Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 31 (14.8.1914)
- Date
- 1914-08-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mtbaliion und »ldministratiou: Wien, II/, Nvvaragafle 27 Telephon: Redaktion 5509/1V. Hbraimftrauou 4938/U. K. I. öftere. Nostsvarkaffavcheck-konlo Nr. 100.918. Inserate: Die viermal gespaltene , Nonpareille-Zeile 25 Heller. AbonnemeiilS- und Jnsertionsbeträge find in Wien zahlbar und klagbar. Unabhängige Hertschnft für Mische Interessen. Erscheint jeden Ikreilng. Motto; „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ BeznüNprer»: Gunzfiihrig.K 14.— Halbfiihrig.K 7.— Für NnltnSbenmte: <p»»zi>ihr>a...... K 10. — Für Ausland: ÄNiuztiihrig.8 Mark 8 Rubel oder Iß ffrcS. Kr. 31. Wien, 14. August I1M4. Inhalt: Aus der Woche. — Der Weltkrieg auf der Erdkugel. — Gottlieb Bettelheim. — Eine herzerhebeude Exhorte. — Die babylonischen Akademien zur Zeit der Amoräer R. Huna, R. Jehuda und R. Nachmau. — Verschiedene Nachrichten. . Aviso! --------- ■ Nachdem wir in diesem Quartale keine Postaufträge versenden, ersuchen wir die geehrten Abonnenten um freundliche Einsendung der restlichen Abonne- * wentsbeträge. Ans der Woche. . Wie auß zahlreichen uns zukommenden Berichten ersichtlich ist, werden seit dem Ausbruch des Krieges in allen Synagogen besondere Gebete für das Wohl des Kaisers, für das Heil des Vaterlandes, für den Sieg unserer Waffen verrichtet. In den Ansprachen und Gebeten, die die Rabbiner vor der offenen Bnndeslade halten, kommt, wie dies selbstverständlich, immer wieder der Gedanke zum Ausdruck, daß es gerechter Kampf ist, der unserer Monarchie und unserem Verbündeten, dem deutschen Reich, aufgezwungen wurde, ein Verteidigungskampf, den wir für unsere heiligsten Güter führen. Das ist ein Krieg, bei dem wir mit gutem Gewissen Gott den Allmächtigen um seinen Segen und Beistand anflehen dürfen. Der Friedenskaiser, der mit ergreifenden Worten es in seinem Manifeste an die Völker ausgesprochen, daß es sein sehnlichster Wunsch gewesen, den Frieden zu erhalten, hat im Sinne der Völker der Monarchie und auch Deutschlands die Wahrheit verkündet. Wie widerlich, wie empörend wirkt dagegen der verlogene, heuchlerische Versuch, der jetzt noch von Seite Rußlands unternommen wird, der Welt glauben zu machen, es habe ehrlich den Frieden zu erhalten gewünscht. -r- -r- * So furchtbar auch der Krieg ist, der von den Bürgern dieser Monarchie ohne Unterschied des Standes, der Abstammung und der Konfession schwere Opfer von Blut und Gut fordert, so erfreulich wirkt doch die Tatsache, daß der Krieg auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Völkern dieser Monarchie wieder gekräftigt hat, daß die Schranken, die trennend zwischen Nationen und Konfessionen sich erhoben, fallen, und sich alle in der Hingebung und Liebe für Kaiser und Vaterland begegnen. Der Bürgermeister von Prag hat in einer bedeutungsvollen Rede diesem Gedanken Ausdruck gegeben und mit Genugtuung konstatiert, daß die Angehörigen aller Konfessionen jetzt in Eintracht nur darin wetteifern, dem Vaterland mit allen Kräften zu dienen, für dessen Schutz das Möglichste zü leisten. In Prag konnte man sich an dem schon lauge nicht erlebten Schauspiele erfreuen, daß auch Czechen und Deutsche friedlich, ja in herzlicher Gemeinschaft sich znsammenfanden und in begeisterten Ausrufen bekundeten, daß sie nicht nur das Vaterland sondern auch sich selbst gegenseitig leben lassen wollten. Mit Recht konnte der Bürgermeister von Prag, angesichts dieses nationalen Verbrüderungsfestes in seiner Rede mir den Worten schließen: „Die Begeisterung der' gesamten Bevölkerung, die die früheren nationalen und Parteikämpfe vergißt, ist eigentlich das Bedeutnngvollste, geradezu ein historisches Symptom und ein offenkundiger Beweis dafür, daß in unserem Herzen die tiefste Liebe zu unserem gemeinsamen Vaterlande und Hingebung für unserem greisen, von allen Nationen innig geliebten Kaiser und König wurzelt. * * * * Diese Rede des Bürgermeisters von Prag läßt nichts zu wünschen übrig. Sie weckte nur den Wunsch, daß auch der Bürgermeister von Wien die Gelegenheit suchen möge, in einer begeisterten und begeisternden Rede mit gleicher Herzlichkeit, gleicher Rückhaltslosigkeit, gleicher Offenheit den Gefühlen der Zusammengehörigkeit Aller Ausdruck zu geben. * * * Die Tapferkeit, die die jüdischen Soldaten unserer Monarchie auf allen Schlachtfedern bekundeten, ans denen sie für die Ehre ihres Vaterlandes mitkämpfen durften, ist allgemein anerkannt. Das glänzendste Zeugnis hiefür bot ihnen unser hochherziger Kaiser, der wiederholt in feierlicher Weise es erklärte, daß er keine Unterschiede der Konfession kenne. Bevor noch die Juden in Oesterreich durch das Gesetz berechtigt und verpflichtet waren Soldaten zu werden, hatten immer Einzelne als Freiwillige sich in Kriegszeiten zu Dienste gemeldet. Erst Kaiser Josef, dieser erleuchtete Monarch, hatte die Juden, wie die anderen Staatsbürger verpflichtet, persönlich Militärdienste zu leisten. Es wird in diesem Momente wo Tausende und Tausende Juden in den Krieg zogen, wohl unsere Leser interessieren, die erste Ansprache kennen zu lernen, die der berühmte Oberrabbiner Ezechiel Landau im Jahre 1789 an jüdische Soldaten richtete. Sie lautete: „Meine Brüder, die Ihr immer meine Brüder wäret, noch jetzt es seid und sein werdet, so lange Ihr fromm und