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Die Wahrheit · 1914-09-04 · Heft 34 (4.9.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 34 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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XcbisfUoit »iid SUbiunttfiranoii. Wien, U , ViuDavotfafie 27 Xeltälisu: .»ebaktion 6509/1V. Hfcmvut'-vdripn r9S8 11. Unabhängige Aeitfchnft für jüöische iiüciuiun’vei#: <Ä»»z!iit>> ia.IC 14.— H,tlbläb»>a - IC 7.— S. t. öftere. illoftlbarfatla. CiStrf.ftoiuo Nr. 100.91b. Intere^eir. Für NuUiiSbriiiiite: (Miiiiiiiibviii. IC io. - ZnlLrntL: T>W viermal geipaltene Xonpareilie-Zelie 25 Heller. Erscheint jeden Kreitng. F»r -?IiiSl>iud: IldomiemeiuSimb AitsertioiiS' >i»»»,I/i>)li,I.» Wurf fteträO* N»i> tu Wien zahlbar mid klagbar. Uotto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 'Kübel ober lil Sfrc». Ur. 34. Wie». 4. September HM4 I n h alt: Winkende Kulturfortschritte aus dem gegenwärtigen Weltkriege. — Kriegsfürsorge für die Einberufenen in Ungarn. —> Besitzen die Juden Heldenmut? — Der Krieg und die Psalmen. — Der Feldrabbiner. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. Wir ersuchen höflichst und dringendst um Einsendung der restlichen Abonnementsbeträge. inkendr Knttnrerfolge ans dem gegenwärtigen Weltkriege. Die gigantischen Kämpfe, die sich bis jetzt zu Wasser und zu Lande im Osten und Westen Europas und in den weiten Meeren abgespielt haben, lassen noch keinen sicheren Schluß auf deren Schlußerfolg zu, obgleich Geist und Kraft innerhalb der Heere der verbündeten mitteleuropäischen Mächte zit den besten Hoffnungen berechtigen. Noch haben enticheidende Seekümpfe nicht stattgefunden, noch ist Belgien die einzige neutrale Macht geblieben, die gewaltsam in den Kriegswirbel hineingerissen wurde. Die Erfahrungen, welche dieser Weltkrieg und seine Ursachen der Knlturwelt bieten, berechtigen jedoch in jedem Falle zu frohen Volkshoffnnngen. Vor. unseren Augen spielen sich infolge der fabelhaften Höhe der Kriegstechnik und der ungeheuren Massen der Kämpfer Kümpfe ab, deren Front 50, 100, ja 400 Kilometer Längen gewinnen. Eine oberflächliche Kalkulation drängt also zn dem Schlüsse, daß nun nicht mehr dichtgedrängte Heeresmassen dem Feinde entgegengeführt werden. Dies ist infolge der außerordentlich schnell und mörderisch wirkenden modernen Schußwaffen unmöglich geworden, denn ein Schütze kann nnn m derselben Zeit mehr Feinde hinwegraffen, als ehemals 10 und 20 Infanteristen. Die moderne Artillerie und die Maschinengewehre vernichten aber ganze Heeresmassen und die schneidigste Kavallerie in wenigen Minuten. Die Mannschaft wird demgemäß in den modernen Kämpfen in räumlich verhältnismäßig weit abstehende Schwarmlinieu aufgelöst, die sich während des Kampfes möglichst ii n s ichtvn r machen müssen, indem sie fortwährend Deckung suchen. Die Heerführer und Kommandanten können und müssen nnn wohl vor den Kämpfen die Kombattanten im allgemeinen mit dem mutmaßlichen- Stande des Feindes und mit der gewünschten Richtung des Vormarsches bekannt illachen, aber ein fortwährendes Kommandieren während der Schlacht ist sehr , erschwert, oft ganz unmöglich geworden und jeder einzelne Mann Ist während des Kampfes ungleich mehr als früher auf seine eigene Intelligenz und seinen persönlichen Mul angewiesen, um rasch und klug die -geeignete Entschließung in jedem. Momente zn treffeil,.. .. Der G e s a in terfolg eiltet mo dernen Schlacht hängt demgemäß von der Masse u ii b dem Grade der Elnz e liu telligenzen ab. Wird nun die Wahrheit dieses Schlusses von allen Staatsbürgern und von den maßgebenden Staatslenkern eingesehen und anerkannt, dann muß eine ungeahnte Werlschätznng einer guten und gründlichen Volksbildung und ganz besonders einer guten, allgemeinen Volksschule platzgreifen. Es ist wohl unvergessen, welch gewaltige Schulverbesfernngen und -Reformen in Oesterreich-Ungarn und Deutschland nach den Kriegsjahren 1866 und 1870 vorgenommen wurden, weil sich der Wert größerer Intelligenz des Kriegers durch die Kriegsereignisse anfgedräugt hatte. Hieß es damals doch allgemein: „Der preußische Schnlmeister hat über den rückständigen österreichischen gesiegt." Mit den Ausgaben für den allgemeinen Volksschnlunterricht und die Schnlerziehnng wird man nach diesem Kriege nicht mehr so knausern, wie bisher, weil man dieselben als wichtige und unnmgänzlich notwendige V o l k s r ü st u n g erkennen wird. Die Wehrhaftigkeit, der Mut und die Opserwilligkeit eines Volkes hängt aber auch von dem Grade seiner erworbenen Freiheit und des Rechtes, von seiner Mündigkeit und S e l b st b e st i nt m n n g a b. Die zünftigen Diplomaten Europas, die bisher in der Regel nur von Nützlichkeitsgründen, aber genau so wie ehemals, nicht von Prinzipien der Moral uub Kultur bei ihren Entschließliiigen uitb Maßnahmen geleitet wurden, haben auch den Ansbrnch des gegenwärtigen Weltbrandes am Gewissen. Ranb- und Be rg e w a l t i g u n g s g e l ü st e, wie Haß n n d Neid gegen die konkurrierenden G e g n e r sind die wahren Ursachen des gegenwärtigen Weltunglückes und die erzielten Massen-Zwangsvorstellungen haben bereits einen solchen Grad erreicht, daß die genannten, niedrigen und llnsittlicheli Gefühle zn patriotischen Tugenden umgewertet erscheinen. Um dem Kriege dem Frieden gegenüber das Uebeigewicht zu verschaffen, wurde die Liebe und Treue zu den Stammes- und Konfessionsgenossen, die wohl wie die Familientrene berechtigt ist, von diesen Zunftdiplomaten künstlich bis zum Bestialismns gegen andere Nationen'und Konfessionen gesteigert, das allgemeine Menschentum, die Humanltätsidee, wlirde diskreditiert, ja ziiin nationalen Verbrechen gestempelt. Nur durch diese verwerfliche Bolkserziehnng sind alle fürchterlichen Ausschreitnngen der Balkankriege, die greulichen Orkane der Volkswnt gegen Angehörige fremder Nationen in jüngster Zeit infolge des Kriegsausbruches

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