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Die Wahrheit · 1914-09-29 · Heft 37 (29.9.1914) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 37 (29.9.1914)
Date
1914-09-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Nr. 37 Die Wahrheit hatte Dr. Grünfeld durch zahllose populäre medizinische Vorträge in den Arbeiterkreisen belehrend zu wirken versucht, im Vereine derÄerzte des Geuoffeuschaftskrankenkassenverbandes hat er sich bald das Vertrauen seiner Kollegen zu erwerben gewußt. Auch die Förderung des Sports lag ihm stets am Herzen, eine große Anzahl humanitärer Vereine zählt ihn zu ihren begeisterten, stets hilssbereiteu Mitgliedern. Ein Idealist durch und durch, überall helfend, hat er sich allerorte» nur Freunde gemacht, die durch den plötzlichen Tod. der den lebenslustigen, immer heiteren, humorvollen Menschen ereilt hat, aufs tiefste erschüttert sind. — Das Leichenbegegäugnis Dr. Richard Leo G r ü nf e l d s fand Donnerstog, den 24. d. M. um halb 11 Uyr vormittags vom Zentralfriedhose (israelitische Abteilung) aus, unter zahlreicher Beteiligung statt. Wien. (Heldentod eines Wiener Advokaten.) Der Wiener Hof-und Gerichtsadvokat Dr. Richard Subak, der Schwiegersohn der Frau Sofie G r ü n f e l d, ist vor dem Feinde auf dem nördlichen Kriegsschauplätze gefallen. An die Familie des verblichenen Anwaltes ist uachsteheuder Brief eines Kameraden gelangt, ein Brief, der in seiner kuappe». soldatischen Kürze die ergreifende Geschichte des gefallenen Advokateit enthält. Der Brief lautet: „Doktor Subak fiel als ein Held in der Schlacht bei ... . Nach einem Armschusie ließ er sich verbinden. Da kam der Befehl: „Vorwärts!" Dr. Subak riß die Schwarmlinie stramm vor und bekam von einem rusiischen Maschinengewehr zwei Brnstschüsie und einen Kopfschuß. Er war aus der Stelle tot und wurde abends auf dem Schlachtfelde begrabe». Wir waren früher bei ... . Kommaudautenuachbarn zweier Stützpunkte, wobei er in den Kamps kam und seine Tapferkeit allgemein bewundert wurde. Alle Offiziere haben in ihm einen wackeren Kameraden verloren." — Dr. Richard Subak harte eine angesehene Advokatenkanzlei im' 11. Bezirke (Simmering) und besaß eine zahlreiche Klientel aus allen Wiener Kreisen. Dr. Subak, der unter seinen Kollegen nur Freunde zählte, genoß wegen seines integren Charakters und seiner unbedingten Verläßlichkeit allgemeine große Wertschätzung. Das strenge Pflichtbewußtsein, das ihn als Mensch und Anwalt bei allen seinen Handlungen leitete, trieb ihn auch als Offizier hinaus auf das Schlachtfeld, wo er seine soldatischen Tugenden mit seinem Leben besiegelte. Eine überaus hoffnungsreiche Karriere hat mit diesem Heldentods einen jähen Abschluß gefunden. Wien. Am letzten Sabbat des abgelaufenen Synagogenjahres gabs in unsrem Leopoldstädter Tempel eine solenne Barmizwafeier des wackeren jnngen studierenden Felix K a m i u k a, Sohnes unseres verdienstvollen Sekretärs der Wiener Jsr. Allianz, des Herrn Rabbiners D r. K a m i n k a. Herr Rabbiner Dr. G r u n w a l d hielt int Tempel eine belehrende warme Ansprache an den Konfirmanden und Herr erster Kantor Jurberger sprach den Mischeberach. Des Knaben Bortrag aus der Thora und den Propheten war eine Prachtleistnng. Der Knltusvorstand und zahlreiche Freunde der Familie wohnten dieser Tempelseier bei. Im Hause hatten sich außer Herrn und Frau Oberabbiner Dr. G ü d e m a n n und kais. Rat Herr Dr. L i e b en viele Honorarioren und Freunde der Familie elugefunden und wurden alle durch einen sormvolleudenten hebräischen Barmizwavortrag des jungen lerneifrigen Barmizwa überrascht. Das Auditorium war entzückt und wurde der Wunsch rege, die erste im neuen Schuljahre gehörte hebräische in ein Friedensgebet so schön ausklingende Konfirmationsrede durch den Druck für die zahlreichen Freunde der Familie veröffentlichen zu laffen. Bei dem daraus folgenden besonders gastfreundlich gebotenen Mahle hörte man auch manch geistvolles Thorawort als herrliche Würze. Der gelehrte Vater nahm das Schlußwort und nahmen alle nach dem feierlichen Tischgebet den Eindruck eines altjüdischen und doch so modernen schönen Familienfestes, das vielfach Nachahmung verdient, mit sich. Berlin. (Der Z i o n i st e n f ü h r e r David W o l f f s o h n g e st o r b e u.) Am 15. September starb der in Homburg v. d. H. der langjährige Präsident der zionistifchen Organisation, Herr David Wolffsohn, im 58. Lebensjahre. David Wolffsohn (geb. im Jahre 1856) war der vertrante Freund Theodor H e rz l's, des Schöpfers der Zionistischen Organisation. Schon au der Organisierung des ersten Ziouistenkongresses im Jahre 1897 nahm er den tätigsten Anteil und zählte seit dann zu den hervorragendsten Vorkämpfern der zionistischen Idee. Mit besonderer Hingabe widmete er sich der Gründung der Jüdischen Kolonialbank, die im Jahre 1899 erfolgte. Nach dem Tode Herzl's wählte ihn der 7. Zionistenkongreß im Jahre 1905 zuni Präsidenten des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation, die bis zum Jahre 1911 unterfeiner Leitung stand. Nach der Verlegung des Sitzes der Zentrale nach Berlin verblieb er Präsident des Anfsichtsrates und widmete sich bis zu seinem letzten Atemzuge mit unverminderter Hingabe den Aufgaben der Zionistischen Bewegung. Kiteralm. Eine jüdische Kriegschronik. Unter dem Titel „Kol Mewaffer" (Herold) ist soeben die erste Nummer einer Sammelschrift herausgekommeu, die in jüdischer und hebräischer Sprache verfaßt ist. Sie wird in den von den deutschen und österreichischen Truppen besetzten Gebieten Rußlands unter der jüdischen Bevölkerung verbreitet und dient zur Aufklärung über den Krieg, seine Ursachen, seinen Verlauf und seine Ziele.! Das Titelblatt zeigt die ergreifende Zeichnung von E. M. Lilien „Russischer Tod", die während .des russisch-japanischen Krieges im Berliner „Ulk" erschienen ist. Zwei düstere Züge begegnen sich. Jüdische Jünglinge und Männer in russischen Uniformen ziehen ostwärts, Greise, Frauen und Kinder ziehen westwärts. Und darunter die Worte, die alles Leid, alle Empörung über unmenschliche Bosheit und Niedertracht einschließen: „Wohin des Weges, Ihr Kinder". „Geu Osten", das heilige Rußland schickt uns". „Und Ihr, Väter'?" „Gen Westen", das heilige Rußland verjagt uns". Der Text enthält unter anderem einen Aufruf der verbündeten Armeen von Deutschland und Oesterreich-Ungarn an die Inden Polens, in den ihnen volle Gleichberechtigung nnd Freiheit im kulturellen Leben verheißen wird. Dann folgt ein Aufsatz über die „Ursachen des Krieges". Das Manifest, das der Zar an seine „Lieben Inden" gerichtet hat, wird kritisch beleuchtet und durch die Aufzählung von Tatsachen ins rechte Licht gesetzt, die den Kenner des rnssifch-jüdischen Elends nnr zu wohl bekannt sind, eine erschütternde Liste von Gewalttaten und Wortbruch, Mord und Verbannung, Hohn und Verachtung, die in der Mahnung des Alten Testamentes ansklingt: Gedenke, was dir Amalek angetan hat. Den Schluß bildet ein volkstümlich gehaltenes Meisterstückchen : „Das Böse Ende", ein versöhnender Ansklang. eine große starke Hoffnung ans die Befreiung dieser Aermsten der Armen durch die Zertrümmerung des russischen Barbarenreiches. Vermißte. Nathan T a n n e n b a n m und Frau aus Ciesanow werden von ihrem Sohne Samson gejucht. Gefällige Nachrichten an Dr. Theodor Sonnenschei n, Advokaten in Troppau. Dem Chaim Zuckerkand e l von Zloczow, der sich Mitteilung über den Aufenthalt seiner Familie erbat, diene zur Kenntnis, daß sich seine Frau und seine Kinder bei Herrn Herrmann E i s n e r in SzatmLr (Ungarn) Iskola-utca No. 1 befinden. Austritte uns dem Judentum. R o s e n z w e i g Helene, Wirtschafterin, geb. 28. Dezember 1867 in Wien. -QI, Schlachthausgasse 48. Strauber Hinde, Hilfsarbeiterin, geb. 18. August 1882 in Odaje Slobodka, Galizien. XL., Universumstraße 50. Schütz Jda geb. Kohn, Baukdirektorsgattin, geb. 28. November 1861 in Wsetm, Mähren. XEH., Anhofstraße 1. Tennenbau in Leopold, geb. 29. März 1886 in Jassy, Rumänien. HL, Arenbergring 20. Eisler Johannes, Gymnasiast, geb. 6. Jnli 1898 in Leipzig, II., Schüttelstraße 19 a. Waitzenkorn Alice, Kontoristin, geb. 20. August 1881 in Wien. XV., Robert Hammerlinggasse 9. Kriener Anna, geb. 3. Oktober. X., Laxenbnrgerstraße 67. B l a t s ch e k Otto. Kutscher, geb. 27. Februar 1884 in Wien. II., Leopoldsgasse 31. Verzeichnis der Verstorvenen vom 13. bis inklusive 23. September 1914. Berta Feuer, Hansiererstochter, 3% Monate, Max Gimser, Bureaudlenersiohn, 1 Tag. Peter Reich, Advokaturskandidat, 42 I. Sally Moor, Kaufmann, 63 I. Adolf Wallentin, Kellner, 52 Jahre. Magdalena Ransnitz, ohne Beruf, 77 I. Leopoldine Schubert, Kellners, gattin, 26 I. Teresia Deutsch geb. Kohn, M. U. Dr. Gattin 59 Jahre. Hugo Kohn, Privatbeamter, 40 I. Abraham Reich, Hansirer, 75 I. Rosa Groß, Schächtersrochter, 12 I. Fany Klnmak, geb. Polacek Private, 90 I. Johanna Epstein, geb. Hirsch, Private, 74 I. Moritz Tittel, Juwelierssohn, 1 Monat, Josefine Weiß, ohne Beruf. 64 Jahre Simon Herzog, ohne Beruf, 58 I. Karoline Pollak geb. Herzfeld Private, 39 I. Josef Fantl, Vertreter von Lederfabriken, 52 I. Cäcilie Grünwald geb. Kote, Vertreterswitwe, 63 I. Max Hoffman», Kaufmann, 56 I. Mathias Delfin, Posamentierer, 59 I. Alois Löwit, ohne Berns, 76 I. Alice Grab, Kanfmaunsgattin, 54 I. Jetti Sachs geb. Rosenberg, Schuhmachersgattin, 39 I. Adolf Zach, Prokurist, 54 I. Minna Singer geb. Hall, Private, 64 I. Jofefine Back geb. Freund, Großhändlersgattin,' 51 I. Sigmund Weiß, Agent, 66 I. Isidor Weber, Optiker, 64 I. Julius Seidner, Kaufmann, 66 I. Bernhard Steiner, Kaufmann, 24 I. Moses Sassowa, Privat, 67 I. Ernst Beer, Kaufmann, 26 I. Rosa Kornfeld, Privat, 65 I. Jakob Schnee, gew. Uhrmacher, 76 I. Josefa Schwarz, Pflegling, 69 I. Robert Säbel, Hanshälterinssohn, 2*/, I. Deborah Löwenkron, ohne Beruf, 65 I. Johann Benda, Kind, 3 Monate. Hans Steiner, Bankbeamtenssohn, 2x/2 Monate. Hillel Engelhardt, gewes. Kaufmann, 82 I. Markus Apfel, Privat, 70 I. Heinrich Körner, Prokurist. 48 I. Alexander Kunsci, Agenr, 65 I. Leopold Schein, Lehrling, 17 I. Gusti Haas, Modistin, 20 I. Hanna Basch, Privatbeamtenstochter, 6 Wochen. Jüdisches Museum, II.. Malzgasse 16 (Straßenbahnlinie 0) Besuchsstunden: Samstag und Sonntag von 12 bis 1 Uhr bei freiem Entree. Vereine und Schulen auch zu anderen Zeiten gegen vorherige Verständigung mit dem Burean. Während der Sommermonate (Juli und August) bleibt das Museum geschlossen.

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