Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 34 (4.9.1914)
- Date
- 1914-09-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34. Tue Wahrheit Seite 7. drängte sich mir die Ueberzengung auf, daß gerade durch die wortgetreue prosaische Uebersetznng z. B. bei Luther der poetische Geist und der eigentliche Schmelz geradezu verloren geht. Um auch den Nichthebräern, dem christlichen Leser, Gelegenheit .zum Vergleiche meiner Uebersetznng mit; dem Urtext zu bieten, wurden hier den drei ersten und den drei letzten Versen auch der Wortlaut der Vulgata au die Seite gestellt. Der dortige Beisatz in dem ersten Verse „adversus G-oliath“ scheint ein willkürlicher zu sein, da er sich weder im Original noch in der griechischen Bibelübersetzung, der sogenannten Sepmaginta oder Alexandrina sinder und sich auch sachlich karnn rechtfertigen läßt, da der Inhalt selbst mit.keinem Worte auf Goliath hinweist, vielmehr die Annahme rechtfertigt, daß dieses Kapitel im Einklang mit Kapitel 18 erst am Lebensabende des Königs David, nachdem ihm Gott von allen seinen Gegnern Ruhe verschafft und er für sein Land allgemeines Glück und Frieden geschaffen hatte, von ihm versaßt wurde. Psalm 144. Ein Psalm Davids. 1. Dank sei Gott, dem Herrn, mein Fels und Stütze, Der meinem Arm des Kampfes Mühe leicht gelehrt. Der meiner Fäuste Kraft zum Kriege reich gemehrt. Zum Kriege unter dem Donner der dröhnenden Geschütze. (Psalmus David; adversus Goliath, Benedict u s Dominus Deus mens, qui docet manus meas ad proelium, et digitos meos a d b e 11 u m.) 2. Gott ist mein Gnadenspender, meine Zuversicht, Mein Hort, mein Retter, dem es nie an Kraft gebricht, Er ist mein Schildp atts den ich immer mich stützen kann, Der das Volk geliefert mir in den Herrscherbaun. (iVIi s e ri c o r d i a mea, et refugium rneum; ^nsceptor mens, et liberator meus: protector meus et in ipse speravit: qui s u bdit popul um me um sub me.) 3. 0 Gott, was ist der Mensch, daß dn sein noch achtest, Der Erdensohn, daß du so väterlich ihn betrachtest? {Domine, quid est liomo, quia innotuisti ei? aut filius hominis, quia reputas eum?) 4. Der Mensch, er gleichet doch dem Staube nur, Dem Schatten, der rasch verflüchtigt ohne Spur. 6. 0 Gott, steig von hohem Himmel zur Erde zu uns hernieder, Berühr mit deinem Hauch die Berge, daß sie rauchen wieder. 6. Schlendere deine Blitze und verscheuch' den bösen Feind, Schieße deine Pfeile ab, damit er werde dem Tode vereint. 7. Schwinge deinen Arm so mächtig in den Himmelshöhen, Errette uns und lasse nimmer uns zugrunde gehen. Rette uns von den Wasserfluten, den so mächtigen, Vor den Händen der Barbaren, den so niederträchtigen. 8. Deren Mund immer gleißnerisch von Lügenreden trieft, Deren Rechte an Trug und Falschheit alles übertrifft. 9. 0 Gott, ein neues Lied will ich dann dir singen, Mein Psalterspiel soll fröhlich dann erklingen. 10. Der du den Königen des Sieges Glanz verleihst Und deinen Diener David von des Schwertes Tod befreist. 11. .Errette uns von des trotzigen Feindes Uebernracht, Beschütze uns vor der Barbaren *) Niedertracht, ' *) Serben und Stoffen.’ Deren Mund immer nur von gleißnerischen Lügenreden trieft, Deren Rechte an Trug und Falschheit alles übertrifft. 12. Unsere Söhne stehen alle da in voller Jngendkraft, Wie Cedernsprößlinge, wohl gepflanzt, in Kraft und Saft; - Unsere Töchter, die wie die Säulen, lieblich, schön, So wohlgeformt in des Tempels heiligen Hallen steh'n. 13. Unsere Speicher sind mit Körnerfrucht reich gefüllt. Die vollends Nahrung biereu, daß der Hunger bald gestillt. Unsere Schäserherden auf den weiten grünen Triften Vermehren sich tausendfach in ihren Hürdestiften. (Promptuaria nostra plena, eructantia ex hoc in illud. Ovas nostra, foetosae, abundantes in egressibus suis.) 14. Und unsere Rinderherden sind alle wohl beleibt. Deren Leibesfrucht gar üppig in die Fülle treibt, Kein Abgang, kein Fehlwnrf in den Gassen. Kein Klageruf vernehmbar in den weiten Straßen. (Boves nostrae crassae, non est ruina maceriae, nequesransitus, neque clamor in plateis eorurn.) 15. Glücklich ist wahrlich immer jenes Volk*) zu preisen. Das auf einen solchen Herrscher**) kann verweisen. Heil dem Volke, das einen -solchen Kaiser sein Eigen neunen kann. Das ist ein Tngendheld im Greisenalter. des einzigen Gottes echter Biedermann. (Beatus est populus, cui sic est; beata natio, cuius Deus est — Dominus!) Dr. E—n. Der Feldrabbiner. Die Institution des Feldpredigers ist eine ursprünglich jüdische. Laut Deut. 20, 2 und 4 soll vor dem Beginne der Schlacht der Priester vor das Volk hintreten und folgende Ansprache halten: „Höre, Israel! Ihr nähert euch heute dem Kriege mit euren Feinden; euer Herz verzage nicht, fürchtet nicht, seid nicht bestürzt und bebet nicht vor ihnen; denn der Ewige, euer Gott, zieht vor euch her, für euch zu kämpfen mit euren Feinden, um euch den Sieg zu verschaffen." Im Anschlüsse an dieses Bibelwort kann der Priester oder Kriegsgesalbte auch eigene, den Mut der Krieger anspornende Worte sprechen, wie: Nicht gegen eure Brüder zieht ihr ins Feld, die Schonung und Milde walten lassen, sondern gegen Barbaren, die im Falle eurer Niederlage kein Erbarmen, kein Pardon in ihrer grenzenlosen Grausamkeit kennen würden". (Tr. Sotha, Abschnitt Maschuoh Milchamah). Aus Josephns „Der jüdische Krieg. I. 19. 2. ü. 9, 2. und dem I. Makkabäerbnche 1, 3. 7, 37, sind uns mehrere solcher anregenden Ansprachen bekannt. Pharaphrasen derselben nach Muster der in römischen Klassikern TacituS, Livius und Sallnst angeführten Reden sind in dem archäologischen Buche Schilte Gibborim von Abraham de Parto- Leone, Cp. 41. 43, enthalten. Als Vorbild für den Feldrabbiner kann auch die vom Oberrabbiner Ey. Landau an die Soldaten gehaltene Ansprache dienen (1789), nachdem Kaiser Josef II. auch die Juden zur Militärpflicht heranzog, der sie sich wohl schon früher freiwillig unterwarfen. Josef Szanto wurde im Kriege 1866 zlim Feldprediger ernannt, doch nach Beendigung desselben, trotz des Ansuchens des Vorstandes, seines Amtes enthoben. Erst auf Grund des Wehrgesetzes v. I. 1869 wurden jüdische Theologen in die *) Oesterreich. **) Kaiser Franz Joses.