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Die Wahrheit · 1914-06-15 · Heft 21 (15.6.1914) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 21 (15.6.1914)
Date
1914-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 21. hv- „• * . . .7 ■ - . Hxitte Tafel ist den Stiftern gewidmet. Auflieferer Tafel sind bis nun folgende, Stifter verzeichnet,: „Marie .Kän.n, Philipp K o h ii, Leopold Otto, Mitglieder der Humanitätsvereine W i e n und Eintracht, „Nu a i B'rith". die Delegierten des' Vorstandes her Ehewra Kadifcha Wien." Die ärztliche Leitung? des Institutes Hat in-uneigennützigster Weise der -bekannte Badener?Knrärzt, Herr Dr. M. Goldberger übernommen. ' . Wir«. Am 22. Mai starb hier Herr-Michael Neu in an,n im 74. Lebensjahre. Der Verblichene lebte feit feiner Jugend hier in Men, wo fein ans Preßbnrg stammender Vater" als angesehener Kauflviänn sich niedcrgelasien und ein Hans gegründet hatte, daß jüdisch Gelehrten stets offen war. Der nun Berstorbeiie blieb als gläubenstrener Jude den väterlichen Traditionen treu.. Er war armen Talmudgelehrten stets hilfsbereit und freute sich, jüdisch religiösen ^Zwecken dienen zn können. Durch Jahre hindurch war er Vorstandsmitglied,der 'Schiffschnl und bis sein Lebensende Obmann der Religionsschul- -ktinunlisioii. Sein biederer offener Charakter, seine Gradheir- und ^Schlichtheit verichafften ihm die allgemeinste Verehrung. Dieselbe' zeigte sich bei seinem Leichenbegängnisse. In Ansehung feiner Tätigkeit für *3")X mld da er eines der ältesten Mitglieder der , Schiffschnl 'war, wurde die Leiche in den Synagogenhof gebracht, wo Herr Rabbiner Fürst ihm einen tiefempfundenen TiLVN/widmete. Trotz der ungewöhnlichen Stunde der Leichenfeier, es war 11 Uhr nachts, hatten sich weit über 500 Tranergäste eingefunden. um der Leiche das Geleite zu geben. Sie wurde nach Preßbnrg überführt. Am offenen Grabe sprach der Neffe des Heimgegangenen. der Oberrabbiner Schreiber aus Preßbnrg, Rabbinats-Assessor B a um g arten ans -Wien, der Cohn des Verstorbenen, Herr Franz Neu man m Herr Wolf Pappen hei m für die Schiffschul und Rabbinats-Assessor Friedman n aus Baden. Alle hatten die Einpfindnng, daß man einen guten Menschen, einen guten Juden verloren hatte. F. M. Wreu. Im großen Saale der Urania sprach vorige Woche Herr Dr. I. L. Krug über das Völkerbabel von New-Iork und entrollte auf Grund eigener Wahrnehinungen ein sehr interessantes Bild von dem Leben dieser Stadt, das an Rücksichtslosigkeit und Hast nicht seinesgleichen hat. Seine Beobachtungen galten insbesondere den Quartieren des Elends und in seinem fesselnden Vortrage schilderte er mit großer Anschaulichkeit das Jtalienerviertel, die Schrecken der .Chinesenstadt, das Ghetto usw. Das interessanteste Viertel der Stadt ist, wie Dr. Krug aussührte, das Ghetto, in dem 1,250.000 Juden beisammenwohnen. Auf einem Quadratkilometer leben 320.000 Menschen, und trotzdem sind die sanitären Verhältnisse hier bester als im ganzen übrigen New-Iork. Russische Juden, die ihre Kinder in Kischiuew verloren haben, suchen hier Brot und wollen die Leiden in der Heimat vergeffen. Eine Gymnasiastin, die entflohen ist, näht für 35 Kronen wöchentlich Knöpfe an Kniehosen. Erhält eine Frau einmal kein Geld von ihrem Manne, so kann sie im sreien Amerika ein Dutzend Scheren oder auch nur ein paar Semmeln verkaufen und vom Erlös ihre Kinder sättigen, ohne daß es jemandem einsiele, sie wegen unbefugten Hausierens anzuhalten. In einer Straße liegt die Talmudschule, 'aus der der eintönige Gesang heraustöur, wie in einem galizischrn Dorf, und der Talmudlehrer, der in seiner freien Zeit Versicherungsagent ist, lehrt die Jungen hebräische Buchstaben lesen und schreiben. Für persönliche Wohltätigkeit hat der Anierikaner gar kein Gefühl und wer vor Hunger auf der Straße zusammenfällt, wird wie ein Hund weggeschleist, ohne daß sich jemand weiter um ihn kümmert. Die Wohltätigkeitseiurichtungen der Stiftungen und Vereine dagegen sind wirklich bewunderungswürdig. Jeder Zeitungsjunge gehört einem Klub an. in dem ihm Leseräume, Tnrusäle uud Theatervorstellungen zur Verfügung stehen und in dem ihm die Liebe zu seinem Vaterland, auerzogen - wird. Unter lebhaftem Beifall schloß Dr. K r n g seine interessanten Ausführung en. Oberhollabrunn. (K u l t u s w a h l.) Bei der am 15. bezw. 28. Mai a. c. durchgeführten Neuwahl der israelitischen Kultnsgemeinde Oberhollabrunn wurde Herr Wilhelm B r e i e r, Holzhändler in Oberhollabrunn zum Knltusvorsteher und EisenhändlerTheodorKö n ig aus Retz zn deffen Stellvertreter wiedergewählt. Als Ausschuß-Mitglieder die Herren Wilhelm Hauser, Emil S kutezky, Siegmund S ch i d l 0 s, Ignaz Kurz, Hermann W e ch s I e r, Tierarzt, Ranzen- Hofer Karl und Markus Kurz. Paris. Nunmehr liegen auch die Ergebnisse der französischen Stichwahlen vor. Dieselben brachten noch drei jüdische Deputierte und zwar Edouard I g u a e e, für den 12. Arondissement in Paris, Bokanovsky, einen naturalisierten russischen Juden für Saint Denis uud Lazare W e i l l e r für die Charante. Ein Herr Jaques Stern, der in den Niederalpen gewählt wurde und von einem Teil der Tagespreffe als Jude bezeichnet wurde, hielt es für nötig, seine Wähler darüber zu beruhigen, daß er nicht Jude, sondern Katholik sei. Die neue französische Kammer hat nunmehr sieben jüdische Deputierte, uud zwar neben den obenerwähnten die Herren L. L. Klotz, Picard, Hesse und M a s s e, die bereits im ersten Wahlgange gewählt wurden. Die drei jüdischen Deputierten und zwar die Brüder Joseph und Theodore R e i u a ch sowie I a v a l, welche in den früheren Kammern eine angesehene Stellung Und eine große politische Rolle harten, wurden bei den letzten Wahlen bezeichnender Weise nicht wiedergewählt. Washington. Der großen Staatsbibliothek in Washington schenkte JakobH. Schiff 1912 eine Sammlung von 10.000 Büchern, welche jüdische Geschichte.und Literatur behandelten. Unlängst hat er der Bibliothek wieder 4000 Bände Hebräicä und Jüda>ca geschenkt. Darunter befinden sich viele wertvolle Erstdrucke und ungefähr 100 Manuskripte ans früheren Jahrhunderten. Oesterr.-nng. Hantören-Uerei«. Aus der Sitzung vom 28. Mai 1914. Anwesender Bau er, D n n n m a n n, I n r h e r 9 e r, Sere r e b 11 i k, G 10 b, Friedlä n d e r, G i b li ch m an n, Weißm amu EntschuldigtB a s [er, Schleife r, M 0 rge n st e r n. Präsident Bauer bringt verschiedene Einläufe zur Kenntnis des Vorstandes. Der Rechenschaftsbericht pro 1913 wurde den Mitgliedern und Gönnern des Vereines zngesendet. Der Kassier berichtet über Kassa-Eingang und klagt wieder über die Lässigkeit einer Anzahl von Mitgliedern. Der bereits beschlossene Kongreß wird für die Herbstzeit festgesetzt, die diesbezüglichen Referate werden vorbereitet. Die Aendernng. mehrerer Paragraphen der Staunen wird in den nächsten Sitzungen vorgenommen werden, worauf die Sitzung vom- Vorsitzenden geschlossen wurde. Die geehrten Mitglieder werden ersucht, die restlichen Vereinsbeiträge an den Kassier, Herrn S. Jnrberger, 2. Bezirk, Tempelgasse 3, Zuschriften und Anmeldungen an den Präsidenten, Oberkantor I. Bauer, 2. Bezirk, Nvvaragaffe 27, zn senden. Anskrille ans dem Andenlnm. Pol lack Siegfried, Schriftsteller, geb. 12. September 1891 in Wien. IX. Liechtensteinstraße 90. Neu mann Netti, Privat, geb. 11. Oktober 1680 in Wien. IX., Maxiinilianplatz 12. Hutter Alexander, Buchhalter, geb. 2. Juli 1869 in Wien. VII. Schotteiifeldgaffe 6. , Schimetfchek Artur, Hauptpolier, geb. 9. Juni 1879 in Jnzersdorf. XIX. Sieveringerstraße 35. „ Morawitz Alice. Privat, geh. 14. November 1889 in Wien. I., Schwarzenbergplatz 17. Celuaq Adolf. Bauunternehmer, geb. 15. Mai 1876 in Ungarn. XVII. Dornbacherstraße 21. B r e y e r Gustav, Schriftsteller, geb. 17. November 1881 in Ungarn« XVII., Dornbacherstraße 21. Singer Ludwig, Kaufmann, geb. 6. Jänner 1884 in Linz. VI., Marmhilferstraße 47. Patzovsky Edith, Privat, geb. 24. Oktober 169« in Wien. XIII., Nene-Weltgasse 23. Platsche! Friedrich, Handelsüngeftellter, geb. 8. Jänner 1895 in Wien. VII., Nenstiftgaffe 5. F r ä u k l Jeanette. Hilfsarbeiterin, geb. 4. November in Tarnopol. XHI., Tieferdorsergasse 4. Pick Josefine, Bankbeamtin, geb. 29. Oktober 1889 in Böhmen. Q., Hermiuengasse 14. Schulhof Alfred, Dr. Hof- und Gerichtsadvokat, geb. 31. Oktober 1862 in Wien. I., Am Hof 5. Rosen feld Ernst. Student, geb. 28. Dezember 1694 in Wien. III., Untere Viaduktgasse 43. Bäcker Antoinette, Studentin, geb. 8. November 1892 in Wien. III., Untere Viadnktgasse 6. Lederer Franz. Landwirtschaftlicher Beamter, geb. 11. Juli 1885 in Prag. XIX., Cottagegasse 49. S p e r b e r Hermine. Kassierin, geb. 20. Dezember 1885 in Wien. XIX., Weinberggasse 41. B i a l Richard Ernst, Privatier, geb. 23. März 1873 in Breslan. VII., Apollogasse 32. , Kende Robert, Reisender, II. Nickelgasse 1, ist zum Judentum zurückgekehrt. . Wir ersuchen höflichst und dringendst itm Einsendung der restlichen Ltbonnemetttsbeträge.

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