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Die Wahrheit · 1915-01-01 · Heft 1 (1.1.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheit Seite 7. tation einließen, als scharfsinniger Pilpnlist, als ansgezeichneter Stratege ans dem Felde der geistigen Kämpfe erwiesen. Seinen Wohnsitz jedoch hatte Berusch Eschkeles nicht in Nikolsburg, sondern in Wien, da ihn an die Residenzstadt seine Geschäfte knüpften. Von Zeit zn Zeit kam er nach Nikolsbnrg. wo er im Hanse seines Verwandten und Geschäftsfreundes Marktbreiter Wohnung nahm. Wie sein Schwiegervater Rabbiner Samson Wertheimer, stand auch er bei den allerhöchsten Behörden in Ansehen und Ächtung. Er verabsäumte es nie, seinen mächtigen Einfluß im Vereine mit Baron Moses Aqnilar zu Gunsten seiner oft verfolgten Glanbeusgenossen geltend zn machen. So z. B. gelang es beiden verdienstvollen Männern das im Jahre 1742 bezüglich der Ausweisung der mährischen Juden erlassene Edikt rückgängig zu machen. Bezüglich des ans Spanien eiugewanderten Marrannen Diego de Aqnilar erteilt Abraham b. Mordechai Leipnik in der Vorrede seiner hebräischen Schrift „Megilat Sedorim" folgende Auskünfte: „Der würdige Fürst, (G-er zedek) wahrhaft fromme Profelit Don Moses Lopns (Lopez) Baron De Aqnilar, entstammte einer Marraunenfamilie aus Spanien. Als Christ führte er den Titel Herzog und bekleidete beim König Karl III. dem nachmaligen Kaiser Karl VI. das Amt -eines Kanzlers Sofer Hamelech. Er besaß große Reichtümer und Güter im Werte von 30 Millionen. Als sein Vater, der ebenfalls ein vornehmer Fürst war, sein Ende herannahen sah, teilte er ihm im Vertrauen mit, daß er von vornehmer .jüdischer Herkunft sei. Nach des Vaters Tode verließ Aqnilar heimlich Spanien, ließ alle Güter zurück und nahm blos bares Geld, das er von seinem Vater geerbt hatte, ungefähr 16 Millionen und seine Mutter und seine Frau wie seine Kinder, einen Sohn und zwei Töchter, mit und flüchtete sich nach Holland. In Amsterdam angelangt, ließ er sich und seinen zehnjährigen Sohn in den Bund Abrahams wie überhaupt seine ganze Familie in den Verband des Judentums uufnehmen. Sich selbst legte er den Namen Moses bei, weil er glücklich dem Wasser entronnen und seinen Sohn nannte er Elieser, weil der Gott seiner Väter ihm beigestanden. Während der Zeit, als er unter der Regierung des Königs Karl in Spanien das Amt eines Kanzlers innehatte, bekleidete Fürst Wenzel Lichtenstein, mit dem er sein lebenlang befreundet war, am selben Hof das Amt eines Obersthofmeisters. Als Karl VI., der nach dem Tode seines Bruders Kaiser Josef I., der keine männlichen Nachkommen hinterließ, den Kaiserthron bestieg, in Erfahrung brachte, daß sein einstiger Kanzler Aqnilar Spanien heimlich verlassen und nach Holland sich geflüchtet habe, um dort ungestört als Jude leben zu können, ließ er ihn mit seiner Familie nach Wien kommen, wies ihm in der „spanischen Kanzlei" eine prachtvolle Wohnung an und übertrug ihm wichtige Staatsgeschäfte. Ja, er wollte ihm auch den Titel Herzog, den er schon in Spanien führte, verleihen, allein er, Moses, lehnte einerseits aus großer Bescheidenheit und andererseits aus Furcht, diese hohe Allszeichnnng könnte den Neid der nichtjüdischen Adeligen erregen, dieses Anerbieten dankend ab und begnügte sich mit Dem Freiherrntitel. In Wien erwarb sich Baron Aqnilar bald die Gunst der Hofleute, besonders trenergeben blieb ihm sein Jugendfreund Fürst Wenzel Lichtenstein." Mit diesem würdigen hochverdienten Aqnilar war Rabbi Verasch Eschkeles sehr befreundet und das Streben Beider war unausgesetzt dahin gerichiet, ihre bedrückten Gtanbens- .brüder, so oft es Nötig war, zu beschützen. Ein besonders schönes Verdienst hatte sich Rabbi Eschkeles durch die Stiftung, die er kurz vor seinem Tode begründete, erworben. Fr. Oberkantor Joses Heller. Samstag tpi 's finb es volle 25 Jahre, seitdem Oberckantor Josef Heller sein Amt in der großen Brttnner Ge- Msinde aiigetreten hat. Oberkantor Heller erfreut sich in seiner -Gemeinde und in der Stadt Brünn sowie auchaußerhalb seines Wirkungskr eises allgemeiner Beliebtheit und Berehrling. Er ist ein Mann von hoher Fachbildung und reichen Kenntnissen. einer der glänzendsten Interpreten des jüdisch-rituellen Gesanges; mit seinem Werke „Kol-Teh.iloa hat er die Synagogengesangs-Literatnr bereichert und das alte Chasonus neu belebt und verjüngt. Oberkantor Heller ist auch der Begründer des mährischen Kantorenvereines, den er seit seinem Bestände leitet. Wie uns mitgeteilt wird, soll der Jubilar Samstag, den 2. Jänner beim Gottesdienste von Seite des Kultusvorstandes und der Vereine besonders gefeiert werden. Auch wir wünschen dem hochgeschätzten Jubilar, daß er sein heiliges Amt noch viele Jahre in vollster Gesundheit und Rüstigkeit zur Freude seiner Gemeinde, zur Zierde seines Standes, ansüben möge und rufen ihm eilt pasi prrr zn. I. B. Verschiedene Ilachrichten Wien. (F r e i t a g a b e n d - B o r t r a g im B e t h » Hain i d r a s ch „T a l m n d - T h o r a, II., Malzgasse 16.) Auch Frauen zugänglich. Am 8. Jänner l. I., halb 8 Uhr abends: Prof. Mor. Antscherl über „R. Israel Fürth, em Schüler des berühmten Landrabbiners Mordechai Bener's s. A." Wien. (Bortrüge in der Toynbeehalle, XX., Denisgasse 38). Freitag, den 1. Jänner: Bibelvortrag, Religivnslehrer Löw-Vogel. Samstag, den 2. Jänner: Musikanfführnng. geleitet von Prof. Stock. Sonntag, den 3. Jänner: „Die Luftschifffahrt im Kriege", Bortrag mit Lichtbildern von Ingenieur Paul B e l l a k. Mittwoch, den 6. Jänner: Screichqnartett, geleitet von Tonkünstler Hugo R i ch t e n h a u s e r. Wien. (Verein zur H e b n n g der Gewerbe, Wie n.) Am Mittwoch, den 6. Jänner, "um 7 Uhr abends, findet im großen Festsaale des Nied.-österr. Gewerbevereiues, I.. Eschenbachgasse 11. ein Vortragsabend mit folgender Tagesordnung statt: 1. Patriotische Kundgebung des Vereines, erstattet vom Präsidenten Herrn S. B r o d. 2. Rezitation zweier zeitgemäßer Dichtungen von Herrn Arthur Rix. 3. Skioptikon-Bortrag „Kaiser JosesII. und die Wiener", von unserem Borstandsoorstande Schriftsteller Herrn Jacques I a e g e r mit 80 teilweise kolorierten Lichtbildern, beigestellt von Herrn Hof- und Kammerphotographen kais. Rat Charles S c o l i k. Wien. Se. Exzellenz der Bürgermeister der Stadt Wien Doktor Richard Weiskirchner hat an den k. u. k. Hosphotographen S. W e i tz m a n n. als Obmann des Bethansvorstaudes für den XVI. und XVII. Bezirk, folgendes Schreiben gerichtet: Pr.-Z. 16764 ex 1914. Wien, am 22. Dezember 1914. Se. Exzellenz der Herr k. k. Statthalter im Erzherzogtum Oesterreich unter der Enns hat im Allerhöchsten Aufträge für die von Gemeindemitgliedern sowie von der Schuljugend des XVI. und XVU. Bezirkes anläßlich des 66. Jahrestages der Allerhöchsten Thronbesteigung telegraphisch zum Ansdruck gebrachte alleruntertänigste Loyalitätskundgebung den Beteiligten den Allerhöchsten Dank bekanntgegeben. Ich beehre mich, dem geehrten Präsidium zufolge Erlaffes der k. k. nied.-österr. Sratthalterei vom 17. Dezember 1914, Pr.-Z. 1913/1,. hievon Kenntnis zn geben. Der Bürgermeister: Weiskirchner m. p. Wien. (Ausgezeichnete jüdische A e r z t e.) Dozent Dr. Volk und Dr. W. L i e r, beide Assistenten an der Abteilung de» Herrn Professors Dr. S. E h r m a n n im Allgemeinen Krankenhause, wurden wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit dem goldenen Bcrdienstkrenze mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Men. Vorige Woche ist hier Herr Ludwig Stiaßny unter großer Beteiligung zn Grabe getragen worden. Es gibt Familienuainen, bei deren Nennung uns das Gefühl der Hochachtung, Wertschätzung und Ehrerbietung erfüllt und so ist auch der Name Stiaßny ein Loüsm Tow. Wir erinnern uns an einen edle» Träger dieses Namens, der 40 Jahre Vorsteher im Stadttempel war. Ein zweites Mitglied dieser Familie war Baurat Wilhelm Stiaßny. Die vielen Werke, die er geschaffen, die Gotteshäuser, Spitäler und Wohltätigkeisanftalten, die er gebaut hat, loben den Meister. Eine edle, selbstlose, für die armen und siechen Glanbensgenoffen sich aufopfernde Dame ist Frau Jda Diamant geb. Stiaßny. die Schwester des plötzlich Heimgegangenen Ludwig Stiaßny, der im traditionellen Geiste der Stiaßny-Famlie gelebt und gewirkt hat. Er war ein hochgebildeter Mann von bestrickender Liebenswürdigkeit, der als Junggeselle und fröhlicher Optimist geradezu belebend wirkte. Als vorzüglicher Pianist und Musiker verkehrte Herr Ludwig Stiaßny, Chef der Firma Stiaßny & Frankel, in den vornehmsten Kreisen der Residenz, er war eine bekannte Figur in der Oper und im Konzertsaale und man nannte ihn den Musik-Stiaßny. Er war ein warmer Verehrer Salomo» Sulzers und feines Sohnes, des Hofmusikers Prof. Josef Sulzer. Seine große Bekanntschaft benützte Ludwig Stiaßny, um arme Musiker, Maler, Bildhauer und Journalisten zn protegiere,r, denn bis in die Ministersalons war man chm gewogen. Er starb plötzlich während eines

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