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Die Wahrheit · 1914-08-07 · Heft 30 (7.8.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 30 (7.8.1914)
Date
1914-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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| - »«bottlou imb Administration: I Wie». .11.,- Nvvaragasir 27! StltBftou: Siebaktion 6509/1V. Auabhängige Heitschrift für jüdische v4>lllljtiU}vi|l.K •*.— friilbliibvirt .... K 7 — Sbminiftration 4938/11. i 8. k. üfterr. Vostlvarkasio-; ©«tcf.ftomo Sir. 100.918. Interessen. Ailr Ji'nltiivbriiiittr: «Ucii'tiiibviu ... . . U III -! Inlerate: _ | viermal gesvaltene Nonvarrille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Ilreitng. Jiir Aiivliuid: i Kbonntmeiue* imb Insertion». iM.iiijUlbvi,!.8 ’JIliirf i »»trüge sind in Wien zahlbar ' ’.mb klagbar. Motto: „Das Siegel Glottes ist Wahrheit!“ ti »iiiDti ober 1« Urc» Mr 30. Wie«. 7. August 1014. I »halt: Aus der Woche. — Aufruf.— Au der Schwelle des Weltkrieges. — Besuch bei Nahyda Rutb Lazarus. — Die Bahnbrecher einer neuen Wissenschaft. — Israel und Juda. — Oesterr.-ung. Kantorenverein. — Bürgerverein „Donanklub". — Hilfsaktion des Speisevereiues „Einheit". — Verschiedene Nachrichten. Ans der Mache. Die verbündeten Monarchen von Oesterreich und Deutschland haben mit gutem Gewissen Gott den Allmächtigen znm Zeugen dafür anrnfen können, daß es Rußland, das perfide Rußland allein ist, das die Anfrechterhaltung des völkerbeglückenden Friedens unmöglich macht und den Weltkrieg entfesselte. An dem Tage, an welchem die Juden in ihren Synagogen Trauerllagen um die Zerstörung Jerusalems nnstimmten, hat der grauenhafte, mänuermordende Krieg seinen Anfang genommen, der eine ganze Knltnrwelt zu zerstören droht. Ja, Rußland allein ist es, das mit barbarischer Brutalität und satanischer Tücke die Fenerfackel in die nach den Höhen der Kultur und Zivilisation strebenden Staaten schleudert und auch die Widerstrebenden zwingt, mit Strömen von Blut und Tränen die Erde zu tränken. Rußland ist, wir Inden wissen und empfinden es schon längst, was heute von allen anerkannt wird, denen Wahrheit, Recht und Menschlichkeit keine leeren Worte sind — der Pestherd, von dem all die Greuel und Schändlichkeilen ansgingen, die die Ruhe der Welt störten. Serbien, das sieht man nun klar, war nur das gefügige Werkzeug in der Hand eines Mächtigen, der, wenn er die Sühne verbrecherischer Mordtaten verhindern wollte, eigentlich selbst bekennt, daß diese verbrecherischen Mordtaten in seinem Interesse gelegen waren. . . . * * * Es ist eilte traurige, herzzerreißende Genugtnnng für uns Juden, daß Rußland, diese Hochschule des grausamen Judenhasses, der schamlosen, nichtswürdigen Hetze auf unschuldige Menschen, jetzt von niemandem Geringeren als dem deutschen Kaiser ans den Pranger gestellt wurde, daß Kaiser Wilhelm es ist, der dem zarischen Rußland die blutigsten, diffamierendsten Anklagen ins Antlitz schleuderte. Die Juden in Oesterreich ziehen begeistert, in patriotischer Liebe und Hingebung für, den Kaiser und das Vaterland in den Kamps für die Ehre der Monarchie, sie sind bereit, als Bürger dieses Staates, den letzten Blutstropfen für dessen Sicherheit und Machtstellung zu vergießen, aber sie fühlen doch zugleich auch alle das bohrende Gefühl: dieses Rußland, unter dessen Haß Oesterreich schon so viel leidet, dieses Rußland»,; beffeu tückischer Neid so lange schon sein Gift gegen Deutschland verspritzt, die s e s R u ß l am d i st a u ch das v ^r.f I;it ch't e L a n d der ■ b l n t i,g e n m e n s chheit s--. scjj.cin.h enden Inden verfolgnn g en .. dui Lan d, i n w e l ch enfö erPogr ojiu Reg ierungsprogra in m i st. * * * Heute, wo unsere Herzen nur von patriotischen Gefühlen bewegt sind, liegt es uns ferne, an dem Brande, der an allen Ecken der Welt zündelt, unsere Suppe zu wärmen. Aber darf der Gedanke unterdrückt werden, daß die Knlturstaaten, sowohl jene, die heute Rußland gewaffnet gegenüber stehen, als auch jene, die widerstrebend ihm Gefolgschaft leisten, mit Schuld daran sind, daß der Zarismus in frevel-, haftem Dünkel, in frecher Ueberhebung mit seiner Shuitr der ganzen gesitteten Welt ins Antlitz zu schlagen wagt? Dieses Rußland, in welchem alle Völker und Stämme geknechtet sind, jede freie Regung des Geistes erdrosselt wird, in welchem die edelsten Vertreter der Bildung und Humanität nie einen Moment ihres Lebens sicher sind, der Staat, in welchem unter lächelndem Gewähren der Behörden, zarte Mädchen und Frauen, die ihre Ideale nicht verleugueten, gepeitscht wurden — dieses in Lüge, Betrug und Niedertracht wurzelnde zarische Rußland hätte längst die Phalanx der europäischen Kulturstaaten gegen sich gerichtet fühlen müssen . .. * * * Von dem zarischen Rußland hat einst ein genauer Kenner des Landes und seiner Herrscher gesagt: in diesem Staate herrscht die Despotie gemildert durch Meuchelmord. Ein furchtbares Wort. Bestätigt und bekräftigt durch mehr als einen Fall, den alle Bemühungen höfischer Historiographen nicht vertuschen können. Aber diese russische Despotie wird in neuester Zeit noch verschärft durch —Meuchelmorde, die, mögen sie von wem immer und auf wessen Geheiß immer begangen worden sein, doch nur auf das Konto Rußlands gesetzt werden können, da sie seinen Zwecken dienten. In dem Manifeste unseres Kaisers heißt es: Eine Reihe von M o r d a n s ch l ä g e n, eine planmäßig vorbereitete und durchgesührte Verschwörung, deren furchtbares Gelingen Mich und Meine treuen Völker ins Herz getroffen hat, bildet die weithin sichtbare blutige Spur jener geheimen Machenschaften, die von Serbien aus ins Werk gesetzt und geleitet wurden. Ja, die weithin sichtbare blutige Spur führt nach Serbien, aber ebenso weithin sichtbar ist, daß Rußland sich znm Protektor und Beschützer Jener machte, die es nicht dulden wollten, daß die Mordbubeu gestraft, daß die Anstifter der Mordtaten entlarvt werden. Wenn jemals das Wort galt: der Hehler ist ärger als der Stehler'— diesmal war es unbestreitbar wahr. ag<a;wct>t—atr-'x

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