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Die Wahrheit · 1914-06-26 · Heft 24 (26.6.1914) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 24 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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.Nr. 24. Die Wahrheit Seite 7. Noch etwas erwarten wir von diesem Kongreß, und nach meiner Ansicht wäre das der Hauptzweck des Kongresses, und das ist der „Friede". Heuer soll in Wien gleichzeitig mit dem Kantoren-Kougreß auch der Friedenskongreß stattffnden. Möge diese Friedensstimmung anläßlich des Friedenskongresses auch bei unserem Kongreß Platz greisen und wenn durch Abhaltung des Kantoren-Kongresses nur dieses eine Liel erreicht werden wird „der Friede unter uns", daun ist dem Vorstand des Oesterr.-ung. Kantoren-Vereiues zu .gratulieren. Das Gemcittde-Uorfteljerault in früheren Zeilen. Er erwies mir viel Ehre, wollte mich jedoch von meiner Reise nach Jerusalem, wegen der dortigen „Angeber" znrückhalten.Alle -Gelehrten und Rabbiner, die zu jener Zeit in Jerusalem wohnten, verließen die Stadt in großer Eile, um ihr Leben .gegen die Bedrückung der „Alten" zu wahren. Alle Inden, die in Jerusalem waren, ungefähr 300 Familien verschwanden nach und nach wegen der ungeheuren Steuer und Lasten, die ihnen die „Alten" aufbürdeten; so sind nur die Armen und die Frauen dageblieben. Diese „Gottlosen" gingen soweit, daß sie alte Gesetzrollen (Sifre Thora), die Ueberznge derselben, die Vorhänge, die Granat-Aepsel und überhaupt alle heiligen Bilder und Goldgerüte, die in Jerusalem waren, an -Christen verkauften; ja selbst alle Bücher, als den ..Talmud" und dessen Kommentare, die er von den „Aschkenasim“ für Jerusalem vermacht wurden, verkauften sie, so daß sie nichts von Wert in den „Stiftungen" znrückließeu. „In Alt-Kairo ist eine sehr schöne Synagoge auf großen nnd schönen Säulen gebaut; sie wird ebenfalls dem Propheten „Elijahn" zngeschrieben, denn man sagt, daß derselbe an der süd-östlichen Ecke den Frommen erschienen. Auch da wird ein immerwährendes Licht (Ner Tomid) unterhalten. In der nord-östlichen Ecke ist ein. erhöhter Platz, wo die Gesetz-Rolle von E8ra gelegen hat. — Man erzählt, daß vor vielen Jahren ein Jude vom Abeudlande gekommen sei nnd sie von dem. damaligen Tempeldieuer gekauft habe. Er wollte diese Gesetzrolle mit sich nach Hause führen, das Schiff war aber noch nicht sehr entfernt von Alexandrien, als es unterging. Er samt der Gesetzrolle, waren verloren; der Tempeldiener hingegen, der sie ihm für 100 Goldstücke verkauft hatte, verließ aus Furcht vor der Entdeckung seinen Glauben und starb noch in demselben Jahre. Vor dem Gehäuse dieser Rolle, das auch jetzt noch in der Synagoge sich befindet, wird ein „immerwährendes Licht" unterhalten. Nach der Jahreszahl, die in der Mauer der Synagoge sich befindet, ist sie 38 Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels erbaut worden." „Ich war nicht so glücklich, nach Dimnh, einem Orte außerhalb Kairo, wo unser Lehrer Moses gebetet haben soll, zn kommen. Wir kamen ohne Anstoß nach Gaza — ist die Aussage der dortigen Inden richtig, so habe ich in Gaza Gebäudetrümmer gesehen, welche Simon auf die Philister gestürzt hat." Am Montag kamen wir nach Chebron; es ist eine kleine Stadl am Abhange des Berges; die Türken nennen es Chalil. Bei der Höhle „Machpelah" verteilt man Hülsenfrüchte an Arme, ohne Unterschied des Glaubens. Dies geschieht zu Ehren Abrahams, der als Muster der Gastfreundschaft gefeiert wird. Auf der Spitze eines gegenüberliegenden Berges befindet sich eine große Höhle, welche man für das Grab Jischai's, des Vaters des Königs David, ansgibt. Auf dem Wege zwischen dem Grabe Jischai's nnd der Höhle Machpelah ist ein Brunnen, den die Araber den Brunnen Jsaks nennen. Nahe an Chebron, zwischen Felsenblöcken, ist ein Bad von frischem Wasser, welches als das Bad unserer Mutter Sarah bezeichnet wird. Von Chebron, nach Jerusalem kamen wir zur Grabstätte Rachels. Am 13. Nisan 5248 am Mittag — standen unsere Füße in den Thoren Jerusalems. Es sind jetzt viele, alte, verlassene Witwen aus Deutschland und Spanien und vielen anderen Ländern in der heiligen Stadt. Das Land ist jetzt ruhiger und glücklicher, denn die „Alten" sind in sich gegangen, da sie eingesehen, daß die „Vermögenden" infolge ihrer Ranblnst ansgewandert sind und nur der ärmere Teil geblieben ist. Sie sind daher sehr höflich gegen jeden Neuankommenden und entschuldigen sich sehr über das „Geschehene". — Sie versichern, niemandem etwas zu Leid tun zu wollen. .Was mich betrifft, so kann ich bis henle nicht über sie klagen; im Gegenteil, sie haben mir viel Gutes getan nnd sind rechtlich mit mir umgegaugen, wofür ich Gott jeden Tag preise." „Die Inden haben gar keine Bedrückungen von den Arabern in diesen Ländern anszusteheu. — Meiner Ansicht gemäß fömite ein Mann, der die Staatsverwaltung verstünde sich leicht znm Oberhanpte der Inden sowohl als der Araber hier machen." „Ich bin „Totengräber" in Jernsalem geworden, da mau keinen hier findet, der die Toten trägt und ihnen die letzte Begleitung zu teil werden läßt. Eine Frau starb und da mußte man Frauen rufen, um sie zu Grabe zu bringen; es war durchaus kein Mann mit uns. Wenn nicht die Frauen nnd einige znrückgekommeue „NenChristen" der Bahre gefolgt wären, so würde die Tote nicht bestattet worden sein, denn die Bewohner selbst bekümmern sich gar nicht darum. —" „Noch ein größeres Uebel! Wenn ein Fremder krank wird, so scheuen sich dessen Freunde itnd Nachbarn, zn ihm zu kommen, aus Furcht, die „Vorsteher" könnten ihnen zumuten, daß sie manches von der Habe des Fremden mit sich genommen hätten. Die „Vorsteher" können nämlich kaum den Tod eines Fremden erwarten, um demselben zn beerben; denn sie nennen sich „Verwalter der Stiftungen." Es fallen nämlich täglich mehr oder weniger Erbschaften von alten Leuten, die in Jernsalem sterben, den Stiftungen zn; die „Vorsteher" nehmen alles lind sagen, daß sie damit die Schulden, die für die Bauten der Synagogen vor Jahren gemacht wurden, bezahlen; aber die Schulden werden nicht getilgt, denn heute zeigen sie noch eine Schuld von 1000 Goldstücken auf. —" In der Synagoge findet mau nur sehr wenige Gesetzrollen von unzähligen, die da vorhanden waren; man hat deren Zahl früher auf 300 geschätzt. Goldnnd Silberdiademe sind nicht mehr vorhanden, denn dies alles haben die „Vorsteher" verkauft und mit dem Erlös nach Willkür gewirtschaftet. Im Hofe der Synagoge, ganz nahe an derselben, steht eine Moschee. Dieses Gebäude hat einst einem Juden gehört, der, nachdem er manche Streitigkeiten mit den Juden hatke, „Muselmann" geworden ist. Als nun die Mutter sah, daß ihr Sohn durch die Kränkungen, die ihm die Inden angetan hatten, dem Islam sich angeschlossen, hat sie ihr Hans, welches im Hofe der Synagoge stand, zu einer „Moschee" geschenkt, um sich an den Inden zn rächen. Diese Geschichte hat viel Uebel angerichtet; die Synagoge wurde zerstört. — Es gab in der jüdischen Straße hier viel Höfe, die den Stiftungen gehörten, welche aber die „Vorsteher" verkauften, so daß kein einziges mehr übrig geblieben ist. Jedoch die Stiftung der Aschkenasim konnten sie nicht verkaufen, da diese nur speziell für sie bestimmt waren nnd kein anderer Arme daran Teil hatte." „Auf dem Oelberge ist das Grab des Propheten Chagai, welches aus mehr als 10 Höhlen, eine in die andere laufend, besteht; die Hohle der 70 Alten (schiwim sekenim). die ungefähr 2000 „Arme" von Jerusalem oder etwas mehr entfernt liegt, ist prächtig." „Dem Statthalter Jerusalems muß man für die Erlaubnis, die er erteilt, Weine zn machen, da dieses Getränk dem Araber ein Greuel ist, jährlich 50 Dukaten zahlen. Dies ist die ganze Steuer, die die Inden jährlich hier entrichten müssen. Die „Vorsteher" aber gehen m ihrem Frevel so weit jede Woche neue Zulagen und Steuern aufznweisen, legen jedem beliebig Stenern auf. Wer Widerstand leistet, wird

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