur Altersversorgung des Rabbiners nicht in Vergessenheit gerate. Der Vorsitzende sagt die möglichste Erfüllung der vorgebrachten Wunsche zu und erklärt, daß er, sobald normale Leiten wiederkehren, bei dem Präsidium der Knltnsgemeinde für die Verwirklichung der Resolution eintreten werde. In Vertretung des derzeit in Meran besindlichen Kassaverwalters kais. Rat Friedrich P o l l a k legte kais. Rat Friedrich To ffler den Kassabericht vor, der infolge der schweren Kriegszeiten zum erstenmale seit Bestand des Vereines ein Defizit answeise. Nach dem durch Dr. Karl L ö w y erstatteten Bericht der Revisoren wurden Geschäfts- und Kassabericht genehmigt und dem Vorstande das Absolntorinm erteilt. Zn Revisoren wurden die Herren Dr. Karl L ö w y, Moriz Mantler und Leopold Pick wiedergewählt. Zum Punkte 6 der Tagesordnung machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß Herr Kommerzialrat Max Eise nb erg er aus Gesundheitsrücksichten die Wiederwahl in den Vorstand abgelehnt habe. Er teile diese Tatsache mit großem Bedauern mit und wolle nur der Hoffnung Ansdruck leihen, daß Herr Kommerzialrat Eisenberger nach Wiedererlangung seiner Gesundheit neuerlich in das Vorstandskollegium eiutreten werde. Eine diesbezügliche Svmpathiekundgebnng für das scheidende Vorstandsmitglied wurde dem Protokoll einverleibt. Als Kandidaten sind angemeldet die Herren: Hermann .König, Adolf Freund, Architekt Leopold Fuchs, Viktor Heim und Julius Pollak. Herr Adolf Hirsch hat seine Kandidatur zurückgezogen, wofür ihm der Dank des Vorstandes zuteil wird, da hiedurch der Stimmenzersptitternng vorgebeugt wird. Für die Kandidatur des Herrn Julius Pollak, der infolge Zngversänmnis seine Abwesenheit telegraphisch entfchnldigt, tritt der Vorsitzende mit warmen Worten ein. Herr Hermann König verweist ans seine bisherige Tätigkeit im Vorstande. Herr Adolf Freund wird wegen Unwohlseins durch die Versammlung von einer Kandidatenrede dispensiert. Herr Architekt Leopold Fuchs bezieht sich auf seine bisherige Tätigkeit im Vorstande des Tempelvereines im VIII. Bezirke und betont, daß er bei voller Wahrung der künstlerischen Integrität des Werkes Meister Fleischers, seine technischen Erfahrungen für eventuell notwendige Verbesserungen im Gotteshanse verwerten wolle. Herr Viktor Heim erklärt, daß er von frühester Kindheit dem Vereine und dem Gotteshanse Anhänglichkeit bewahre und werde sich glücklich schätzen, wenn ihm durch die Wahl Gelegenheit gegeben wird, an der Verwaltung des Vereines, -insbesondere an der Erhaltung des herrlichen Gottesdienstes, nnitzuwirken. Wahrheit. , •©t&e’t). Nach einigen Fragen des Vereinsmitgliedes W e i ß an die Kandidaten wird zur Wahl geschritten und es erscheinen fast einstimmig gewählt die Herren: Hermann Koni g, Adolf Freu n d, Leopold F n ch s. Viktor He i m und Julius Po llak. Bor Schluß der Versammlungdrückte Herr Rabbiner Dr. Drobinsky in einer geistvollen Interpretation für die ihm gewidmeten ehrenden Worte den wärmsten Dank aus. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem Beifalle aufgenvmmen. Igna; Klein. Znm dritten Male innerhalb Jahresfrist ist der Mariahilfer Tempelverein in tiefe Trauer gekommen, denn einer der eifrigsten und tatkräftigsten jener Männer, die die Geschicke des Vereines leiten, Ignaz Klein, ist am 4. d. M. einem langen Leiden erlegen. Ignaz Klein war in erster Linie ein Mann der Arbeit, er betätigte seine Liebe zu werktätigem Schaffen und seine unermüdliche Arbeitskraft zunächst in seinem Berufe und brachte es dabei zu Wohlstand und hohem Ansehen. Sein rastloser Eifer ließ ihn aber in der Beschäftigung in seinem Berufe nicht genügen und er wendete sich mit der ihm eigenen Willenskraft dem öffentlichen Wirken zu, das ihm gleichfalls große Erfolge brachte. Dem Zuge seines Herzens folgend, arbeitete er durch viele Jahre als ein besonders tätiges Mitglied im Vorstande unserer altehrwnrdigen heiligen Brüderschaft, zu deren fleißigsten Vorstandsmitgliedern er gehörte. Vor einem Dezennium etwa berief ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in den Vorstand des Mariahilfer Tempelvereines und er widmete sich diesem Ehrenamte mit jener Begeisterung und jener Hingebung, die ihm einerseits sein tief religiöser Sinn, andererseits das besondere Interesse, daß er dieser heiligen Sache entgegenbrachle, einflößte. So manche gottesdienstliche Einrichtung, die sich allgemeinen Beifalls erfreute, verdankt der Verein seiner Anregung. In seinen Auschannngeu modern und fortschrittlich, verkannte er dennoch nicht den großen Segen des durch Tradition geheiligten Gottesdienstes und er verwendete sein Augenmerk stets darauf, der Jugend den Weg in das Gotteshaus zu bahnen und sie dadurch dem Judentum zu erhalten. Ganz besondere Verdienste erwarb sich der Verblichene durch seine willige Tätigkeit als Obmann der Bezirkskommission für den VI. und VH. Bezirk; stets war er bestrebt, den Wirkungskreis dieser Körperschaft im besten Sinne zu erweitern und namentlich ans dem Gebiete der Wohltätigkeitspflege und Jugendfürsorge; so manchem Waisenkind hat er einen Vormund verschafft und immer war er hilfsbereit zur Hand, wenn es galt, eine schwankende Existenz vor dem Ruin zu bewahren. Als sein höchstes Lob kann man ihm nachsagen, daß er ein guter Jude und deshalb ein guter Mensch gewesen. Welch außerordentlicher Beliebtheit sich der Dahingeschiedene erfreute, zeigte die massenhafte Beteiligung'- bei seinem Leichenbegängnis. das am 7. d. M. von der Zeremouienhalle ans stattfand. Der hochgeschätzte Präsident der Chewra Kadiicha, Herr Salo Cohn, war mit dem Vizepräsidenten, Hern Dr. Markus Spitzer und den Vorstandsmitgliedern Goldmann, Kann, Sim. Steiner erschienen, ferner der Präsident des Mariahilfer Tempelvereines, Herr Dr. Jakob Engel mit sämlichen Vorstandsmitgliedern, als Vertreter des Tempelvereiues im IV. und V. Bezirk Herr Präsident Hoffmann mld Schriftführer Frankl, vom achten Bezirk Vorstandsmitglied Stern, vom X. Bezirk Vorsteher Straßberg, vom XIX. Bezirk Herr Vorstand Lion, ferner Herr Amtsleiter Freistadt und eine große Anzahl den besten Gesellschaftskreisen angehörende Leidtragender. Die kantoralen Funktionen versah an Stelle des erkrankten Oberkantors