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Die Wahrheit · 1915-01-22 · Heft 4 (22.1.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 4 (22.1.1915)
Date
1915-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4. Die Wahrheit Seite 7. selben heißt es n. a.: „Ich bitte Dich, gehe znm Chajem- Juden und frage ihn, was Schema Jisroel zu bedeuten habe. Wenn die Kugeln am heftigsten um unsere Köpfe pfeifen, rufen das die Inden, und wahrhaftig, die Kugeln scheinen sie zu meiden. Von uns fallen viele, von ihnen im Verhältnis nur wenige. Deshalb bitte ich Dich, frage den Chajem-Juden, Was das zu bedeuten habe, damit ich es auch weiß und im Notfälle verwenden kann." Welcher Talmudkundige würde beim Lesen dieser Zeilen nicht an den Ansspruch eines unserer größten Lehrer im ^zweiten Jahrhundert, an Rabbi Simon ben Jochai, denken, der anschließend an den Bibeltext Deuteron. 20, 3.: „Höre Israel, ihr nahet jetzt znm Kampfe gegen eure Feinde", im Talmud Sotah 42a faß Frage anfwirft: „Warum wird die Ansprache des Feldpriesters mit Sch'ma Jisroel eingeleitet?" — „Weil das Lesen des Sch'ma im Kriege vor dem Feind schützen kann", lautet die Antwort. — „Mit den Worten des Sch'ma-Gebetes", bemerkt S. R. Hirsch s. A., „ruft jeder Jude sich täglich früh und spät die Huldigung des Einzig- Eiuen mit allen ihren Konsequenzen in die Seele. Es ist auch derselbe Gedanke und dieselbe Huldigung des Einzig-Einen, vor dem im Momente der Schlacht alle sonstige Größe und Macht jede Bedeutung verliert, und mit dem Bewußtsein, ihm zu dienen und seines Beistandes sicher zu sein — der schwächsten Menschenbrust Kraft und Mut, Ruhe und Stärke verleiht". Die Ausführung des obgenaunten großen Gesetz- -lehrers, der dem Schema solche Geheimkrafr veimißt, deckt sich auch mit seiner Ansicht darüber an einer anderen Talmudstelle, Menachot 99 b: „Wer im Notfälle", heißt es dort, „auch nur das Sch'ma morgeus uud abeuds liest, der erfüllt die Weisung: „Forsche und sinne in ihr — der Thora nämlich — Tag und Nacht", Josua 1, 8. — Mit welcher Andacht und Genauigkeit dieses Gebet verrichtet werden soll, erwähnt derselbe Tanuaite in den Sprüchen der Väter, 2, 13: „Sei gewissenhaft im Lesen des Sch'ma und des Achtzehn-Gebetes und wenn DU betest, mache das Gebet nicht zu einer Sache der Gewohnheit, sondern zur Sache der Herziunigkeit, der Gnade und Barmherzigkeit vor Gott. Das Gebet sei das Ergebnis eines Ergusses der Seele, entspringe einem innigen Herzenstriebe und habe nichts Gezwungenes an sich". Tistzl es Israel zur Stelle ist ein Juwel. .■’öitD rb rrbn Krwnö — Seit mehr denn 3000 Jahren bildet das Sch'ma unser Glaubensbekenntnis, durch das wir die Einheit Gottes in uns wachgehalteu und in alle Welt hiuausgetragen haben. — Das Sch'ma begleitet uns von der Wiege bis znm Grabe, denn sobald das jüdische Kind die Sprachfähigkeit erlangt hat, wird es darin unterwiesen und angehalten, es zu beten. Als Erwachsener hat man die Pflicht, es täglich zweimal, morgens und abends, mit Andacht zu lesen. — Am heiligen Versöhnuugstage nach dem Nsila- -Gebet, wenn wir bereits 24 Stitudeu ohne Speise und Trank in Rückkehr zu Gott zugebracht haben, wird es zum Schluß vom Vorbeter feierlichst und mit voller Hingabe laut vorgefagt und von der versammelten Gemeinde mit tiefer Innigkeit nachgesprochen. — Endlich sind es noch die letzten Worte eines ans der Welt Scheidenden als Ruf der Erhebung und Ergebung in den Willen Gottes. — Als Stammvater Jakob nach 22 jähriger Trennung seinen heißgeliebten, verlorengeglaubten Sohn Joseph wieder in seine Arme schloß, soll er im Augenblicke des Wiedersehens — am Gipfel seines Glückes — das Sch'ma gelesen haben. Raschi, Genesis 46, 29. Im Midrasch Rabba 3, 27, wird die Verrichtung des Sch'ma als ein Protogama, eine tägliche Erneuerung der Verbindung mit Gott hingestellt. Es wird ihm eine Wichtigkeit und Heiligkeit wie keinem anderen Gebete zuerkannt. Im Midrasch Jalkut 1, 835, wird es der Darbringung der täglichen Opfer im Heiligtum gleichgestellt und in Beroch. 10 b vorzüglicher als das Studium des Gesetzes gehalten. Der Sohar zu Ende an’i zählt sogar die Worte des ganzen Sch'ma und bringt die Zahl 248 heraus, gleich den Gliedern .des Menschen. Ebenso im Midrasch Tanchnma zu wvinp: ^,N itiuii e s nicht leicht, mit dem Lesen des Sch'ma. denn es besteht ans 248 Wörtern nach Anzahl der Glieder des menschlichen Körpers, Gott spricht: „Beobachtest Du, das Sch'ma ordnungsgemäß zu lesen, so bist Du meines Schutzes sicher, behüte ich auch Dich". — Und wahrlich, jeder Krieger hat den innigen Wunsch, siegreich und womöglich mit unversehrten Gliedern heimzukehren, darum lasset uns das Sch'ma stets mit tiefer Andacht, mit innerer Bewegung lesen. — .,-,KT2i nv-xa roriaa Altona, im Kriegsjahr 1914. Stifts-Rabb. Dr. Spiegel.*) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Bortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 28. Jänner 1915, l/»8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekrenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn k. k. Regierungsrates Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem statt. Thema: „Das Jndentnm und : der Krieg." Eintritt frei — ohne Karten. Wien. (Fr e i t a g a b e u d-B o r tr a g im Beth-Hamidrasch „Talmud-Thora, II., Malzgasse 16.) Auch Frauen zugänglich. Am 22. Jänner l. I., halb 3 Uhr abends: Herr Wolf Pappeubeim: „Der Krieg und die Juden". Wien. (Bo r r r ä g e i n der T o y u b e e h a l le, XX., Denisgafie 33). Freitag, den 22. Jänner: Bibelvortrag, Religionslehrer Löw-Bogel. Sainscaq den 23. Jänner: Mnsikaufführung. Doktor Otto Kapert (Geige). Frau Dr. Stern (Gesang). Sonntag, den 24. Jänner: „Der Krieg als Erzieher". Bortrag von Bibliothekar Dr. S. M ü n z. Mittwoch, den 27. Jänner : „Die Lehrerversammiung zn Uschs", Bortrag von Rabbiner Dr. Guttmann ans Lemberg. Donnerstag, den 28. Jänner: Letzter Elternabend der „Sozialpädagogischen Gesellschaft." Chorlieder der Zöglinge der GesangSmeifterin Fräulein Alice G v l d b e r g, Trio der Profefioren Bnxbanm, Frühling und Ruzicka, Bortrag des Hortdireklors Oberlehrer Georg Schmied! „Rechte und Pflichten der Eltern". Wien. Dienstag, den 19. d. ist der evangelische Militärsnperintendent und Universitäts-Professor Dr. Johann Michael Szeberiny im hohen Alter gestorben. Der Berblichene war durch viele Jahre Präsident des Vereines zur Abwehr des Aittisemitismns und hat sich durch sein unerschrockenes und unermüdliches Eintreten im Kampfe gegen die Feinde unserer Glaubens- und Volksgenossen große Verdienste erworben. Sein Andenken sei gesegnet. Wien. Einer der besten Menschen, ein vortrefflicher Arzt, der beste Kollege ist mit dem k. u. k. Oberarzt, Landstnrm-Bcigade-Chefarzt Dr. Rudolf Landesberg dahingegangeu. Er hat nach dem Tode Professor L-chrörrers, das der internen Klinik angegliederte Ami bnlatorinrn selbstständig geleitet. Wie seine Kameraden erzählen, zeichnete j er sich im Felde nicht nur als tüchtiger Arzt, sondern auch als tapferer j Soldat aus. Zn seinen Verwundungen, die er am südlichen Kriegsl schauvlatze erhielt, gesellte sich ein schwerer Typhus hinzu, dem er auch j erlag. Um ihn trauern seine in Lemberg weilenden Eltern, eine Schwester, i die Gattin des Obersten Kraus und ein Bruder, Dr. Josef Landesj b e rg. Die letzteren waren auch aus den Karpathen herbeigeeilt, um j dem am 18. d. M. stattgefundenen Leichenbegängniffe beizuwohnen, j Auf dem Zentralsriedhofe hatten sich eine große Anzahl von Freunden! und Patienten eingefunden. Bon seiner Brigade waren Herr Hauplmann! Klatscher und Lientnant Dr. K a r p e l e s mit den dienstfreien j Offizieren erschienen, ferner sah man Dozent C a st e l l i, Primarius j Dr. Reiter, Primarius Dr. W e i n b e r g e r. die Oberärzte! Dr. Bane r, Dr. Ehrenteil und viele andere. Bom Bor stände des! Bereines für zugereiste kranke Inden waren der Vizepräsident Dr. Carl j Natanson uitt allen Herren des Borstandes erschienen. Auch dem > Ferienkolonienvereine „Gute Herzen" gehörte der Verstorbene als | Borstandsmitglied und Arzt an. Die Verdienste des Dahingeschiedenen i würdigten Feldrabbiner Dr. Franksurter, Dr. Friedrich W e l t I und Herr Arnold Schleiffer; die kantoralen Fnnklionen versahen die Herren erster Kantor Matjas und Bereinssekretär S ch a r f b e r g.! Wien. (Auszeichnung eines jüdischen Unteroffiziers.) Aus dem j XU. Wiener Gemeiudeblzirke Meidling wird uns folgendes mitgeteilt: I Ein bezirksbekannter Unteroffizier, Wachtmeister Sandor Ungar der zweiten Traindivlsion, ist in Anerkennung seiner hervorragend patriotifchhnmauen Bestrebungen von Seiner k. n. k. Hoheit Erzherzog Franz Salvator mit der silbernen Ehrenmedaille für Verdienste um das „Rote Kreuz" ausgezeichnet worden. Der Prämiierte erfreut sich so allgemeiner Beliebtheit im Bezirke, daß selbst das antisemitische Bezirks-! blatt sich in folgender Weise über ihn äußert:! Wachtmeister Sandor Ungar, allgemein Sandor Bacsi genannt. | wurde schon in der Wiener Preffe lobend erwähnt. So rettete er im j Jahre 1906 einem Mädchen, welches vom dritten Stock herabstürzte, durch sein entschlossenes, geistesgegenwärtiges Benehmen das Leben, indem er herzhaft hiuznsprang und die dem sicheren Tode Geweihte! *) Um das Interesse für das Sch'ma-Lesen bei der jüdischen im Felde stehenden Mannschaft und der Jugend möglichst zu wecken,; ist Gefertigter gerne bereit, den geehrten Herren Feldrabbinern und Religionslehrern Sonderabdrncke nach Bedarf znr Verfügung zu stellen.

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