Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 24 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mtbaftiou und yibimuiftratiou: Wien. II,, Diowaragafie 27; Xelebbou: Redaktion 5609/1V. Ebminiilratiou 4938 11. St. I. öfterr. Vofilvarkafia. Scheek-Komo Dir. 100.918. JuFcrate: Xlt viermal geiDalieuc »toupareille-Zelle 25 Heller. Abonnements- und Juiernons. betrüge find in Wie» zaölaar und kiugöar. «abhängige Hertfchrift für silbische Interessen. Erscheint jeden Areitag. Ratio: »Dos Siegel Gottes ist Wahrheit!“ G»uzl>Un>ü . . Halbliidri,, . . . . . K 14.— . . . K 7.- Zur Jlllltll «bniuitr: . . K 1» - Zur Au 5Uuib: ri IKiiftrl ob? ... 8 HJIurf > I» Nrc». Ur. 24. Wie«. 26. Juni Inhalt: Die deutsch-freiheitliche Partei in Wien. — Die Autonomie der jüdischen Konfession in Ungarn. — Reminiszenzen an Eisenstadt. —Kulturbilder aus dem Dorado des Antisemitismus. — Von dem Kantoreu-Kongreß. — Das Gemeinde-Vorsteheramt in früheren Zeilen. — Verschiedene Nachrichten. —. Literatur. Abonnements-Einladung. Iie geehrten Kerren Aöonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Juli 1914 beginnende IN. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes Keine Zlnterbrechnng erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Katbjährig Kr. 7.—, Wierteljährig Kr. 3.50. K. k. Poftsparkaffen-Konto 100.918. - Probenummern gratis zur Verfügung. Dir deutschfreiheitliche Partei in Wien. Am 17. Juni l. I. hielt diese Partei strenges Gericht über die neueste Regiernngsweise des Grafen Stürgkh, über die „Regierungsparteien" im Abgeordnetenhause, welche nicht nur die verderbliche auswärtige Politik Österreichs unterstützen, sondern auch die Verfassnngsbrüche des Grafen Stürgkh beschönigten und entschuldigten, über die feile Presse, welche systematisch das Volksparlament verleumdete und in den Augen der leider noch politisch unkundigen Bevölkerung heruntersetzte und zuletzt auch über das leichtfertige, rückgratlose Bürgertum Wiens, das sich trotz des traurigen wirtschaftlichen und kulturellen Niederganges noch kein klares politisches Urteil gebildet hat. Nach einer kurzen Eröffnung der sehr gut besuchten Versammlung, welche im Saale „zur Glocke", VII., Neubaugasse 5, stattfand und gelegentlich welcher der Vorsitzende nach kurzer Begrüßung „alle Anwesenden anfforderte, im Dienste der Freiheit in Österreich fleißig zu werben und zu agitieren, sowie die hier gehörten Aufklärungen von Mann zu Mann weiter zu tragen, sprach Reichsratsübgeordueter Ganser als erster Redner über den katastrophalen Niedergang der österreichischen Industrie und des Handels infolge der unglücklichen Anslandspvlitik Österreichs und infolge der Macht der Agrarier Österreich-Ungarns, welche alle Lebensmittel künstlich verteuern. — Herr Ganser führte auch empflndliche Hiebe gegen die „demschnationale Vereinigung im österreichischen Abgeordnetenhanse", welche sich in letzter Zeit als willfährige Bewilligerin aller, wenn auch noch so hoher Opfer für den Militarismus und als Schützerin des Grafen Stürgkh entpuppt, wenn er auch für das Deutschtum in Österreich bisher noch weniger als nichts geleistet har. Hierauf sprach Reichsratsabgeordneter Zenker über den Staatsstreichminister Grafen Stürgkh, der die deutsch-tschechische Ausgleichsaktion künstlich und absichtlich verhinderte, nm den Absolutismus in Böhmen und im Reiche fortführen zu können. Herr Zenker wies darauf hin, wie sehr sich Graf Stürgkh aus einem angeblichen Verfassungstreuen zu einem Zerstörer der österreichischen Verfassung umgebildet hat, damit er das viele Geld zu seinen Staatsaktionen in die Hand bekäme, welches ihm das aktive Abgeordnetenhaus wahrscheinlich nicht bewilligen würde. — Er wies aber auch ans die vielen österreichischen Volksvertreter und die größten Vertreter der Presse hin, welche bei diesen Staatsverbrechen die Mauer machen. Auch gegenüber der sogenannten Gutmütigkeit und Gemütlichkeit der bürgerlichen Kreise Wiens, die sich alle Schädigungen an Gut und Volksehre ruhig gefallen lassen und sogar dann noch nicht in Erregung geraten, wenn mau ihnen gesetzwidrig mit einem kühnen Griffe das von den Vorfahren unter strömendem Blut erkämpfte Recht des Volks- Parlamentes eskamotierte. wetterte Herr Zenker mit wuchtigen Worten und forderte alle Anwesenden auf, diese Empörung der bürgerlichen Schichten nach Kräften 'ansznlösen. Reichratsabgeordneter Freiherr von Hock wies ans den hohen Grad der Gesetzesobstrnktion und Gesetzesanarchie hin, in dem sich Österreich gegenwärtig leider besiudet. Haben doch die höchsten Richter des Reiches, die berufen wären, die Majestät des Gesetzes zu wahren, den Staatsstreichlern Recht gegeben. Der Nationalitätenstreit in Österreich fei derart wild und gehässig geworden, daß man mit Lust auf die unveräußerlichen Volksrechte verzichte, um dem nationalen Gegner dadurch zu schaden. — Helfen könne dagegen nur die politische Aufklärung über die Ursachen der Verelendung und Verarmung. Auf die Dauer könne auch die Gewalt gegen das unzufriedene Volk nicht regieren. Schließlich beschäftigte sich auch Reichsratsabgeordneter Dr. Ofner mir den leichtfertigen Brüchen der Staatsgrundgefetze durch die Regierung Stürgkh, deren Ausreden hiefür u n w a h r und nichtig sind. Nachdem Herr Dr. Ofner an alle Anwesenden noch einen warmen Appell gerichtet hatte, gegen die herrschenden Parteien Mann für Mann zu agitieren und