Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 41 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- - MdakNon nnd Ndininlstration: Mnakhängige Heikfchnft für jüöische fButi. 11, Novaragasse 27 Sfletrtou: Nedaktio» 6609/1V. ©uiijlaüvifl.1» l*. — Halbliibri,,. K 7.— Mrnimstralion 19S8I1. S.!. Sftetr. Bostlvarkaffa- Nr. 100.918. Iuteresten. Für Kultiisbeiiittte: 'i'mniii. ic io. — , Jhifvrate: Ali viermal gciDalteue Xonpareille-Aiile 26 Helirr. - Erscheint jeden Areitag. Fiir Ansltiiid: Ldonnemelilr- und Znserlionr.! .8 ülliirf drrrüge -nnd in Wien zahlbar und klagbar. Hiotto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 1 ü!>!»vel oder 10 Nrc». I_ Uv 41. Pie», 6. Uonember i«»14 Inhalt: Friedeiissymptome. — Ein Welträtsel. —• Hebräer, Israeliten, Juden. — Eine jüdische Kaserne. — Prophezeiungen. — Eine Hiobstud!e. — Zweiter Spendenausweis der Jsr. Allianz zu Wien. — Verschiedene Nachrichten. Aviso! Die geehrten Herren Abonnenten werden höflichst ersucht, die restlichen Abonnementsbeträge unverzüglich einsenden zu wollen. Friedenssymptome. Volle drei Monate schon tobt einer der snrchtbarsten Weltkriege, den die Geschichte kennt. Die Schäden und Leiden, die derselbe bereits über die Menschheit brachte, überschreiten jede Vorstellung. Ansgebreitete Landschaften sind bereits von der Kriegsfnrie verheert, große nnd prachtvolle Städte zn Trümmerhaufen verwandelt, die Einwohner riesiger Landstrecken von ihrem heimatlichen Boden vertrieben oder vom eingedrnngeuen Feinde beraubt und vergewaltigt. Es ist keineswegs zn hoch gegriffen, wenn die in den bisherigen Kämpfen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen vorgekommenen Kriegsverlnste, Tote nnd Verwundete, auf zwei Millionen angenommen wird. Siechtum nnd Krankheit wird aber auch die große Mehrzahl der wackeren Krieger weiterhin durchs Leben begleiten. In den an dem Weltkriege beteiligten Staaten gibt es heute schon wenig Familien, die durch diesen mörderischen Krieg nicht in Trauer und Schmerz geschleudert wurden, aber die empfindlichen wirtschaftlichen Schäden des Krieges tragen nicht allein die miteinander kämpfenden Staaten, deren Zahl noch fortwährend wächst, sondern auch alle anderen, bisher neutralen Staatengebilde. Es ist daher wohl nicht wunderlich und gewiß nicht zn verargen, wenn sich bereits eine heftige Sehnsucht nach Frieden unter allen Völkern bemerkbar macht. Diese Friedenssehnsncht waltet in Wahrheit unter allen Schichte n des Volkes, doch raffte sich bis nun nnr die Arbeiterschaft zu dem Mnte ans, dieselbe öffentlich zu bekennen und ans offiziellen Friedensschlnß hinzuarbeiten. Unter-dem Titel: „Ein Blick jenseits des Krieges" brachte die „Arbeiter-Zeitung^ einige treffliche, zweckentsprechende- Artikel,-chi denen namentlich zwischen Deutschen und Franzosen . dse. gangbaren Pfade zn .einem künftigen,-dauernden Frieden-' gesucht und anfgezeigt werden. . Ludo v. Hartmann führt ans, der letzte Weltkrieg sei „Mißverständnissen" und „Unvollkommenheiten der Kultur" entsprossen. Der Riesenkampf werde und müsse mächtig dazu beitragen, diese „Mißverständnisse" ausznhellen und richtigznstellen und der nationale Völkerhaß müsse schließlich schwinden und es werde nur mehr „einen Kampf der Kultur gegen die Unkultur" geben. Mit Ausnahme Rußlands und der Türkei arbeiten also die Sozialisten aller Länder bereits auf den Frieden hin. indem dieselben in den bis nun neutralen Staaten mit aller Macht die weitere Einhaltung der Neutralität verfechten. Die russische Sozialdemokratie freilich, deren Mitglieder in den russischen Gefängnissen feige gefoltert und hingerichtet werden, hat keine Ursache, den russischen Absolutismus zn unterstützen und sie erklärte demgemäß auch ganz offen, das russische Proletariat müsse ihren unversöhnlichen Kampf gegen die russische Regierung unter allen Umständen energisch fortsetzeu und kann auf keinen Fall auch nur einen kürzeren Waffenstillstand mit derselben abschließen. Das perfide England ließ freilich hören, es habe keine Eile, den Krieg zu beenden, es werde im Frühlinge und gegen Ende des Jahres 1915 noch zahlreiche militärische Kräfte in den Kampf senden. Doch bange machen gilt nicht und es ist 100 gegen 1 zu wetten, daß es sich heute schon aus der gefährlichen Situation gerne wieder ziehen möchte, wenn dies halbwegs anständig, ohne große Einbuße, noch möglich wäre. England hat sich diesmal gewaltig geirrt, es war bis zur Gegenwart der anerkannte König aller Meere nnd die Gefahren, die diesen Seestaat nun bedrohen, überwiegen den eventuellen Nutzen bei weitem, welchen ihm ein Sieg der Waffen der Entente gewähren könnte. Deutschland freilich kann den Krieg nicht eher beenden, bis seine Kriegskolonnen in Paris einmarschiert sind; bis dahin freilich wird und muß es den Kampf nach seiner Versicherung noch „durchhalteu". Aber dieses Ziel kann der Sachlage nach in nicht zu ferner Zeit erreicht werden, dann aber wird Deutschland der edlen französischen Nation wohl goldene Brücken zum Frieden bauen, wenn es sich vom Moskowitismus und vom; rücksichtslosen John Bull abwendet. Der Kriegsausbruch des osmanischen Reiches, dessen noch vorhandene Kampfkraft vielfach unterschätzt wird, gegen Rußland und die. mit ihm verbündeten Staaten dürfte die Beendigung des Weltkrieges beschleunigen, so paradox diese f: Behauptung auch klingen mag. Dem Britenreich muß vor einer Entfesselung des islamitischen Fanatismus grauen,