Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 23 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nebaklion mit» ü'ibinmifttatiou: Wien. II,, Aovaragasse 27 XrWBbou: illebafliou 6609/1V. Hnakhängige Herkfchnft für silbische (iliiiijliibiitl.Iv 14.— 5itl6iübria.K 7 — flbmiiiifiratiou 499811. . . k öftcrr. Nostlvarkaffa» 8chect»§ionlo Nr. 100.918. Interessen. Für ihiltiiSbraiute: . K 10 — Inlvraie: Dir oiermat gciDaltcue *to«TPureiIic»Rcile Sö Heller. Erscheint jeden Areitag. Für Aii-hnid: TibDiuumeiusmit» Injektion»- ittmijiiiQviti.s »JJt.Mrr brtragc mit» in Wien zavlvnr und kluaoar. Motto: nDtu) Siegel Gottes ist Wahrheit!“ ti IltiiOtl ober >» fttc*. Ur. 23. Wie». IS. Juni 19*4. Inhalt: Chnstlichsoziale Schul- und Lehrcrfremidlichkeit. — Das religiöse Lied als Mittel zur Förderung der religiösen Erziehung der Jugend. — Sitzung des Großen zionistischen Aktions-Komitees vom 7. und 8. Juni 1914. — Die hebräische Ilmversirärs-Blbliothek in Jerusalem. — Das Gemeindevorsteheramt in früheren Zeiten. — Verschiedene Nachrichten. Christlichjozmle Schul- und Setzrerfreundlichlreit. Die niedei österreichischen Landtagswahleu und vielleicht bald auch die Reichsratswahlen stehen vor der Tür. Trotz der Wahlkünste des Herrn Pawelka fühlen sich die Christlichsozialen nicht so sicher als sie vorgeben und deshalb gibt es im niederösterreichischen Landtage wieder eine Lehrergehaltsregnliernug, wie dies merkwürdigerweise im Jahre 1910 einige Monate vor der Reichsratswahl und auch im Jahre 1912 vor drohenden Gemeinderatswahlen der Fall war. Daß diese Auffassung richtig sei, dafür zeugt die Tatsache, daß nur die wahlberechtigten Lehrpersonen dabei nennenswert bedacht wurden, während die ganz jungen männlichen Lehrpersonen, die noch kein Wahlrecht besitzen, noch ferner am stachen Lande Niederösterreichs den Hnngerlohu von jährlich 1080 Kronen für ihren schweren Schuldienst erhalten sollen, während die weiblichen Lehrpersonen nicht allein in allen Kategorien mit vielen hundert Kronen Himer den Dienstbezügen der Männer bleiben, sondern am stachen Lande auch weiterhin das Zölibat tragen sollen, an das sie bereits seit dem Jahre 1905 gekettet erscheinen. Trotzdem die Lehrerbezüge auch jetzt noch weit hinter den Bezügen der Wiener städtischen Beamten und der niederösterreichischen Landesbeamten Zurückbleiben werden, wenn ihre Vorbildung auch die der jungen Lehrpersonen nicht überragt, geben sich die Christlichsozialen doch als Lehrergönner ans. Untersuchen wir die Echtheit dieser Schul- und Lehrerfreundlichkeit. Die Wertschätzung dieses Standes keunzeichneteit sie hinlänglich durch die Tatsache, daß sie den gelben Arbeitervertreter Herrn Leopold Knnschak znm Unterrichtsminister von Niederösterreich gewählt haben, einen Mann, der nicht etwa durch Erfahrungen im Schulwesen, sondern nur durch seinen Klerikalismus hervorragt. Den Lehrstand hat diese Partei allezeit als Vorspann für gewünschte Steuererhöhnngen benützt, so 1904 für die Erhöhung der Biersteuer, 1910 der Branntwein- und Erbsteuer und noch im l. I. für die Erhöhung der staatlichen Branntwein- und Personaleinkonimensteuer, aber den vollen Ertrag genannter Steuern gönnen sie dann nie dem Lehrstande. Die Übersnllnng . bei* Volksschnlklassen,. besonders am stachen Lande, hat unter der langen Herrschaft der Christlichsozialen nicht nachgelassen und sie sind auch keineswegs bestrebt, der „Wohltat" der massenhaften Schulbesuchserleichteruugen iugeudwie Einhalt zu gebieten. Das Niveau der Lehrervorbildnug ist gegen frühere Zeiten gefunken, dem Elende der massenhaften Klassenrepetitionen suchte mau aber durch unaufrichtige und zweckwidrige Maßnahmen, wie die Wiener Ausführung der Mannheimer Schulreform, zu steuern. — Die Rechtlosigkeit der Lehrpersonen haben erst die Christlichsozialen durch die Festlegung „des freien Ermessens der Schulbehörden" im niederösterreichischen Landesgesetze und durch „das Verhalten der Lehrpersonen außerhalb der Schule" in die Qualifikationsbeurteilung aus die Spitze getrieben. Trotzdem Wien und Niederösterreich bereits seit 1. Jänner l. I. die erhöhten Überweisungen bezieht, sollen die Lehrpersonen ihre erhöhten Bezüge doch erst vom 1. Jänner 1915 an genießen. Der Betrag von über 7 Millionen Kronen soll einfach breitgeschlagen werden. Die tlberweisungen sollen aber auch fernerhin, trotzdem sie für die Lehrer bestimmt waren, nicht in vollem Maße für dieselben verwendet werden, wie dies selbst Mähren getan hat. Trotz alledem verkündete der „Lehrerfreund" Stadtrat Tomo^a am 26. Mai l. I. im Gemeinderate der Stadt Wien, daß diese Lehrergehaltsvorlage nun den Schlußstein bilde und die Christlichsozialen durchaus nicht willens sind, in absehbarer Zeit eine Änderung des nun zu schaffenden Gesetzes vorzunehmen. „Die Kümpfe um die Aufbesserung der Gehalte unter der Lehrerschaft müssen endlich aufhören" meint der satte Herr Tomola. — War sich der „Junigesallene" dessen bewußt, daß es ganz ähnliche Worte im Munde des seinerzeitigen Sprechers der regierenden spätliberalen (sa^ scheinliberalen) Partei, des jüngst verstorbenen Herrn Professors Eduard Sueß, waren, welche die bis dahin freisinnige, aber notleidende Lehrerschaft zum großen Teile ins christlichsoziale Lager trieben. Auch Herr W a i n hält sich trotz vieler seinerzeitiger Versprechungen Christlichsozialer und Dentschnationaler, man werde die erhöhten Überweisungen zur Besserstellung der Lehrpersonen verwenden, jetzt au den Schein, indem er darauf hinwies, daß im Reichsgesetze keme gesetzliche Bestimmung die volle Anspruchnahme der Überweisungen für die Lehrerschaft festlege. „Es muß konstatiert werden", meinte Herr Rain, „daß keine gesetzliche Bestimmung diesbezüglich besteht". „Dank unseren Wahlkompromißlern, der deutschnationalen Vereinigung im österreichischen Abgeordnetenhause", hätte Herr Rain daznfügen sollen, „die mit Hilfe der deutschnationalen Lehrerschaft unserer Vereinigung seinerzeit halfen, eine