Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 40 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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! Nkd«-ktton intb ülbminiftratton :! Äirn. II,, Nvvaragasse 27 T,1-r>tzon: Redaktion 5509/1V. Huakhäilgigs Aeitschnft für jüöische lilniijlütjviii.K 14.- HalblUdria.K 7.- Hlbrmuistranon 1988 il. X. t. fifierr. Nostsvarkasia- Schetk-Nomo Nr. 100.918. Interesse«. Für NiiltnSbrainte: <tt,»»zj>ih»!,t.K IM - rnlerate: Ttf biennal gejbalieite Nonvureille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Irreitng. Für Anrluud: LbannemenlSltub Jnlerrion»- .S 3Hn»r S»trüge niib tu Wien zahlbar tutb klagbar. Motto: „Das Sieget (Lottes ist Wahrheit!“ t> »tubel ober tit «ftcs. Mr 40. Wie», 30. Oktober IUI4. Inhalt: Kaiser Franz Joses und der Zar. — Zum ersten Jahrzeittage. — Zum Jahrzeittage weil. Rabbiner I. I. Ungers. — Flüchtlinge. — Die Einheit der ungarischen Judenheit. — Eine Hiobstudie. — Verschiedene Nachrichten. — Oesterr.-ungar. Kantvreir-Verein. Kaiser Franz Josef und der Zar. Eine Gesellschaft unreifer, fanatischer und irregeleiteter Bursche, welche von maßgebenden serbischen und russischen Persönlichkeiten, die sich im Hintergründe wohlverborgen hielten, gelenkt wurde, hat einen scheußlichen Prinzenmord auf österreichifchem Boden verübt. Dieses Verbrechen zwang die österr.-nngar. Monarchie zu energischem Auftreten gegen Serbien, nachdem die gerichtliche Untersuchung gegen die Mörderbande den Beweis erbrachte, daß Mitglieder der serbischen R e g i e r u it 9 u u d Militärverwaltung an dem Mordkomplotte teilgenommen hatten. Herrscher und Regierung, Volksvertretung und Presse Serbiens hatten durch viele Jahre früher schon alles unternommen, das geeignet schien, die Geduld Oesterreich-Ungarns zn erschöpfen und die Großmacht zum Losschlageu zu drängen. Der durch Massenmord zum Königtum gelaugte Serbenkönig Peter hätte solche Provokationen nicht gewagt, wenn er nicht der Hilfe des russischen Zaren Nikolaus II., der sich seinerzeit als Friedenskaiser gebärdet hatte, sicher gewesen wäre. Der wahre Friedenskaiser, Franz Josef I., ließ sich aber, eben weil er die Provokationsabsicht merkte, zum Verdrusse aller Kriegsparteien, lange nicht aus der Ruhe bringen. Der edle Kaiserpatriarch wollte seinen Völkern den Frieden erhalten und ohne zwingende Not vor der Kriegsgeißel bewahren. Der durch fortwährende innere Volkserhebungen in eine fürchterliche Zwangslage geratene Rnsienzar trachtete aber, sein gedrücktes Ansehen durch einen Krieg zu verbessern, umsomehr als die erhaltenen japanischen Hiebe nicht geeignet waren, den Glauben an Rußlands Kraft und Macht zu erhöhen. Er ließ also vorerst den russischen Rubel mächtig rollen und viele Spionageprozesie in Oesterreich-Ungarn und Deutschland, erhärteten seinerzeit diese Behauptung. Der Russenzar benützte Serbien als den. gegen Oesterreich-Ungarn fortwährend kläffenden Hund, der dieses Reich zum Kriege aufregeu sollte, nachdem es die Angst Frankreichs und Englands vor der Erstarkung Deutschlands weidlich ausgenützt und die Entfesselung der unseligen Tripelentente ins Werk gesetzt hatte. Serbien war ein gelehriger Schüler seines russischen Meisters und Herrn und zettelte wahrscheinlich mit russischem Gelde eine großserbische Jrridenta in Oesterreich-Ungarn an, die später in verbrecherischen Mordanschlägen und Morden ausartete. König Peter von Serbien hat nun glücklich seinen Krieg mit Oesterreich-Ungarn erreicht und es geniert diesen Mordkönig nicht, wenn nun bereits das drittemal unter zwei Jahren die Kriegsfurie in seinem Ländchen wütet. Der mächtige russische Patron hat es gewünscht und das rasche Hinschwinden feiner tapferen männlichen Bevölkerung sowie der kulturelle und wirtschaftliche Ruin des gesegneten Serbien ficht diesen Blutkönig nicht an. der sich über die Leichen der gemordeten früheren serbischen Königsfamilie auf den Thron schwang. Der wahre Friedenskaiser Franz Josef I. wurde von Serbien gezwungen, nach vielen Jahren wieder das Schwert aus der Scheide zu ziehen und nachdem der weise Beherrscher des Deutschen Reiches in Erkenntnis der wahren Situation nicht zögerte, sich entschieden an die Seite seines eng verbündeten Freundes in deutscher Nibelungentreue zu stellen, beeilte sich nun auch die Tripelenteme, ihren lange schon zur Reife gebrachten Kriegsplan gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn zur Ausführung zu bringen. Die österreichischungarische Strafexpedition gegen die verbrecherische serbische Regierung wurde zum allgemeinen Weltbrande erweitert. In Oesterreich wurden kurz vorher noch käufliche Personen entlarvt und das österreichische Parlament war durch nationale Reibereien lahmgelegt. Darauf gründete die Entente ihre Hoffnung. Sie glaubte, Oesterreich-Ungarn müsse im ersten kriegerischen Anprall auseinanderfallen, Italien wurde durch noch nicht genügend aufgeklärte Gründe abgehalten, seinen bedrängten Bundesgenossen militärische Hilfe zu leisten und mit dem dann isolierten Deutschland dachte dann die moderne Gesellschaft behufs unbeschränkter Beuteverteilnng schon fertig zn werden. Die Bande irrte sich aber gründlich. Sie kannte nicht das unzerreißbare Liebesband, das den alten Kaiser mit allen seinen Völkern aufs engste verband. Als Kaiser Franz Josef zu den Waffen rief, erwachte unter stürmischem Jubel die hellste Kriegsbegeisterung unter allen Völkern Oesterreichs, jeder nationale und konfessionelle Streit verstuntmte urplötzlich itnd willig eilten die berlffeneil Scharen zu den Kriegsfahnen. Schon in einigen Tagen wickelte sich die Mobilisierung glatt und klaglos ab und sofort gab es Kämpfe mit den Feinden au den Grenzen des Reiches. Auch der kraftvolle reichsdeutsche Nachbar war nicht faul, er hatte die Kriegspläne seiner Feinde rechtzeitig in Erfahrung gebracht und überrumpelte Belgien, die projektierte Einbruchsroute Frankreichs nach Deutschland.