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Die Wahrheit · 1914-11-20 · Heft 43 (20.11.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 43 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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■ Rcbafüou uub Administration: Wien. ll„ Novaragasie 27 Xtlepboii: 9/ebafiioii 5509/iV. ^nakhäirgige Aerischnft für jüöifche Merngvpret»: Äauit'idri».K H.- H.„bliib.in. U 7.— Rbmimftratioit 4938/11. K. t. osterr. Aostsvarkasta» 66cif.ftoitto Nr. 100.918. Interessen. Fiu: Stnltii-Sbfmute: .K 10 — Julurate: Sie viermal gespaltene Nonpareille-Zeiie 25 Heller. Erscheint jeden IsreiLag. Für AilSlliild: Abonnements- und Insertion». Ä>»»,lliyri,i.8 su.irr 1 brtrSg« find in Wien zahlbar Und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 Nudel oder I» Are». Ar 43. Wien. 20. Uovemver U04 Inhalt: D^omo sinn. — Ein Welträtsel. — Georg Brandes und die Polen. — Jüdische Tapferkeit. — Fürst Paul Dolgorukow über d-e russischen Juden. — Die Bedeutung der Bezeichnung „Jbri". — Lateran und Synagoge. — Hilfsaktion der Israelitischen Llllianz zu Wien. — Ü. Spenden-Ausweis. — Verschiedene Nachrichten. Homo sum! Am Anfang war das Wort! Nicht das, was man Literatur nennt, nein, eine menschliche Stimme tönt an unser Ohr, die menschliches reines Empfinden kundtut! Eine geistreich dnrchgesnhrte Paradoxie ist die Form, in der eine kleine Schrist eine ebenso interessante wie wertvolle Beleuchtnug der alttestamentlichen Religion und ihrer Bekenner darbietet. Der Verfasser hat ans Grund historischer Daten seine Hypothesen zu begründen versucht und liefert in freier Meinungsäußerung den Beweis, daß es auf die Prononcierung eines Wortes ankommt, um demselben seine Bedeutung zu geben. Völker klassischen Altertums und ueuerer Epochen haben etappenweise dem Worte Jude, Hebräer, Israelit einen mehr oder weniger gehässigen Unterton verliehen, der bis auf den heutigen Tag nachschwiuge. Was liegt da näher, als daß der Kulturmensch opponiert und die Polemik zur geharnischten Disputation wird. — Das Judentum ist die ergreifendste Geschichte einer Sehnsucht, ihre Philosophie geht von der Ueberzengung aus, daß die Menschenseele unendlichen Wert hat, wie der alttestamentliche Monotheismus zu einem Besitz der Völkerwelt erhoben wurde. Heute in einer so epochalen Zeit, wo das Hnmanitätspriuzip so schöne Blüten treibt, da Mann an Mann Gut und Blut für Kaiser und Vaterland freudig opfert, bestehen keine Gegensätze, weil die Konfessionen mehr denn je zusammengerückt sind, so daß man von einem messianischen Zeitalter sprechen könnte, in dem allgemeinen edlen Wettkampfe der Selbstaufopferung, einer gerechten edlen Sache zu dienen. Ich spreche von wirklichen nicht Talmi-Kulturvölkern und nicht von jenen blutrünstigen Barbaren, welche unsere armen Glaubeusbrüder" mit Knutenhieben vor die Front treiben, um ihre eigene Feigheit z» bemänteln, ihnen gilt nichts der stolze selbstbewußte Jude Lessings, hier haust noch das graue Mittelalter mit seinen grausamen Torturen an Menschen, welche wie wir die heimatliche Scholle lieben, um im Staate eines Tyrannen in martervollen Pogroms im Blutransche, wie in der Zeit der Gladiatoren zu Tode gehetzt zu-werden. Hoffentlich wird auch in dieser Bartholomäusnacht einst ein Lichtstrahl dort Freiheit bringen, wo. große nu.d" starke Geister erleuchtet lind begnadet, Werte von Ewigkeitsdauer" zu schaffen vermögen, um jene armen verängstigten Menschen zu erlösen, damit das Wort Gottes sich erfülle: „Denn ich bin der Ewige dein Gott, der dich faßi au deiner Rechten, der zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!" Ans dem ganzen rabbinischen Schrifttum leuchtet die ideale Forderung hervor: Jedes Haus ein Tempel, jedes Herz ein Altar, jeder Mensch ein Priester, und zwar jeder Mensch nicht bloß jeder Israelit lautet die Vorschrift. Nicht Priester oder Levit oder Israelit heißt wörtlich in der heiligen Schrift der Träger des Gesetzes sondern „Mensch!" Gleich gewaltig' im Grundgedanken wie im Ausbau ist der Gruudzug der israelitischen Religion: „Die Einfachheit!" Das große Synhedriou, die oberste Religionsbehörde, deren tägliche Sitzungen in der großen Quaderhalle des Tempels öffentlich gehalten wurden, entwickelte antike Lebensweisheit, würdig eines Lykurg und Solon. Ein Hillel, der mütterlicherseits von König David abstammte, zeichnete sich bei aller Geistesgröße durch sprichwörtlich gewordene Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit aus. Seine Lehrsätze lauteten: „Sei ein Schüler Ahrons, ein Freund des Friedens, ein Förderer des Friedens, ein Freund aller Menschen!" Und ein Repräsentant der Neuzeit, Johann Gottlieb Fichte, einer der größten philosophischen Denker, tat vor 100 Jahren den bekannten Ausspruch: „Was für eine Philosophie man wählt, hängt davon ab, was mau für ein Mensch ist!" Das sei im gegenlvärtigeu Augenblicke unser Motiv, mit wahrem Menschentum und allgemeiner Verbrüderung Hand in Hand zu gehen, bis die Taube mit dem Oelblatte im Schnabel als Friedenssymbol für alle Welt hernieder schwebt! Flora Wilhelm Fränkel. Gin Weltriitlcl. (Schluß.) Da erschien Gott der Herr am Sinai, verlieh der Menschheit durch Israel die Thora, deren herrliche, meuschenerfreueude, menscheubeglückende, Eintracht und Frieden fördernde Lehren und Vorschriften die mächtigsten und kräftigsten Säulen und Stützen bilden, auf welchen die sittliche Weltordnung beruht, wodurch die Well weiter bestehen konnte. Drei Tage vor der Offenbarung rief die göttliche Stimme dem Moses zu: „So sollst du sprechen zum Hause Jakob und verkünden den Kindern Israels: Ihr habt wohl gesehen, daß die Welt nicht dem launenhaften Spiele eines

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