Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 46 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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^(taftloii imb SNbimiufiraitou Wien. II, Nvparagasir 27 T -ltvhöu r Nebaktiou LöUvlIV. Sr-rninislraiivn 4?»:»8 II. t. I. üfterr. Postlvartailo- - ^chrck'^omo Nr. IVsi.Slk. . InieratL: Ltr viermal gcivalleue Uokpareille-?l«Hc io Heller. Muakhäilgige Heitfchrift für Mische Illieresseu. Vejna»vreJ»: Aa»il,iV»ia - 1» 14.- fcuihl.ibiia X 7 - F»r Jlit11n5bcumtf: im iiuj.itUM . . K tu Krscheint jede« Areitag. Filf Aii^liiud: «donueulenlS- und Ziiseruonsbrrrügr n»d in Wien zaylbar und klaftbar. Uolto: „Da» Siegel Gottes ist Wahrheit!“ (MivujKltU'Iu.S M..»r t> »tupft oder I» fttc* Jtv. 46. Wien. 11. Dezember lr»I4 Inhalt: Geht der Weltkrieg seinem Ende zu? — Aus dem Massenquartiere der galiziichen Flüchtlinge in Eger. — Der Feldkaplnn. — Znm Regieruugsjnbiläum des Kaisers. — Zur Frage der Benennung der Inden. — Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. Geht der Weltkrieg seinem Ende;n? . Oesterreich-Ungarn hat nach Erschütterung der serbischen Armee die Hauptstadt Serbiens, die Donausestnng Belgrad, besetzt nnd damit beginnt die Züchtigung des Serbenstaates für dessen verbrecherische Methode zur Wahrnehmung seiner Interessen, wie dieselbe in der Anklagenote Oesterreich- Ungarns vom-23, Juli 1914 angedroht worden war. Die Erweiterung der anfgenötigten österreichisch-ungarischen Strasexpedition gegen Serbien znm Weltkriege bewies deutlich, daß Rußland, Frankreich und England den Weltkrieg gegen Deutschland nnd Oesterreich-Ungarn bereits seit langer Zeit vereinbart und beschlossen hatten, da sie sich nicht scheuten, den verbrecherischen Serbenstaat Montenegro, das von Frankreich und England seit langem schon geknebelte Belgien und sogar den modernen Raubstaat Japan zu ihren Verbündeten und Kampfgenossen zu erheben. ' jini Jo inniger gestaltete sich nun das Schutz-und Trntzbttndnis Deutschlands nnd Oesterreich-Ungarns, welche nun im vollsten Sinne des Wortes um Sein oder Nichtsein kämpfen und gegenseitig aufeinander in diesem Kampfe gegen eine Welt doll Feinde angewiesen waren. Interessant ist die Hinterhältigkeit und Heuchelei, mit welcher die Herrscher Rußlands und Englands ihre Schuld an diesem greulichen Weltkriege zu verhüllen suchten. Beide suchten, das innige Freundschaftsverhältnis zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Fr.anz Josef durch unaufrichtige Friedens- Verhandlungen zu trüben und zu erschüttern, aber der Zar, welcher seipe Mobilisierung seit langem schon im geheimen angeorhnet und ansgeführt hat und. vor Begierde brannte, seine Heere in die Nachbarländer einrücken, zu lassen, konnte seine Tatenlust nicht länger meistern und führte die Mobilisierung seiner Kriegsmacht noch während der Verhandlungen wegen der ErhaltungdesFriedens aus. Kein Geringerer als Kaiser Wilhelm selbst stellte die Doppelzüngigkeit des Zaren fest. . Aber auch die Kronräte des britischen Monarchen betraten den gleichen Heuchelweg.. Nachdem sie krampfhaft bestrebt waren, die Rolle der Friedensvermittler zu mimen, benützten sie kurz nach der Tagung' des deutschen-Reichstages am 4-.August l. I. -die Erklärung des Reichskanzlers, das deutsche Heer habe sich genötigt gesehen, belgisches Gebiet zu betreten, zur Kriegserklärung gegen Deutschland „wegen Verletzung der belgischen Neutralität" Dies tat die allezeit perfide britische Regierung, welche die Rechte anderer Völker und Staaten sowie Staatsverträge so oft mit Füßen trat, so oft ihr dies nützte, trotzdem sie im Vereine mir Frankreich den eventuellen Einmarsch durch Belgien nach Deutschland vereinbart hatten. Nun ging die Kriegsfnrie los. Oesterreich-Ungarn mußte bald den wohlvorbereiteten Druck des moskowitischen Niesen anshalten, der es hauptsächlich auf dieses Reich abgesehen hatte, welches seine Aspirationen auf die Balkanhalbinsel seit Dezennien schon wirksam hinderte. Trotz der beispiellosen Tapferkeit der österreichisch-ungarischen Armee überschwemmten bald ungezählte Massen der russischen Heeresmacht große Teile Galiziens nnd der Bukowina und erst der gewaltige Gebirgswall der Karpathen konnte diesem barbarischen Strom Einhalt gebieten.. Auch in Ostpreußen versuchten die Russen einen ähnlichen Einbruch. Aber sie hatten ans die beispiellose militärische Tüchtigkeit der beiden Verbündeten nicht gerechnet. Sie hielten nicht nur diesen schrecklichen Ansturm auf. sie bereiteten dem übermütigen Feinde nicht nur gewaltige Niederlagen, sondern drangen tief in Russisch-Polen ein. Das österreichisch-ungarische Heer fügte den Russen bei Przemysl fürchterliche Schäden und Verluste bei und der deutsche General v. Hindenbnrg vernichtete mehrere Russenheere und säuberte Ostpreußen von den Feinden. Im Sturme eroberte aber der tüchtige deutsche Bundesgenosse nahezu ganz Belgien samt seinen Festungen und drang auch tief nach Frankreich ein. Trotz seiner verhältnismäßig geringen Seemacht bedrohte seine beispiellos tüchtige und tapfere Kriegsmarine seine bis jetzt allgemein anerkannte Seeherrschaft in allen Weltmeeren. Wohl hat der moderne japanische Raubstaat ans Geheiß Englands den Deutschen eine blühende Kolonie und den Handel im fernen Osten weggenommen, aber der britische Seeriese zittert heute schon vor einer drohenden deutschen Invasion, welche Furcht durch den gewaltigen Drang des deutschen Heeres nach der Nordküste Frankreichs vollauf begründet erscheint. Das grandiose Erwachen der moslemitischeu Welt ans seiner Ohnmacht bereitet den Weltmächten Rußland nnd England wohl auch gewaltige Sorgen. Die serbischen Heere werden von den österreichisch-ungarischen Truppen zurückgedrängt und die serbische Hauptstadt ist, wie bereits erwähnt, von ihnen besetzt.