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Die Wahrheit · 1915-03-05 · Heft 10 (5.3.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die perfide englische Stantsregieruug hat bekanntlich ans gemeinem Neid und niedriger Eifersucht dem gegenwärtigen Weltkriege seine ungeheure Ausdehnung verschafft. Besonders Deutschlands aufstrebende Kolonialpolitik regte die wütende Mißgunst des britischen Seeriesen auf, der längst schon alle Meere als seine ihm allein gebührende Domäne betrachtete. Ans seinen Eilanden wähnte sich die britische Herrschaft durch den Besitz der größten Kriegsflotte totsicher und dachte, durch Erregung eines allschädigenden Weltkrieges nicht nur das wetteifernde Dentschland, sondern auch alle anderen Staaten Europas dauernd zu schwächen und dadurch seine Weltherrschaft umso sicherer zu gestalten. Die Tüchtigkeit und Tapferkeit der reichsdentschen und österreichisch-ungarischen Heere bereitete jedoch den frohen Erwartungen der in der Entente Verbündeten ans eine baldige Erdrückung der Gegner eine arge Enttäuschung. Weder die Franzosen noch die Russen konnten nach Berlin Vordringen, auch der Herzenswunsch der letzteren, nach Wien zu kommen, wurde nicht ausgesührt und wenn auch noch heute große Gebiete Galiziens in russischen Händen sind, so ist die Hoffnung doch vollauf berechtigt, daß die russischen Horden wieder hinansgedrängt werden, zumal dies den gesegneten Waffen Oesterreich- Ungarns auch in der Bukowina gelungen ist. Trotz seines unermeßlichen Menschenreservoirs, aus dem der Zar möglichst rücksichtslos schöpft, vermag dieser Gewaltherrscher sein schönes Russisch-Polen nicht mehr aus den Fängen der treuen Verbündeten zn befreien. Der ganze Erfolg Rußlands besteht nach einem siebenmonatlichen fürchterlichen Kriege, nachdem sein Müunschaftsverlnst bereits die vierte Million übersteigt, nur darin, daß die Exekution Oesterreich-Ungarns gegen die verbrecherische serbische Regierung anfgeschoben erscheint. Die Reichsdeutschen haben ihren Besitz aber nicht nur von den Feinden gesäubert, sondern drangen in Ost und West weit in das Land ihrer Feinde vor, aus dem sie nicht mehrweichen. Gegen Deutschland konnte die Entente bis heute sollst nichts erreichen, als daß sie im fernen Osten die japanische Regierung, die gelehrigen Schüler Englands, ermunterte, denselben Tsiligtan wegznnehmen. Die Kaperung englischer Handesschiffe durch unerschrockene deutsche Seeleute, die Vernichtung einiger englischer Panzerkreuzer, die Heimsuchung englischer Städte durch deutsche Kriegsschiffe und Flugzeuge und endlich die Erhebung des osmanischen Reiches, das den sehr gefährlichen „heiligen Krieg" proklamierte, scheuchte nun Volk und Regierung Englands aus seiner Sicherheit aus und trieb es zn verzweifelter Wut. Es erklärte mm die ganze Nordsee als Kriegsgebiet und ließ auch keinerlei Rücksicht mehr gegen tue Neutralen walten. Alle Völkerrechte auf offener See mußten nun dem „Interesse Englands" weichen und Lebensmittel wnrdena ausnahmslos als Kriegskoucerbande erklärt. Deutschland und Oesterreich-Ungarn sollten eingestandenermaßen von jeder Einfuhr a u s g e s ch a l t e t lind dadurch a u sg e h u ii gert werden. Weil die Kriegsscharen der Entente die tapferen mitteleuropäischen Verbündeten nicht besiegen konnten, griffen die Engländer, welche bekaniilllch allezeit als die patentierten Stützen der Hniuaiiirär und Gerechtigkeit im Völkerverkehr austraten, nun zu dem grausamen und bestialischen Mittel. 120 Millionen llnschnldiger Menschen aushungeru zu wollen. Nun griff Deutschland aber nicht allein zum kühnen Seekauipse mit Unterseebooten in englischen Gewässern, sondern es entschloß sich dazu, den nnvermeidlichen M a s s e n hnn ger während des Krieges durch zweckentsprechende Ansnahmsverfügnugen im demokratischen Sinne zu organisieren. Schon im Jänner l. I. wurden in Denlschland alle vorhandenen Getreide- und Mehlvorräte nicht nur gesperrt, sondern auch enteignet, der Handel mit Getreide und Mehlprodnkten als ..Staatsmonopol" erklärt uiid anfangs Februar schon wurde die für jeden Reichsdeutschen zulässige Menge an Brot und Mehl zusammen durchschnittlich aus zwei Kilogramm pro Kops und Woche sestgestellt. Dieses kriegssoziale Vorbild spornte auch die österreichisch-nugarischen Regiernugen trotz der in diesen Doppelstaaten ungleich größeren Schwierigkeiten zu mindestens ähnlichen Maßnahmen an, welche im Vereine mit anderen Berordilttngen, welche durch Mischung des Feinmehls mit gröberen und namentlich Gersten- und Maismehl die vorhandenen Vorräte zu „strecken" geeignet sind, der drohenden Massennot steuern können. In Oesterreich-Ungarn ist man eben daran, diese Vorsorge durchzusühren, welche im Vereine mit der behördlichen Feststellung der Höchstpreise für Brol und Mehl einen schweren Eingriff in das bisher fast unbeschränkte Eigentums- und Verfngungsrecht der einzelnen' Bürger bedeutet. Es mögen nun ans Mangel an Erfahrungen und geeigneter Organisatoren mancherlei Verstöße Vorkommen. So

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