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Die Wahrheit · 1914-08-28 · Heft 33 (28.8.1914) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 33 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 7. Nr. 33. Handlung dürfen sich alle kranken Inden in Rußland bei Üniversitätsprofessoren und berühmten Aerzten außerhalb Warschaus und Odessas mir dann und so lange Rat holen >lls sie das Bett hüten. Nach russischer Regierungsanschauung sind nämlich Inden nur so lange krank, als sie zu Bett liegen. Sowie die Krankheit nicht in den Beinen steckt und sie nicht weguufühig macht, ist ein Jude nach russischer Regierungsmaxime gesund, mag auch Lunge, Herz, Nieren oder ivas sonst immer noch so krank sein. Von der Wohltat einer ambulatorischen Behandlung sind daher nichtprivilegierte Inden außerhalb des Rayons 80 ipso ausgeschlossen. Aber wir sind immer noch nicht zu Ende. Die Fürsorge russischer Behörden erstreckt sich über Gesunde und Kranke hinaus gegebenenfalls auch ans die Toten. Nicht einmal ein toter russischer Jude hat unter allen Umständen Ruhe vor der Fürsorge seiner Regierung. Wird nämlich ein „Flecken" -plötzlich als ein Dorf „erläutert", so müssen, wenn die > Polizei will, sogar die toten Juden dies „Dorf" verlassen, | da auch sie hier nicht mehr „wohnberechtigt" sind. Ihre I Leichen werden dann ansgegraben und ebenfalls ans dem Orte verwiesen. Es ist sehr begreiflich, wenn man fragt: Warum sind bei der Behandlung, welche den Inden in Rußland zuteil wird, nicht längst alle, die es irgend möglich machen können, ansgewatidert? Man denkt dabei natürlich nicht an die Paupers und an alle die, welche unter keinen Umstünden die Mittel zur Auswanderung ansbringen können. Es ist selbstverständlich, daß die Tausende, die für sich und ihre Familie --in der Woche nur 20 bis 50 Kopeken verdienen, nicht answandern können, wenn sie auch wollen. Aber es gibt doch immer noch viele Tausende von russischen Juden, welche diese Mittel besitzen und trotzdem in Rußland bleiben. Wie ist das zn erklären? Die Jndengesetzgebung drückt nämlich mit ihrer ganzen Last Tag für Tag mir ans die ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung. Dem Inden, der noch einige Rnbelchen sein eigen nennt, erleichtert die Polizei runter Umstünden höchst eigenhändig die Last. Je mehr Nüdelchen der Jude besitzt, umso leichter wird die Last, wenn nicht ungewöhnliche Verhältnisse eintreten. Man kann von einem gewöhnlichen Polizisten, Gendarmen oder Reviervorsteher unmöglich verlangen, daß er die ganze Jndeugesetzgebnng samt den 2000 „Erläuterungen" im Kopfe hat. Drückt man also dem Mann die nötigen Rnbelchen in die Hand, so vergißt er die ganze Gesetzgebung und läßt den Juden gewähren, auch wenn er gar nicht „privilegiert" ist. Wenn staatliche und pivilegierte Schulen von der Jndengesetzgebung ans ihre Weise profitieren, indem sie jüdische Eltern für Christenkinder das Schulgeld bezahlen lassen, warum sollte die Polizei nicht auch profitieren? Rur wenn der Polizeibeamte die Rnbelchen verbraucht hat oder sonst in der Klemme sitzt, brütet er plötzlich über den Gesetzen und Erläuterungen, zitiert den Inden und teilt ihm mit, daß Paragraph soundso der Gesetze und die Senatserlänternngen vom soundsovielten ihn leider zwingen . . . 'Aber weiter koüimt er meist nicht, denn schon gleiten wieder Rnbelchen in seine biedere Rechte, und fings sind alle Paragraphen vergessen . . . bis zum nächstenmal. So ist die Jndengesetzgebung.für die russische Polizei eine ganz famose Einnahmsguelle geworden. Ein leiser Druck ans diesen oder jenen Paragraphen, ein leiser Wink mit dieser oder jener „Erläuterung" lind, die Rnbelchen stießen. Fürst Urussow hat während seinerrGonvernenrzeit in Bessarabien mit Unterstützung eines des Landes besonders kundigen Staasanwaltschaftsbeamten schätzungsweise die Summen, die aus diesem Wege jährlich der Polizei zustießen, auf eine Million Rubel berechnet.. Das ist ein Gouvernement. In den andern ist es -nicht anders. Zehn, bis fünfzehn Millionen jährlich preßt die Polizei ans diese Weise gut und gern ans den Inden heraus. Die ganze zivilisierte Welt hätte allen Grund, dem nicht länger stumm zuznsehen und die Achseln zu zucken. Diese Sache geht längst nicht mehr Rußland allein an, sie geht uns alle an, die ganze Menschheit, soweit sie auch nur den geringsten Anspruch,-macht ans Gerechtigkeit und Sittlichkeit, mag sie sich im nb'rigen deutsch, französisch, englisch oder amerikanisch nennen. 'Ans einer russischen Frage ist hier eine Weltfrage geworden. Mag das absolutistische Rußland auch weiterhin danach trachten, diese Frage in der ihm geläufigsten Manier asiatischer Barbaren zu lösen, indem es die Inden einfach würgt, der übrigen Welt werden andere Mittel besser anstehen, um eine Lösung der Frage Herbeizuführen. Misch cbernch für nufere Krieger. Bon Prof. Dr. Kahan, Znaim. X2L.1 NIX bz n» -pasm 2pF'i pnr> amas irmax -pst? '2 ... -ini72 .n—>' iD-prt i2-2ix rrnpaa 12'2'1X bs nanbai ixLivx ama th arroaa s-x na:?- rPV .1-11221.12 a.ib jm 21122 fr .i'2prr xb :21712V xipa a.i2 a-ip-i .12 1211’ iVX pm Pa 12 b? 2N1121 'ib 1111 aiPrsa an-aP 11.12 12'V-i aai- -p:?- 5212 np-p inaa xi-n .fax 12x21 2"ip;ai2i xP;i?a xriv.i aix '22V 1-711x^221 narr Uebersetznng: Gott, der unsere Väter Abraham, Isaak und Jakob gesegnet hat, möge auch alle Krieger segnen, die ans Befehl unseres erhabenen Kaisers gegen den Feind gezogen sind. . . Der Heilige, gelobt, sei Er. möge sie beschützen und ihnen Kraft und Ausdauer verleihen, daß kein Feind vor ihnen standhallen soll. Er möge Furcht und Schrecken senden über jedes Land, das sie betreten, so daß an ihnen sich erfülle, was geschrieben steht: Du wirst nicht fürchten den Schrecken bei Nacht, noch den Pfeil, der nmherstiegt bei Tag. O, mögen sie alle recht bald wohlbehalten in Frieden heimkehren und Gott seine Liebe und Gnade danken. — Amen! Verschiedene Nachrichten. - Wien. Ja der Stadtsynagoge wurde die Kaiserseier ausnahmsweise im Anschluß au den Frühgolt>'sdienst abgehalten. Erster Kantor Matyas rezitierte unter glücklicher Berwertnng der Bolkshymne den Festvsalm 21. woraus Rabbiner Dr. Kainiuka vor der geöffneten Bnndeslade das Kaisergebet verrichtete. Mit dem Absingen der Bolkshymne durch das Chorpersonal wurde die würdige Feier beendet, der zahlreiche Andächtige anwohnteu, unter welchen zn sehen waren Generalstabsarzt Prosessor Dokcor Alois Pick. Berhausvorsteher Theodor K 0 h n, eine Abteilung des Infanterieregimentes Nr. 99, Sekretär Dr. Emil Adler mir Beamten der Knlrnsgemeinde u. v. u. Nach dem Gottesdienste hat der Bethausvorsteher Herr Theodor Kohn die bei der Kaiserfeier anwesenden Angehörigen des Heeres zu einem Frühstück ins Cafs Marienbrücke eingeladen. Wien. cM a r p e L n e f e s ch.) Anläßlich des Gebnrtstagfestes Sr. Majestät fand am 17. August d. I. um 7 Uhr ein Festgottesdienst statt. Ju Berrretnua des Herrn Rabbiner Friedmann hielt Herr Rabbiner Isaak R 0 s u e r die Festrede. Wien. (Jüdischer S ch u l v e r e i u für den IX. B e z. Seegasse 16.) Die Einschreibungen für das Schuljahr 1914/15 finden von 8—13. September. 10—12 Uhr vormittags statt. Jm Interesse des regelmäßigen Unterrichtes werden die p. t. Eltern gebeten, die Einschreibungen p e r s ö n l i ch rechtzeitig vornehmen zn wollen. Wien. (B l b e l s ch n l e i m Prater.) Um den jüdischen Eltern des Praters die Möglichkeit zu bieten, ihre Kinder beaufsichtigen zu lassen und sie der Gefahr der Straße zu entziehen, hat sich die Leitung der Bibelschnle des Tempelvereines, T'hillarh Jeichnrnn, II., Ansstellnngsstr. 53 entschlossen, mit dem Unterrichte früher als sonst zn beginnen. Die Einschreibung für Knaben und Mädchen der Volks-, Bürger- und Mittelschulen findet Sonntag, den 30. August von 9—12 Uhr statt. Di- Einschreibgebühr beträgt für jedes Kind 1 Krone, Monatsbeitrag 50 H. Die Eltern werden ersucht ihre Kinder zur Ernschreibung zn begleiten. Baden. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Joses I. fand Samstag, den 15. August d. I.. U,10 Uhr vormittags, im Tempel der israelitischen Knltnsgemeinde in Baden un Beisein des Gesamtvorftandes und einer zahlreichen Bersammlnng ein F-stgoctesdienst statt. Die Festpredigt voll zündenden Inhaltes und patriotischer Begeisterung hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner W. Reich, nach deren Beendigung die Andächtigen, welche das Gotteshaus buchstäblich füllten, die Volkshymne mir voller Emphase anstimmien. Mödling. (S y n a g 0 g e n w eih e.) An die Stelle des alten Betüauses, das sowohl in gesundheitsschädlichen, als auch primitiver Hinsicht schon längst nicht mehr den Ansorderungen der aufstrebenden Gemeinde entsprochen hatte, wurde nunmehr von der israelitischen Kultusgemeinde Mödling durch Anregung und opferwillige Hingabe ihres sehr verdienstvollen Knltusvorsteher», Herrn Ignaz B ö l a i, eine neue Synagoge gesetzt, die nach den Entwürfen des bekannten Wiener Architekten. Herrn Ignaz R e i s n e r, ansgeführt, einen imposanten Anblick gewährt und in ihrem romanisch-altdeutschen Styl und inneren Ausstattung als eine neue Zierde der Stadt bezeichnet werden darf.

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