Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 29 (31.7.1914)
- Date
- 1914-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063725-3063754--09160-3076388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i—■—— - --- | Mtbatttoii imt> Sfibmmlftratiou : | Wien, II., Avvaragasse 27 I XelcDboit: Nedaktion 5509/1V. Unabhängige Aeitfchrift für jnöische Gniizläh» ig.K 14.— HalbjUbiia. K 7 — Hbmtniftratiou i9S8.il. X. I. Ofterr. Bosljvarkaila. Echeck-Konio Nr. 100.918. Interessen. Für Itnltiiöbfiuiite: lUuiiftjiipriii. K lo — Inserate: Die viermal gejvaitenc NonpareMe-Zciic 25 Heller. Erscheint jeden Kreitag. Für Aiisllliid: I Abonnement»- Hilft Jnlerrion». <«»>!,O'iQUH.8 HJIutf j betrüge sind m Wien japlbar | Hilft klagbar. Rollo: „Oos Siegel Gottes ist Wahrheit!“ t> Dliiöfl öfter MS «Ire». Ur. 29. Wie», 31. Juli 1914 Inhalt: Aus der Woche. — Der österreichisch-ungarische Kieg mit Serbien. — Die Tage der Wehmut. — Ben Kisma und die zehn Märtyrer.— Katholizismus und Antisemitismus. Wir ersuchen höflichst und dringendst um Einsendung der restlichen Abonnementsbeträge. Ans der Mache. Ernste Zeiten sind für unsere Monarchie angebrochen, die die höchsten Ansprüche an die patriotische Hingebung und Opferwilligkeit aller stellen,, die Bürger dieses Staates sind, deren Herz in Treue für Kaiser und Vaterland schlägt. Die Juden —• und das werden vielleicht ihre ärgsten Feinde nicht zu bestreiten wagen — stehen, was patriotische Begeisterung, Treue und Opfermut betrifft, hinter keinem Volksstamme in diesem Staate zurück, wenn es gilt, durch Gut und Blut die Liebe zum Vaterlande zu bekunden. So wie bisher die Söhne unseres Volkes, wenn der Kaiser rief, auf den Schlachtfeldern heldenmütig kämpften und mit ihrem Blute die Treue besiegelten, so werden sie auch jetzt, beseelt und gestärkt von dem Bewnßlsein, für die Ehre des Vaterlandes ihr Leben einznsetzen, der Stimme der Pflicht Folge leisten. 4- * * Der Soldat kennt keine Politik, darf keine Politik kennen. Aber, wenn etwas geeignet ist, die Gefühle patriotischer Begeisterung und Opferwilligkeit, - die traditionell in der österreichischen Armee sind, wo möglich noch zu erhöhen, so ist es der Umstand, daß es noch n i e m a l s e i n e gerecht e r e Sache gab, für die ein Monarch, dessen ganzes Sinnen und Streben stets d e r F r i e d e war, endlich sich gezwungen sah, d a s S ch w e r t zu ziehen. * * Das Gremium der Hoteliers und Pensionsbesitzer in Wien hat an das Ministerium für öffentliche Arbeiten, ferner an die Statthalterei und die Polizeidirektion eine Eingabe gerichtet, die nicht nur für die Art und Weise, wie man bei uns den Fremdenverkehr fördert, charakteristisch ist. In der Eingabe wird nämlich n. a. betont, daß das reisende Publikum die durch den vorgelegten Meldezettel betriebene Erforschung aller, auch intimer Personal- und Familiendaten, i n s b e s o n d e r e a b e r des Glaubensbekenntnisses, als eine schikanöse Belüstigitng und Drangsalierung empfindet. Der Fremde, der nach Wien kommt, begreift nicht, welches Interesse hier die Polizei daran haben kann, Dinge zu erfahren, die schließlich niemanden kümmern. Die Fremden, die, wie man aus der erwähnten Eingabe erfährt, durch gewisse Rubriken des Meldezettels zu nicht sehr schmeichelhaften Kritiken über österreichische Verhältnisse veranlaßt werden, würden diese „schikanöse Erforschung" doch noch milder beurteilen, wenn sie wüßten, daß es in Oesterreich eine ganze Reihe von Ortschaften gibt, wo man sich nicht damit begnügt, das Religionsbekenntnis der „Fremden" zu erforschen, sondern es von diesem abhängig macht, ob sie auch bleiben dürfen. * Frau Isolde, die nunmehr durch den Ausspruch des Gerichtes als die Tochter Bül o w s gilt, obwohl sie Richard Wagner als sein Lieblingskind zu bezeichnen pflegte, ist, wie dieser Tage zu lesen war, mit dem Schreiben ihrer Memoiren beschäftigt. Ans dem Prozesse, welcher von der Familie Richard Wagner schnöden Geldes wegen durchgeführt wurde, hat die Welt einen so intimen Einblick in das Leben dieser aus ihr Ariertum so stolzen Familie gewonnen, daß die redseligsten Memoiren kaum viel mehr Enthüllungen bieten dürften. Richard Wagner gehört zit den Vätern des modernen Antisemitismus, der mit so viel Verachtung ans die semitische Rasse herabsieht, der angeblich der Sinn für das Ideale fehlt und der nur der Mammon gilt. Run hat man gesehen, wie der Jdealismns der Frau Cosima Wagner und ihrer Kinder anssieht, wenn Geldfragen im Spiele sind. Diese Kinder, die von den ehebrecherischen Beziehungen ihrer Mutter coram publico sich unterhalten! Diese Mutter, die es duldet und nichts tut, um den Skandal zu vermeiden! Und all das, weil es sich zwischen den streitenden Geschwistern um eine Geldfrage handelt! Wahrhaftig, wenn Richard Wagner aus dem Grabe erstehen würde, er könnte in seiner eigenen Familie Studien darüber anstellen, ob die Liebe zum Gelde wirklich nur eine spezifische Eigenschaft der Inden ist. # * General v. Klei st, der vor einigen Tagen in der „Kreiszeitung" einen geharnischten von antisemitischer Gehässigkeit überströmeuden Artikel veröffentlichte, in welchem er die Juden als Offiziere ablehnte, bezeichnet als einen der Gründe, die ihn hiebei leiten, d e n M a t e r i.a l i smns der Inden. Wir möchten den Herrn General fragen, ob er z. B. auch das Schauspiel, welches die Familie Wagner, deren Arierium doch geradezu als das Non plus ulfcra gilt, der Welt bot. als den Ausfluß des höchsten Jdealismns preisen will? Der Versuch, das Judentum als Vertreter und Träger des Materialismus zu bezeichnen, zeugt übrigens von einer solchen bodenlosen Unkenntnis des Judentums, daß mau