Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1915-02-19 · Heft 8 (19.2.1915) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 8 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063862-3063870--09460-3076714
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die Redaktion linb Administration: Wifi', II., Novarogasse 27 Telephon r Redaktion Automat 42.889. Administration 4938 II. ». k. österr. Postsparkassa- Scheck-Äonto Nr. 100.918. Inserate: Tie viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. 9.1ö»rntiri!ic-= und Jnsertionslunonc sind in Wien zahlbar und klagbar. ahvheit .nakhangige Zeitschrift für jüöische Interessen. Erscheint jeden r e i t u \\. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ h r z n s v Ganzjährig. . . . Halbjährig , . . . K 15 . K 7.50 >viir Knini-i a'.!!iir> : Ganzjährig . . K 10. jyiir A:iG Mit): Ganzjährig . . . '> Rubel oder - - 8 Mark Frcs. Kr 8. Wie». 19. Februar Inhalt: Baiigemachrn ijilt nicht! — Hiliswerke der israelitiichen Allianz zu Wien für die ^pfer de- Krieges. — Litizer-Rel-qiueu. — Berichiedene Nachrichten. — Wohltäligkeil-akrion des Desterr.-nngar. Kantoren-Vereiues. — Literatur. Kaugemachen gilt nicht. Es ist noch frisch im Gedächtnisse aller denkenden Zeitgenossen des gegenwärtigen furchtbaren Weltkrieges, wie weit die Regierungen Frankreichs und Englands mit Drohungen gegen Deutschland und seinen treuen Bundesgenossen Oesterreich-Ungarn den Mund voll nahmen, als sie den Vernichtnngskampf gegen diese Zentralstaaten Europas anknndigten. Nachdem die Deutschen schon tief im Feindeslande einge.drungen waren, was die französische Regierung zwang, ihren Sitz von Paris nach dem Süden des Reiches zu verlegen, versicherte der Präsident Poincars gleichwohl, die französische Nation sei schließlich des Sieges gewiß. Freilich mußte er damals schon diese Zuversicht ans die Hilfe Englands stützen, welche die Deutschen zur See von allen ihren Verbindungen mit d e r W e l t a b s ch n e i d e n würden und ans die Russen, welche seiner Meinung nach, fortgesetzt vorrücken, um gegen das Heer des Deutschen Reiches den entscheidenden Stoß zu führen. England drohte bekanntlich gleich zn Beginn seines Krieges mit Deutschland großmäulig, den Krieg sehr lange fortführen zn wollen. Lord Kitchener nimmt zwar gegenwärtig noch den Mund voll Siegesversichernngen und meint, in England gebe es keinen Mutlosen, der nicht überzeugt wäre, „daß schließlich die Verbündeten die Friedensbedingnngen vorschreiben würden". Doch leidet er sichtlich unter den tapferen und andauernden Kriegstaten der Deutschen zn Lande und zn Wasser und lenkt die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf die angebliche „Ueberlegenheit des englischen Flugzeuges" und ans die „befriedigenden Fortschritte der Werbung". Ueber die Dauer des Krieges wagt er auch keine näheren Andeutungen mehr zu machen. Am meisten leistet an großmäuligen Worten die russische Regierung und ihre Duma, die wahre Spottgeburt einer Volksvertretung. Nach einem Berichte fand am 9. Februar (nach neuer Zeitrechnung) in Petersburg die Eröffnung der letzten Dnmasefsion statt, die der Dnmapräsidenl mit folgender Ansprache eröffnete: „Gott wollte nufer Geschlecht zum Zengen des größten Wettkampfes machen zwischen zwei entgegengesetzten Grundsätzen, dem des Friedens der Völker und des Rechtes (!) ans der einen Seite und dem des gierigen Militarismus und der großen Gewalt (!!) auf der anderen Seite." - Der arme Präsident hat in dem Falle recht, wenn er es erlaubt, seine angedent'eten „Seiten" zn verwechseln. „Rußland wollte und suchte diesen Krieg nicht (?), aber nachdem dieser Kamps nun einmal eingesetzt Hai, sollen die Feinde wissen, daß wir vor keinen Opfern zu rücksch recken". Das Won „wir" paßl jedoch nicht ans das arme, allezeit geknebelte russische Volk, sondern ausschließlich ans den Zartyranneu, den die in die Millionen reichenden Blntvpser nicht rühren. „Wir stehen nicht allein in dem großen Kampfe, Serbien und Montenegro kämpfen mit uns." „Das tapfere belgische Volk ist als erstes in den Kampf eingetreien, indem es sich nicht um den Ruin kümmerte (??) und unerhörte Leiden anshielt." „Belgien setzt den Kamps auch heute noch fort." „Die Duma grüßr begeistert den Gesandten Belgiens und unseren treuen, erprobten Freund, das große Frankreich, das von neuem gegen den Erbfeind kämpft und bewnndernngswürdige Tapferkeit zeigt. Ruhm den Helden, Ruhm unseren treuen Frennden!" War sich der arme Präsident der bodenlosen Bosheit bewußt, die er da dem vertriebenen König Albert znsngle? „In diesem Ringen brauchen wir starke, kräftige Verbündete und in der Tat kämpft das edle, mächtige England für die gerechte Sache." „Auch das japanische Volk, ein Freund von Recht und Gerechtigkeit (?!), kämpft mit Rußland zusammen." War das japanische Volk auch vor zehn Jahren schon, als es Rußland empfindlich züchtigte, ein Freund von Recht und Gerechtigkeit? „Dieser Krieg muß ein siegreicher sein." Der Zar und Herr Rodzianko befehlen dies doch! „Wir werden kämpfen, bis die Feinde die Friedensbedingnngen annehmen, die wir ihnen diktieren werden." Wahrlich, Herr Rodzianko war nicht zn beneiden, eher zn bemitleiden, denn er sollte es versuchen, in der Duma anders zu sprechen. Niemand kann davon überrascht sein, daß sich auch der russische Minister des Aenßern, Herr Sasanow, in heftigen, wenn auch unwahren und entstellten Anklagen gegen Deutschland erging, aber eine freche, eiserne Stirne gehört dazu, angesichts der einwandlos erhobenen bestialischen Behandlung der Juden in Russisch-Polen, Galizien und in der Bukowina die Judenpogrome einfach ablengnen zu wollen. Nachdem die Trauben zu hoch stehen und ein Sonderfrieden nach dem Geschmacke Rußlands aussichtslos erscheint, kann der Behauptung Sasanows wohl Glauben beigemessen werden, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.