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Die Wahrheit · 1914-10-16 · Heft 38 (16.10.1914) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 38 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 8. Nr. 38 '■•"7-.. „Du, läppischer Kerl! Das mußt Du Dir so einlernen, daß Du selber am Ende gar daran glaubst, damit, wenn Du gefragt werdest, nicht das sagst, was in Deinem Büchel nicht steht. Verstehst Du?" 4fr - - * Eines Tages marschierte ich die Chaussee nach Wilkowischki. Am Wege traf ich einen Maznreu und schloß mich ihm an. Wir gingen und er Hub zu stöhnen und zu seufzen au. „Was ist Dir so Böses begegnet?" frug ich ihn. Hole der Teufel alle Nabjeschtschiki!" gab er mir zu Antwort und fuhr fort: „Ich wollte zeitig am Morgen die Grenze überschreiten! Ich bitt' dich, man braucht dies und jenes. Mein Grenzbüchel ist freilich momentan vorteilhaft verpfändet. Also'gehe ich ohne Büchel. Ich kenne ja jedes Gebüsch, jedes Winkelchen. Plötzlich steht ein ISTabjescbtschik vor mir, ein junger Affe! Da hast Du 10 Kopeken! sagte sch zu ihm und laß mich meinen Weg gehen." „Das nicht", versetzte er, „wenn schon, so kostet es eine halben Rubel. . . ." „Das erlebst Du nicht," höhnte ich und mit diesen Worten entrann ich seinem Gesichtskreis und stand in kaum einer Minute auf preußischem Boden. Hier, wußte ich, kann er mir nichts mehr tun. Also hänselte ich ihn: "Da ist Preußen, dort Rußland, da ist Preußen, dort Rußland . ..." Der Lasse wurde wütend! Er überschritt die Grenze, jagte mir nach, erwischte mich und schleppte mich wieder auf russischen Boden! Hier haute er mich auf die Grenze nieder und schlug mit dem Gewehrkolben auf mich ein. wobei er wütend kreischte: „Da ist Preußen, dort Rußland, da ist Preußen, dort Rußland ..." Ich glaubte meine letzte Stunde sei gekommen und schrie: „Da hast Du einen Rubel, gib mich frei!" Kaum hörte er von einem Rubel, so ließ er ab. Ich mußte wohl oder übel ihm einen Rubel geben. Das trug mir der Ulk ein!" Ich bestätigte, daß der Russe einen Spaß oft übel aufuimmt. Wir schieden und anstatt des Scheidegrußes ächzte immerfort der Mazur: „Der Teufel hole alle Russen und alle russische Nabjeschtsckiki." Oberkantor Wilkowitsch. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Allge m. Krankenu. Unterstützungs- Verein „M o n t e f i o r e".) Das von diesem Vereine wie seit Jahren im Hotel Stefanie errichtete Bcthans hatte auch zu den diesjährigen hohen Feiertagen einen unerwartet zahlreichen Besuch. Die Andächtigen wurden durch den ersten Kantor Herr Arnold Altschul in weihevolle Stimmung versetzt; Vortrag und Gesang desselben war überwältigend; das allgemeine Urteil ging dahin, daß das Bethaus einen solchen Kantor bisher nicht auszuweisen hatte. Die Vereinsleitung kann mit diesem Erfolge zufrieden sein. Um auch den verwundeten Soldaten Gelegenheit zum Gottesdienste zu geben, wurden diesen 30 Freiplätze zur Verfügung gestellt. Wien. Die Einschreibungen für den Unterricht an der Bibelschule der israelitischen Kultusgemeinde, II., Rembrandtstraße Nr. 32, finden statt: Mittwoch, den 14. Oktober l. I. von 2 bis 4 Uhr und Sonntag, den 18. Oktober l. I. von 9 bis 11 Uhr vorm. Der Unterricht ist unentgeltlich. Wien. Herr kaiserl. Rat Adolf Weng er hat für die neuerbaute Synagoge in Mödling ein prachtvolles „Xsr Tomid“ gespendet. Wie«. In der herrlich dekorierten Suka der türkischen Gemeinde wurden an den ersten Abenden des Festes, über Anregung und Arrangierung der Herren Vorsteher Lico A d u t t und Salomon Dr. Hassan mehrere hundert Flüchtlinge gruppenweise mit Barches, Trauben, Honig und Wem reichlich und in zuvorkommendster Weise bewirtet. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Die höfliche Bitte um Veröffentlichung dieses kurzen Berichtes verfolgt einen Zweck, nicht den des Lobes schlechthin, wie sich gleich zeigen soll. Am Loü'mlui azereth hörte ich im Tempel zu Döbling eine Predigt an, die mich sehr bewegte. Vom Satze: „Isch Kmatnath jodau“ ansgehend, zeigte sie einerseits, daß nicht alles eitel sei sondern das Glück darin liege, Segen zu empfangen und wieder auszustreneu; anderseits geißelte sie mit mutiger Offenheit diejenigen, die, sich in ihre Gleichgiltigkeit und Teilnahmslosigkeit hüllend,' jedem gemeinnützigen Wirken fernbleiben, des Wohltuns, dieses edelsten Schmuckes des Judentums, sich entäußern und zu fragen scheinen: Bin ich denn der Hüter meines Bruders— Es kann nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, diese Rede weiter anszuführen, doch möchte ich den Wnusch ausfprechen, daß sie, durch Druck vervielfältigt, hinausgehe und an die Gewissen aller poche, die auch in dem gegenwärtigen Drange ihrem Egoismus fröhnen und des Weckrufes bedürfen. M. ' Wieu. Hoflieferant A. H.' 2upnik, Bnchdruckereibesitzer^ Redakteur und Herausgeber der „Drohobyczcr Zeitung?, weilt derzeit in Wien I., Seilergasse 2. Telefonstelle VIII von 1468. Eg er. Donnerstag den 1. Oktober wurde der im hiesigen allgemeinen Krankenhause dahingeschiedeneJnsanteristMax S ch l e s i n g e r aus Miskolcz in Ungarn zur ewigen Ruhe gebettet. Bor dem mit Blumen reich geschmückten Sarge schritt eine Kompagnie Mannschaft der k. k. Landwehr und der hier derzeit weilenden deutschen Waffenbrüder des schlesischen 6. Laudwehrkorps, welche im Kampfe vor Lublin leicht verwundet wurden; hinter dem Sarge sah man: Herrn Oberstleutnant Sajeczek, Offiziere des k. k. Reservespitales mit dem kath.. Feldgeistlichen und die der k. k. Landwehr, denen eine überaus zahlreiche Trauergemeinde folgte. Die Sonne, die sich seit vielen Tagen in regenschwere Wolken hüllte, erstrahlte in ihrer ganzen majestätischen Pracht, als wollte sie. damit andenten: bald werde ich wieder in Oesterreichs Landen leuchten. Am isr. Friedhof widmete der gemischte Tempelchor dem Verblichenen in miniltiöser Weise einen stimmungsvollen Trauerpsalm und Ehrw. Rabbiner Dr. Grünfeld. eine tiefempfundene Trauerrede, bei dessen Worten: „Es ist das erhabenste Menschenziel — zu kämpfen und zu sterben — für die Ehre seines bedrängten Vaterlandes . . sich ein lautes Weinen durch die Reihen des dichtgefüllten Friedhofes erhob. Sodann rollten zwei Ehrensalven über das offenene Grab des gefallenen Kriegers. Die Tranergesäuge versah in schöner Weise Herr Oberkantor Wilkowitsch. Die israelitische Knltnsgemeinde widmete dem Dahingeschiedenen ein Ehrengrab. Oesterr.-nttg. Kantoren-Uerei«. Unsere geehrten Mitglieder werden ersucht, all .ihre Pflicht dem Verein gegenüber nicht vergessen zn wollen. Anmeldungen und Zuschriften sind an den Präsidenten Oberkantor I. Bauer, II/l, Geldbeträge an den Kassier, Erster Kantor S. Jnrberger, II., Tempelgasse 3, zu senden. Vermißte. Moses Katz, derzeit Offiziersdiener beim 58. Infanterieregimente, sucht seine Frau Genia Katz geborene Kleiner sowie seinen Sohn Hesio Katz und seinen Schwiegervater Gerson Kleiner, sämtliche aus Ttumacz. Gefällige Nachrichten an Herrn Emil Fried in Odrau. Jüdisches Museum, II-, Malzgasse 16 (Straßenbahnlinie 0) Besuchsstunden: Samstag und Sonntag von 12 bis 1 Uhr bei freiem Entree. Vereine und Schulen auch zn anderen Zeiten gegen vorherige Verständigung mit dem Bureau. Während der Sommermonate (Juli und August) bleibt das Museum geschlossen. Anstritle ans dem Judentum. Scharfer Oskar, Tischlergehilfe, geb. 18. April 1888 in Mähren. H., Ybbsstraße 18. Mayer Hans, geb. 2. Juli 1884 in Wien. Payer-Payr Karoline, geb. 14. April 1888 in Wien. XVI., Albrechtskreithgasse 28. .Miller Karl, Dr., geb. 31. Jänner 1882 in Leipzig. XVI., Nenlerchenfelderstraße 35. F e l m a r Benjamin, geb. 20. Oktober 1885 in Ungarn. XVI., Paletzgasse 18. Woranzeige. Die Direktion M. Siegler macht hiemit bekannt, daß Freitag, den 23. Oktober 1914 die Jüdische Bühne im Hotel Stefanie, H., Taborstraße 12. ihre Vorstellungen mit erstklassigen Kunstkräften, unter Mitwirkung des Künstlerpaares S. L e r e s e n samt Frau wie auch ■ der hier bekannten Künstler: Herr und Frau Siegler, Herr R e i s m am. Herr Streng, Herr P o d z a m c z e, Moritz und Pepi W e i n b e r g, Salzia Weinberg, Herr Segalescn, Herr Ch. W o l f s t h äl, H. Weinberg usw. eröffnen wird. Näheres die Tagespläkäte und alle jüdischen Zeitungen. Herren und Damen werden zum'Chor.-'aufgenommen. Meldung von 3 bis 4 nachm., Cafe Weiß, II., Taborstr. 25.

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