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Die Wahrheit · 1914-06-12 · Heft 22 (12.6.1914) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 22 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit .. .■, „ ...'Nr. 22. i»ie Hospitäler und Krankenzüge füllten, -während die ehrenvoll verwundeten Soldaten keinen Platz finden konnten und elend nmkameu. So wurde die Katastrophe durch die elende Feigheit der höheren Offiziere selbst heraufbeschworen; Der eigene russische Soldat, dieser arme, betrogene und verratene Soldat, der mit unglaublicher Geduld alles ertragen hat, revoltierte. Es wurde geplündert, geraubt, gemordet. Ueberall Leichen von Offizieren. Und die Offiziere selbst? Dafür ein Beispiel: - „Ein dicker, aus einer Kalesche steigender General schrie wütend einen Leutnant an. Dieser gab ihm Worte zurück. Es entspann sich ein Streit. Ein Häufchen Offiziere stand herum. Ich ritt hinzu. Der Leutnant war bleich und äußerst erregt und rief keuchend: „Ich will Sie nicht anhören I Ich diene nicht Euer Exzellenz, sondern Rußland und dem Zaren!" Alle Offiziere ringsum gerieten in Wallung und schlossen sich enger um den General. „Und lassen Sie uns bitte wissen, Exzellenz, wo Sie zur Zeit der Schlacht waren?" schrie mit stammenden Angen ein magerer, sonnverbrannter Hanptmann. „Ich war fünf Monate lang in den Schlachtstellnngen und habe nie auch nur einen General gesehen! . . Wo waren Sie beim Rückzug? Alle roten Hosen hgben sich versteckt wie die Wanzen in den Ritzen und wir haben uns allein durchgeschlagen! Jeder hat sich geschlagen, so gut er konnte, aber Sie liefen davon! . . . Und jetzt, hier hinten, kommen alle ans ihren Ritzen her ansgekrochen und alle wollen wieder kommandieren!" „Hasensüße, Rothosen!" riefen die Offiziere. Der erblaßte General bestieg schleunigst seine Kalesche und jagte sort. „Ihr Lumpenpack! . . . Habt Rußland verkauft!" . . . scholl es ihm nach." Zu diesem feigen Verhalten der höheren Offiziere paßt ganz ausgezeichnet der rüde Ton, der in dem Jnstruktionsleitfaden für die gemeinen Soldaten gegenüber dem Feinde der Armee, insbesondere der Volksvertretung gegenüber angeschlagen wird: Einer von der „Rigaischen Rundschau" kürzlich veröffentlichten Blütenlese entnehmen wir folgendes Frage- und Antwortspiel: „Was wirst du tun, wenn jemand unehrerbietig von der Fahne äußert, sie sei ein bloßer Lappen?" „Für eine unehrerbietige Aeußerung über die Fahne werde ich ihm auf der Stelle die Zähne einschlagen und darauf mich bemühen, ihn zu verhaften nnd zum Vorgesetzten zu bringen." Aber auch auf dem Gebiete der allgemeinen Staatspolitik werden die Rekruten in leicht faßlicher nnd ansprechender Weise unterrichtet. So heißt es u. a. von der Volksvertretung: „Warum wurde die erste Reichsduma auseinandergejagt?" „Weil ihre Mitglieder Dnmmköpfe, Schufte und Aufrührer waren; sie stellten den Wiborger Aufruf zusammen. Im Bestände dieser Duma waren viele Juden." .Ja selbst in die Anfangsgründe der schwierigen Agrarfragen werden die Vaterlandsverteidiger in volkstümlicher Weise eiugeweiht: „Gibt es viel Land in Rußland?" „Es gibt sehr viel Land; bedeutend mehr als nötig. Aber es gibt wenig kluge Leute, die es zu bearbeiten verstehen." „Was wirst du mit dem machen, der sagt, daß unsere Bauern wenig Land haben?" „Ich werde ihm in die Fresse schlagen." (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wir«. In der jüngst stattgehabten Generalversammlung des? Tempelvereiues „Am Volkert" (Kaiser-Jnbiläums-Tempel) wurde der verdienstvolle Obmann, Herr Adolf Schramek, wiedergewählt. Zum ersten Obmann-Stellvertreter Herr kais. Rat Adolf W e n g e r. Der neugewählte Obmann-Stellvertreter hat sich durch außerordentlich wertvolle Widmungen und größere Spenden, für den Tempelverein.allgemeine. Verehrung und vollste.Sympathie ^worben. Kais. Rat Wenger tat ein warmfühlendes Herz und" zeigt viel Interesse für alle jüdischen, ugelegenheiteu. ' ' ' ' Wien.' Am 25. Mai, 8 Uhr abends, fand im Saale'des Tempelvereines, VI., Schmalzhosgasfe, die dritte ordentliche Generalversammlung des Zentralvereines der Jüdisch-territorialistischen Organisation „Jto" zu Wien statt. Obmann-Stellvertreter Direktor Dr! S. Kr e.n b e r g e r, der in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Obmannes Dr. Jakob Engel den Vorsitz führte, begrüßte die Erschienenen, besonders den Delegierten der israelitischen Knltnsgemeinde, Herrn Vorsteher Max Z i r n e r und berichtete über die Tätigkeit der Wiener Organisation im vorangegangenen Jahre. .Er verwies unter anderem auf den vor kurzem erschienenen Angola- Bericht in deutscher Sprache, der auch bereits im Buchhandel (R. Löwit) erhältlich ist und dessen Uebersetznng durch die-Wiener Organisation für sämtliche westeuropäischen Organisationen der „Jto" besorgt wurde. Dr. Krenberger teilte des ferneren mit. daß die nächste internationale „Jlo"-Kouferenz wahrscheinlich in Holland oder Belgien im September 1914 stattfindet, an welcher die Wiener Organisation sich durch Entsendung, von Delegierten beteiligen wirtw Herr Hermann König erstattete hierauf den Kassen- und Rechenschaftsbericht, der mit Dank für die Tätigkeit des Referenten als Kassier und seine hingebende Unterstützung der Bestrebungen der „Jto" zur Kenntnis genommen wurde. Herr Obmann-Stellvertreter Dr. Karl Löwy gedachte in innigen Worten des großen Verlustes,' den die Wiener Organisation und die „Jto" durch das so plötzliche und tragische Ableben ihres Gründers und Vorstandsmitgliedes, des Mitgliedes des Internationalen Rates Herrn Max Schmidt s. A. erlitten hat. Die Generalversammlung wurde von allen Organisationen schriftlich nnd telegraphisch begrüßt, so n. a. vom Präsidenten der „Jto", Mr. Israel Zangwill, von der russischen Organisation iw Kiew, von Ungarn, wo an dem gleichen Tage, eine große Landeskonferenz undkonstituierende Versammlung stattfand. Bei der hieraus stattgehabten Wahl und Nenkonstitniernng des Vorstandes wurden gewählt Herr Dr. Jakob Engel znm Obmann, die Herren Direktor Dr. S. Kren b erg er und Dr. Carl Löwy znm Obmann-Stellvertreter, Herr Hermann König znm Kassier, Herr Samuel Mohr zum Kaisier-Stellvertreter, Herr Alexander Schmidt zum Schriftführer, Herr Leopold P i ck zum Schriftführer-Stellvertreter. Zu Vorstandsmitgliedern wurden gewählt die Herren Dr. Josef Bloch, Adolf Huppert, Jakob Krauß, Wolf Pappenheim, Emil Storch, Bernhard T o ch; zu Revisoren die Herren Generaldirektor Charles L a n d e i s, Emannel B e e r und k. k. Kommerzialrat Leopold Baß. Herr Dr. Carl Löwy dankte den Anwesenden für ihr Erscheinen und sprach namens der Versammlung dem Obmann-Stellvertreter Herrn Direktor Dr. K r e n b e r g e r für seine im Interesse der großen nnd heiligen Ziele der „Jto" entfaltete Tätigkeit den herzlichsten Dank aus. Wien. (E m i g r a n t e n f ü r s o r g e d e r J s r a e l i t i s ch e n Allianz zu Wien.) Während des Monates Mai 1914 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 144 Emigranten, davon 117 russische und 27 rumänische, weiterbefördert,- u. zw.: 72 nach den Bereinigten Staaten, 7 nach Argentinien, 33 nach Kanada,11 nach England, 12 nach Frankreich und 9 nach anderen Ländern. Jn'ihre Heimat znrückbefördert wurden 19 russische und 15 rumänische Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Mai für 51 Personen zusammen 120 Tage Logis und Verpflegung bezahlt und an 75 Personen zusammen 228 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Es fuhren zu ihren Männern 15 Frauen mit 17 Kindern, zu Eltern (resp. Kindern) 18 Erwachsene mit 3 Kindern, zu Geschwistern 36 Erwachsene mit ,9 K'ndern. zu sonstigen Verwandten 36 Erwachsene mit .3 Kindern ohne -nähere Verwandte 7 Erwachsene. Dem Berufe nach waren unter den Weiterbeförderten: 28 Schneider resp. Schneiderinnen. 8 Händler, 7 Tischler, 5 Handelsangestellte, je 2 Bügler, Kürschner, Landarbeiter. Schlösser,-Schuster, je 1 Schriftsetzer, Bäcker, Drechsler. Dekorateur, Elektrotechniker, Fleischer, Goldarbeiter, Kragenmacher. Lederarbeiter, Maurer, Maschinist,- Kunstmaler, Perückenmacher, Spengler und Taschner. 39 (meist Frauen) konnten einen bestimmten Beruf nicht angeben. ' Austritte ans dem Judentum. G r e g e r Amalie, Private, geb. 1886 in Teplitz-Schönan. V., Reinprechtsdorferstraße 28. , - Kanner Max, geb. 1873 in Wien, X., Wielandplatz 7. Tauzer Therese, geb. 1876 in Wien. XVI.).Klausgasse 32! Back Regina, Weißnäherin^ geh;! 1886 in Wien. XVI!, Brullnengasse 53.; f ' '"! / ' Pol.aczek Rudolf, Beamter, geh! 1872..chl? Wien. XX.,. Klosterneuburg erstraße 66. v ., , . , , . . D r e ije r,Beile (Paula) Private, geh.. 1882 in Pipnik.? V., Reinprechts- .j-- :?dorferstraße:66. ,< : .'st ■ ■ L ö w y. Reja, '^Privates l,'Wb. .1888flinBelgrad, II., Ferdinandsstraße 11. - ••-'v R e v e n y i Gisela;'' Schneiderin, sgeb'.?1893! MWieiu VII./-- Le.rchenselderstraße'21. ' 1"''-'^' 1'-'» -----

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