Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 2 (8.1.1915)
- Date
- 1915-01-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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.Sidoktlon »„£> üibmmtfiratsoK: Wien, 11 Novaiagassx 27 ScltJjSoW: Redaktion 5609/1V. ' Auakhäirgige Heitschrift für jüöische - (ilnnjliitliia.Kl*.— ftalMiibria. K 7 ■ Rbminifiratiou 4988 11. 1. Stterr. Älditlvärkasio. «cht^-ponio Nr. 100.918. Interesse». c Inserate: Dir oterwal g'iualtnic ftonparciQC'B'iit 20 Heller. Erscheint jeden Areitag. (Viii AiiSliind: Lbonuemen/Smit yiUerttoiii- 'MmuMOVlii.8 int> in Wien zahlbar ' *' ' stitb (ladbar. Motto: „Dos Siegel Hotte» ist Wahrheit!“ 6 »tunti obfv Hl Jfrc*. Wie», 8. Immer Inh alt: Abonnements-Einladung. — Ursachen des Weltkrieges. — Das Budget der Wiener Kultnsgemeinde. — Karl Goldmark. — Em ehemaliger antisemitischer Reichstagsabgeorduetcr über einen gefallenen jüdischen Krieger. — Verschiedene Nachrichten. e= AtoiiilkUlkilts-Einladung. Die geehrten Herren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Jänner 1915 begonnene 1. Nuaital rrjüürt, damit die regelmäßige Expedition des Blattes keine Unterbrechung erleidet. :: :: Abonnements-Bedingungen: :: Ganzjährig K 14.—, halbjährig K 7.—, vierteljährig K 3.50. Probrnummern stehen gratis zur Verfügung. K. k. Postsparkaffenkonto 100.918 Ursachen des Weltkrieges. Gott weiß, wie lauge die Kriegsfurie noch fortwüten mag. Die aus Aulaß des Neuen Jahres erlasfeueu Armeebefehle unseres Kaisers und des deutschen Kaisers lassen erlennen, daß beide Staatsoberhäupter eutschlvssen sind, den opservollen Krieg so lange weiterzuführeu, bis er mit Gottes Hilfe zum Siege führt. Ebenso scheinen unsere Gegner noch nicht entmutigt zu sein und besonders ans England klingen von Seite der Kriegsspeknlanten wahrhaft freche und aufreizende Beteuerungen betreffs der unendlichen Dauer dieses entsetzlichen Vernichtungskrieges in die Welt. Kontrastierend damit vernahm man selbst ans russischen Regierungsblättern auch Friedensvorschläge, die auf die sonderbare Treue gegen die mit Rußland verbündeten Staaten ein grelles Licht werfen. Auch von Seite der Franzosen werden in den Schützengräben Vorfälle gemeldet, welche darum, daß die Liebe zu den Russen keineswegs so groß ist, um Verbrüderungsszenen mit den Deutschen Gegnern zn verhindern. Es mag ja sein, daß den russischen Machthabern vor der vollen Konsequenz eines für sie unglücklichen Ausganges dieses Weltkrieges jetzt schon graut. Auch Millionen von -Streitern vermögen den Endsieg nicht zu garantieren, wenn m vielen Teilen der Armee die rechte Kriegsbegeisterung fehlt oder-wenn die Korruption bereits alle Kreise angesressen hat. Die zum Sturm ausgemnsterten polnischen und jüdischen Soldaten wurden vor Przemysl auch durch die hinter , ihrer Front von. der russischen Heeresleitung aufgestellten Kanonen und Maschinengewehre nicht zu patriotischem Heldentume begeistert und die gemeldete ungeheure Zahl von einer halben Million russischer nnverwundeter Kriegsgefangener, die sich gegenwärtig in Deutschland und Oesterreich-Ungarn befinden sollen, wäre wohl nicht möglich geworden, wenn alle russischen Soldaten solche Patrioten wären, wie es die reichsdeutschen oder österreichisch-ungarischen sind. Die englischen Soldtrnppen verfügen wahrscheinlich auch über kein Uebermaß an echter Kriegsbegeisternng und die verwegen in den Kampf geführten Inder, Turkos n. dgl. kennen vermutlich nicht einmal das Motiv, warum sie ihr Leben ans fremdem Boden, gegen ihnen ganz unbekannte Menschen in die Schanze schlagen sollen. So bleiben in den Reihen unserer Gegner nur die begeisterten Franzosen, welche auch tatsächlich mit unvergleichlichem Mute daran sind, den Boden ihres Vaterlandes zu verteidigen. Nur Oesterreich-Ungarn kann mit Recht daraus Hinweisen, daß ihm der Krieg durch langjährige Ränke und durch Verbrechen a n f g e d r ü n g t wurde. Der einflußreiche ungarische Ministerpräsident Gras Tisza erklärte erst am letzten Neujahrstage, der gegenwärtige Krieg sei für Oesterreich-Ungarn nicht nur kei n P r ä v e n l i v k r i e g, sondern . .. »wir hegen und haben nicht, weiß Gott, welche eroberungslustige ehrgeizige Umgestaltnngspläne". „Wir wollen unsere Sicherheit, wir wollen den Frieden Europas und die Unabhängigkeit der kleinen und großen Staaten Europas." „Für diese Ziele suchen wir beim Frieden die Garantien." Das Deutsche Reich, gegen welches aus Eifersucht bereits seit dem Jahre 1910 alle Mächte der Entente feindlich gesinnt waren, mußte aus dem Gebote der Selbsterhaltung heraus Freunde und Genossen suchen und wenn nun Oesterreich- Ungarn durch das schändliche Komplott ans den Reihen der wehrhaften Staaten heransgestoßen worden wäre, mnßte ein solches Ereignis anch für Deutschland katastrophal werden. Es war daher schon durch die Pflicht der Selbsterhaltung gezwungen, seinem Bundesgenossen mit Nibelungentreue beizustehen. Dies können aber die Gegner der mitteleuropäischen Bundesgenossen mit Recht nicht behaupten. Niemand dachte daran, den Franzosen, den Russen oder gar den Engländern etwas wegznnehmen. Nur die Eroberungssucht und der Wille zu schädigen hat besonders die beiden letztgenannten Staate» zum Kriege getrieben. Nur Gott weiß, wie dieser wahre Haß-und Raubkrieg enden wird. Daß aber dieser allschädigende und mordende