Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3063862-3063869--09449-3076702- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.; k . -fl.:; ' -•rT'l -; . Rffdyktion und Adiuiprstration: Wien, II:,- Novaragasse 27 Telephon: Medqktion Automat 42.889. ' Administration 4938 ll. K. k. österr. Postsparkassa- Scheck-Konto Nr. 100.918. - Inserate: Die viermal gespaltene - Nonhgreille-Zeile 25 Heller. Slkonnemevtsnnd Jnsertions- . bcslpSe sind in Wien zahlhar - und klagbar. «abhängige Sertfchrift für jüöische Erscheint jeden Areitag. Nqtto: „Das LisAvI 6yttes ist Wahrheit!“ Bezugspreis: Ganzjährig.K 15 — Halbjährig.K 7.50 Für Kulmsbeaiute: Ganzjährig . . . . . K 10. — Für Ausland: Ganzjährig.8 Mark 6 Rubel ober 16 Frc8. Kr. Wie«. 12. Febrnar 1915. I nh a I 1 : Wie. die kriegführenden Elaaten ihre Gegner behandeln. — Morgendäuiuieliuig. — I. H. Weiß. — Helle Punkte. — Kriegssprüche. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Wohltätigkeitsaknon des Lesttrr.-nngar. KantorenrBrrein. — Ber-chrigung. Wie die kriegsührrnden Staaten ihre Gegner behandeln. Wohlgimeikt, die Staaten, also die offiziellen Regier ungen, denn dem Antor dieser Untersuchungen liegt nichts ferner, als etwa zum Haffe gegen feindliche Volksmaffen zu verleiten. Beginnen wir also bei den Russen. Schon im Oktober meldete das österreichisch-nngarische Kriegspresstqnartier amtlich: «Alle Ortschasten dieser Strecke (von Tarnow über Rzeszow) bieten das Bild der ärgsten Verwüstung." «Das schöne Schloß Zawoda wurde, da die einzige mit der Aussicht betraute Person sich weigerte, das ihr auvertxaute Eigentum Widerstandslos der Plünderung preiszugeben, total ansgeranbt. inr Umkreis mit Petroleum begossen und angezündel. Alle Herrenhäuser bieten das traurige Bild der Verwüstung, die meisten Möbel sind zerschlagen, die Spiegel zerbrochen, die Matratzen zersetzt, kostbare Gemälde zerschnitten uuh der Boden ist besät mit Bergen von Fetzen, Papieren und Scherben — kurz, das Bild rohesten Vandalismus. Die russischen Soldaten gingen in den von ihnen besetzten Orten nach dem gleichen, ihnen offenbar im vorhinein befohlenen System vor, das mit einerehrlichen, geordneten, soldatischen Kampftsweise nichts gemein hat, sich vielmehr als ein unter dem Deckmantel militärischen Vorgehens unternommener Ranbzng darstellt. Die Bewohner wurden auf der Straße einer Leibesvisitation unterzogen nnd es wurde ihnen alles, was um irgend einen Wert hatte, abgenommen. Besonders hatten es die rnssischen Tnppen auf die Uhren abgesehen, die mit einem meist sehr unsanften Griff ans der Westentasche des Besitzers in die Stiefelröhre des Kosaken wandelten. Gerauht wurde nach einem sehr einfachen und dabei sehr praktischen System. Kosaken drangen in Rudeln von 8 bis 10 Mann in die Läden nnd Wohnungen und Packten unter Vorhalten der Revolver Kleider, Pelze, Wäsche und Einricht,tngsgegenstände in mitgebrachte Säcke ein. Der Inhalt wurde dann mit den Offizieren geteilt! Zm Spital zu Rzeszow wurden bei SO an der Ruhr erkrankte österreichisch-ungarische Soldaten ans den Betten gejagt, ein Beweis, dafür, dqß selbst den Kranken gegenüber das primitivste Gefühl von Menschlichkeit nicht beachtet wurde. Aber such Verkäufe wurden von den russischen Soldaten durchgeführt. Namentlich geraubte Kühe wurden den Bauern der Nachbarorte um einen Spottpreis zum Kaufe angeboten. War der Preis bezahlt, so erklärte der Verkäufer, daß er sich die Sache überlegt hätte und zog mit Kuh und-. Geld davon. So wurden mit einer Kuh mehrere Verkäufe durchgeführt. Der schließliche Besitzer blieb aber immer derselbe russische Soldat. Besonders zu erwähnen ist, daß wie ans einzelnen Bezirken gemeldet wird, Frauen und Mädchen vergewaltigt wurden. Mit welchem Bestialismns die Russen ans österreichischem und reichsdeutschem Boden gegen die jüdischen Staatsbürger Vorgehen, verzeichneten jüngst Berichte, die auch in der «Wahrheit" zu lesen waren. Es wäre auch verwunderlich, wenn die barbarische russische Regierung, welche im Reiche selbst mit teuflischer Grausamkeit ihre jüdischen Bewohner entrechtet und der Vernichtung preisgibt, dies durch ihre Kosakenhorden im Feindesland unterließe. Mit den Kriegsgefangenen, seien dieselben im Kampfe eingebrachr oder Zivilisten aus den gegnerischen Staaten, besonders Geiseln, verfährt die russische Regierung sehr einfach, sie läßt diese bedauernswerten Unglücklichen gegenwärtig im strengen Winter nach Sibirieit marschieren und kümmert sich nm deren entsprechende Kleidung und Beköstigung blutwenig. Eine dem Autor bekannte Frau, deren Sohn anfangs September bei Jaworow von den Russen gefangen genommen Wn.ide, erhielt bis heute noch kein Schreiben von ihm. Weiß Gott, ob er noch lebt und welche Torturen er in diesen weiten barbarischen Gebieten erdulden muß. Auch die Franzosen und Engländer haben solche „Konzentrationslager" für die Kriegsgefangenen errichtet, zn heuen nicht nur die gefangenen feindlichen Soldaten, sondern alle bei ihnen befindlichen Zivilisten, auch Frauen nnd Kinder zählen. Wie gut diese armen Gefangenen behandelt werden, konnte man z. B. aus der Revolte auf der Inse( Man schließen. Trotzdem fabelt man in Frankreich und England vom „Deutschen Barbarismns*. Die großhxitauische Regierung, welche dem gegenwärtigen Weltkriege bekanntlich erst seine gigantische Ausdehnung und Verderblichkeit verschaffte nnd die Völker Mitteleuropas ausznhnn gern trachtet, indem es aste überseeischen Mensmittelznfuhren verhindert, klagt nun das sich in seiner Bedrängnis kühn und tapfer wehrende Deutschland feige des Bestialismns und des Vertrags»