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Die Wahrheit · 1915-01-22 · Heft 4 (22.1.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 4 (22.1.1915)
Date
1915-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Solchen Haß anznfachen, und ganz besonders in einer so gewitterschweren Atmosphäre, wie sie der gegenwärtige Weltkrieg erzeugt, dazu gehört eine ganz gewaltige Gewissenlosigkeit. Die gesittete Welt hörte mit Staunen nnd Grauen die Anklagen, welche jüngst die französische Regierung gegen die deutschen Heere, allerdings mit Unrecht, erhob nnd auch die Antwort, die daun von deutscher Seite gegen die Franzosen hinüberklang. Beide Teile konstatieren Verstümmelungen, ausgestochene Angen, abgeschnittene Ohren und in den Boden gespießte Verwundete. Wohl ist der Krieg geeignet, böse Instinkte und rohe Neigungen zutage zu fördern, und der Zorn mag auch die von der Zivilbevölkerung in Belgien und Frankreich rücklings mit Waffen angefallenen Denlschen zu manch gewaltsamer nnd harter Notwehr hingerissen haben, aber wie Barbaren haben die Deutschen nirgends gehaust, nnd beruhigend ist, daß die kämpfenden Heere trotz ihres alten Nationalhasses auch während des Kampfes ihre allgemein-menschlichen Gefühle nicht verleugnet haben, was dadurch schlagend bewiesen erscheint, daß die beiderseitigen Heeresleitungen sich genötigt sahen, den freundschaftlichen Verkehr der Gegner in den Schützengräben während der Kampfpausen zu verbieten. Mit großem Bedauern verzeichnet jedoch die beobachtende Mitwelt die Tatsache, daß die französische Negierung durch ihr grausames Vorgehen gegen Zivilangehörige ihrer Kriegsgegner und durch ihre gehässigen Massenbeschuldigungen in weit höherem Maße ihren haßgefühllen Ansdruck gab und man wird daher gut tun, den größten Teil der erhobenen Vorwürfe des Barbarismus anzuzweifeln, wozu auch die vielen Berichte von bewiesenem Edelmnte auf beiden Seiten gewiß berechtigen. Wahrhaft barbarisch verfahren aber die Russen während dieses Krieges mit den Juden nicht nur im Feindesland, sondern auch in ihrem Vaterlande. Die russische Regierung fühlt es wohl lebhaft, daß ihre durch Jahrzehnte schon gehandhabte Regiernngsmethode gegen die Juden nicht geeignet war. jüdische Sympathien zu gewinnen. Trotzdem die jüdischen Einwohner Gut und Blut zu den rnssischen Staatserfordernissen mindestens im gleichem Ausmaße opfern mußten, wie die „Rechtgläubigen", wurden ihnen früher bereits erlangte Rechte wieder geraubt und Tausende von jüdischen Russen plötzlich von ihrer Heimat vertrieben und ins Elend geschickt. Der deutsche Feldrabbiner Dr. Arthur Lewy veröffentlichte nun jüngst einen Bericht über die russischen Greuel an der jüdischen Bevölkerung im gegenwärtigen Kriege, den wir an anderer Stelle vollinhaltlich wiedergeben. Es ist ausgeschlossen, daß der ehrwürdige Rabbiner, sich in seinem Berichte Uebertreibnngen zu schulden kommen ließ. Auch von Ostgalizien und der Bukowina werden ähnliche russische Schandtaten gegen die Inden bekannt, nnd das Aergste dabei ist die Tatsache, daß diese Blüten russischer Gerechtigkeit von der Regierung gntgeheißen, ja geleitet werden. Selbst die alliierten Franzosen, allerdings soweit sie vom Chauvinismus nicht ganz verblendet sind, nehmen die Gransamkeiten gegen die Juden nicht mehr stillschweigend hin, und so veröffentlichte vor kurzem die Pariser „Humanits" einen Aufruf der sozialistischen Organisation des jüdischen Proletariats Rußlands „Der Bund" an die zivilisierte Welt. In dem Aufruf heißt es, daß seit dem Kriegsausbruch Judenverfolgungen unerhörter Art in Rußland eingesetzt haben. Der Aufruf berichtet über Judenverfolgungen in der Armeezone, über Pogrome in Polen, sogar in Lodz, sowie über Maffenansweisnngen nnd betont, daß die Inden unter dem nichtigsten Vorwand vor das Kriegsgericht gestellt und zum Tode oder zn Zwangsarbeit verurteilt werden. Mangels anderer Beweise diene stets die Behauptung, daß die Juden die Deutschen unterstützen. Der Aufruf schließt mit der Aufforderung an die zivilisierten Völker, sie möchten den Zarismus daran erinnern, daß selbst in Kriegszeiten das Gewissen der zivilisierten Menschheit Worte finden werde, um diese schmachvollen Handlungen zn vernrteilen. Die „Hnmanits" bemerkt hiezu, der Bericht sei das schlagendste Dementi der Meldungen einer gewissen Presse, daß den Juden vom Zaren polititische Gleichheit versprochen worden sei. Rußlands innere Politik habe sich seit Kriegsbegiun nicht geändert. Mit Ausnahme der beispiellos korrupter! nnd bestechlichen rnssischen Beamtenschaft befindet sich natürlich kein Teil des russischen Volkes unter diesem wahrhaft barbarischen Regime wohl nnd der Zarenfeinde gibt es außer den Inden im russischen Riesenreiche eine Unzahl. Die Jndenschaft des ganzen Erdballes erkennt aber schon seit vielen Jahren das russische Reich als das wahre „Malclras sodaunu (Reich der Gewaltherrschaft), dessen

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