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Die Wahrheit · 1914-06-15 · Heft 21 (15.6.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 21 (15.6.1914)
Date
1914-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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, birbaktioii und »idmiuiftraiioii: ' Wien. 11/, Nvvaiagässe 27 Xelcttbou: Redaktion 6609/JV. Hrrakhänßiqe Zeitschrift für jüöische <£>iiii«iiibii|i . . u 14.- H,>ldi»v>i,> . . I» 7.— Rbmiiiiftratiou -198811. Jt. I. Öftere. Uioftfl>artai1a> Sq»eek»Koiilo Rr. 100.918. Interessen. Für Jl'itltii?l‘rtiinte: . K Ul InTevate: ' __ , Liviermal geivalleiic »tonpäreille-Zeiie 25 Heller. Erscheint jeden Ar ei tag. Fin \Mii~Utii0: NboimemenlS- und ZnjerliouL. iMiimiitdriii.« 'JJinrf betrüge nnd in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Wottes ist Wahrheit!“ (? HlllDfl ober in Nrc» Kr. 21. Wie», 5. Juni Inhalt: Aus der Woche. — Kurse für religiöse Fortbildung für israel. Frauen und Mädchen. — Ghetto-Politik im deutschen Heere. — Die Wandervogeldebatte im preußischen Abgeorduetenhause. — Verschiedene Nachrichten. — „Oesterr.-uugar. Kautoren-Berein". Ans der Woche. In Krakau erscheint seit kurzem eine neue polnische illustrierte Tageszeitung, deren einziger Zweck darin besteht, den wirtschaftlichen Boykott gegen die Inden nach russischpolnischem Muster zu propagieren, die Bildung eines christlichen Kaufmaunsstandes in den Städten zu fördern, über--' Haupt den Handel und die Industrie Galiziens zu „nationalisieren", d. h. die jüdische Bevölkerung ans allen bisher innegehabren wirtschaftlichen Positionen zu verdrängen. Die neue Zeitung will nur von christlichen Firmen Inserate annehmen; trotzdem sprechen ihre Agenten in den jüdischen Trafiken vor und suchen diese für eine wirksame Verbreitung der neuen Boykottzeitung zu gewinnen. Die wildesten Boykottagitatoren in Russisch-Polen und in der Provinz Posen werden an der neuen Zeitung Mitarbeiten. * * * In der vor vierzehn Tagen stattgehabten Generalversammlung der Budäpester Religionsgemeinde wurde behufs Erreichung der von den Neologen ängestrebten einheitlichen Autonomie der ungarischen Judenheit ein energischer Schritt nachvorwärts gemacht. Es wurde nämlich folgende Resolütion einstimmig angenommen, die unzweifelhaft auch die Eiüleitnng einer Kampfesperiode gegen die Orthodoxen bedeutet: „Die Generalversammlung ersucht das Präsidium und den.Ausfchuß der Gemeinde, je eher in energischester Weise eine Aktion zur Erkämpfung der einheitlichen Autonomie des ungarischen Judentums einznleiten und . über dieses Vorgehen der nächsten Generalversammlung Bericht zu geben." Börsenrat Joses Steiner begründete den Antrag, der durch den Präses L. Adler dahin ergänzt wurde, daß ein Komitee, bestehend aus den hervorragendstell Männern der Gemeinde, beauftragt lverde, diese Frage zn studieren. Hofrat Szekely, Dr. Bela Felekß Szabolcsi und der Präsident beteiligten sich an der Diskussion, die zu der einheitlichen Beschlußfassung^ führte. Der Führer der Orthodoxie, Laudespräsident Adolf Fi'änkl, vom Korrespondenten des „Israelit" über seine Meinung befragt,^ äußerte sich-dahin, daß er die Tragweite dbr Resolution, die ben Kampf aller gegen alle bezwecke und duaVchische Zustände heranfbeschwören müsse, nicht unterschätze. Der Standpunkt der Gesetzestrenen sei genau umgrenzt. Man suche in diesen Kreisen nicht den Kamps; aber im Bewußtsein des heiligen Rechts und des wahren Prinzips, das man verteidige, fürchte man ihn nicht. Zn bedauern wäre es, daß die Kluft zwischen den Parteien sich noch erweitere und durch den leichtsinnig heranfbeschworenen Krieg auch zur völligen gesellschaftlichen Scheidung der ungarischen Judenheit führen könne. * * * Im Herbste des vorigen Jahres ging durch die meisten jüdischen Blätter bie. Nachricht von einem merkwürdig unjüdischen Verhalten einer jüdischen Gemeinde in Deutschland. Die liberale Repräsentanz der jüdischen Gemeinde in Duisburg (Rheinprovinz) beschloß, um ihre unumschränkte Herrschaft in der Gemeinde aufrecht erhalten zu können, den in Ditisbnrg lebenden ausländischen Juden — meistens Galizier — das aktive und passive Wahlrecht für die Gemeindevertretung zn nehmen. Während nach dem preußischen Gesetz alle Angehörigen der Gemeinde, ob In- oder Ausländer, gleiches Recht haben, machten die jüdischen Gemeindehäupter diesen Unterschied und baten die preußische Regierung um die Genehmigung ihres Beschlusses. Um dies zlt erreichen, behaupteten sie, die in Duisburg ansäßigen Galizier gehörten der von den rechtgläubigen Juden als ketzerisch angesehenen Sekte der „Chassidäer" an. Dies geschah zn der Zeit, als in Kiew die Verhandlung gegen Mendel Beilis schwebte. Das Vorgehen der Duisburger jüdischen Gemeinde rief die Proteste aller Jüdischgesiunten hervor, was aber diese Herren nicht hinderte, mit ihren Eingaben bis an das preußische Ministerium des Innern zu gehen. Zum Glück hat das Ministerium mehr Sinn für Gerechtigkeit und hat vor einigen Tagen den Antrag der Duisburger Gemeinde abgewiesen. In seinem Erlaß weift es auf das preußische Gesetz hin, welches allen in einer Gemeinde wohnenden Juden ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit alle Rechte und Pflichten der Gemeiudemitglieder einräumt. Es erklärt, daß kein Anlaß vorhanden sei. Gemeiudemitglieder, die durch viele Jahre hindurch ihern Pstichten gegen die Gemeinde nachgekommen seien, itni die Ausübung ihrer Rechte zu bringen. * * * Der hi Rom abgehaltene Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens hat seine wesentlichsten Aufgaben in folgenden Bestimmungen des Statuts festgesetzt:

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