Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 1 (1.1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und Jlbuiinlftratioii: Wien. II/, Novaragajse 27 Lelivhon: Redaktion 6509/1V. Xbmiitifnatiou 1938JU. . K. I. ükerr. Bostsvarkaffa- ' Gcheet-Nomo Nr. 100.918. lul'eratc: SU viermal geivaltenc Nonvareillr-Zeile LL Heller. LdonnemenlSnnb JnsertionsdrrrÜL« find in Wien zahlbar und klagbar. »abhängige Zeitschrift für silbische »lereren. Ganztährig.K 14.- Halbiiihiia. KT.-- Für MiiltiiSbeumte: tiSmuj.iljvia. K 10 — Lr scheint jeden Ar e i ta W»11v: „0»s 8i«x«l ttobtvs lad Wntiri.vll!" Für Än-lnnd: <H»»ji,ibria.8 M»«e S Slubfl oder I» Nrc» Kr. 1. Wien. I. Jänner I»I5. Inhalt: Abollnemeiits-Einladinig. — Der innere Burgfriede. — lieber jüdische Soldaten und Offiziere. — Warum schlagen wir uns mit Oesterreich? — Auch eine Kriegslehre. — Rabbiner Gabriel Eschkeles. — Oberkantor Josef Heller. — Verschiedene Nachrichten. .m; * Ibonnkments - Einladung. — Dir geehrten Herren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Jänner 1916 begonnene 1. Nuartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Blattes keine Unterbrechung erleidet. :: :: Abonnements-Bedingungen: :: Ganrjährig X 14.—, vierteljährig X 7.—, halbjährig X 3.50. Probrnummern stehen gratis zur Verfügung. K. k. Postsparkaffenkonto 100.918. Der innere Dnrgsriede. „Neben den vielen Schrecknissen eines Krieges besteht dessen reinigende, erhebende, veredelnde Wirkung darin, daß jeder weiß: nnn heißt es höheren Zielen mit dergrößten Aufopferung treu zu dienen. Der Krieg stellt jeden vor das Problem des Seins oder Nichtseins des Menschen, der Familie und der Nation. Hente gibt es kein Zerwürfnis, keine Uneinigkeit und in der Tiefe der menschlichen Seele wohnt hente nur das geläuterte, veredelte Gefühl. In den schrecklichen Tagen des Krieges wird es zur lebendigen Wahrheit, daß jedes Mitglied der Nation der Bruder des andern ist, daß konfessionelle, Klassennnd nationale Unterschiede w e g g e f e g t werden, als hätten solche niemals bestanden." Diese bedeutsamen nnd beachtenswerten Worte hat vor einigen Tagen der ungarische Ministerpräsident in einem öffentlichen Vortrage über die Wirkungen des Krieges ausgesprochen und bei der hohen Kapazität, die Graf Tisza diesseits und jenseits der Leitha genießt, ist wohl anzunehmen, daß er die Meinung der maßgebendsten Kreise in der Monarchie wiedergibt. : Nicht minder deutlich hat man in Deutschland in Regiernngskreisen gegen die Störung des konfessionellen Friedens wiederholt und nicht ohne Erfolg Stellung genommen und eine derartige Enunziation aus letzter Zeit ist eine Bekanntmachung der Militärbehörde in der Pfalz, die folgendermaßen lautet: „In der letzten Zeit wurden wiederholt durch anonyme Zuschriften schwere Anklagen gegen verschiedene Heeresangehörige erhoben. Wenn nun auch die stellvertretende sechste Jnfanteriebrigade solchen Anschuldigungen sonst grundsätzlich keine Beachtung schenkt, so sieht sie sich doch veranlaßt, einer Anklage in der Oeffentlichkeit entgegenzntreten, die die Ehre eines nicht unbedeutenden Teiles unseres Heeres antastet. Es wurde nämlich durch anonyme Zuschriften unter ariderem auch an der Tüchtigkeit und Verläßlichkeit von Heeresangehörigen jüdischer Konfession gezweifelt und der schwere Borwurf erhoben, daß viele von ihnen Mittel und Wege wußten, sich dem Dienst in der Front zu entziehen. Diese Anschuldigungen sind durchaus unbegründet. Der stellvertretenden sechsten Jnfanteriebrigade ist kein solcher Fall bekannt geworden. Sie ist vielmehr überzeugt, daß unsere jüdischen Soldaten sich bemühen, hinter ihren christlichen Kameraden an Vaterlandsliebe, Opferwilligkeit und Tapferkeit keineswegs zurückzustehen. Wer aus konfessioneller Unduldsamkeit andere verdächtigt, hält schlecht zu seinem Kaiser, dessen Wort heute allen voranleuchten muß: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!" In Deutschland hat man es verstanden, die antisemitischen Kläffer zur Ruhe zu bringen nnd hoffentlich wird es auch bei uns gelingen, gegenüber den gerade in letzter Zeit wieder auftauchenden antisemitischen Verdächtigungen, die angesichts der an höchsten Stellen wiederholt anerkannten patriotischen nnd opferfreudigen Haltung der jüdischen Staatsbürger der Monarchie und angesichts der zahlreichen, fast täglich gemeldeten Auszeichnungen jüdischer Soldaten jeder Grundlage entbehren und mit Entrüstung zurückgewiesen werdet: müssen, den inneren Burgfrieden zu wahren. In der Kriegsnot ist eben das Staatsganze auf das treue und begeisterte Zusammenwirken aller seiner Teile und Bevölkerungsschichten angewiesen. Dies zeigte sich in den letzten fünf Kriegsmonaten mit elementarer Deutlichkeit. Rur mit vereinten Kräften kann und wird dieser Staat fortbestehen und deswegen sind alle Arten gehässiger innerer Kämpfe staatsgefährlich. Hätte die gemeinsame Kriegsnot und die Liebe zum erhabenen Kaiserpatriarchen die verschiedenen Nationen und