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Die Wahrheit · 1914-05-22 · Heft 19 (22.5.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 19 (22.5.1914)
Date
1914-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-iedakttou »ni> ridmlniftralion: Wie», IT, At'vaiagasse 27 Telephon: Redaktion 5509/1V. Unabhängige Perlschrift für silbische Äaiizläviig.!v 14.— Halb>Hl>,ig . . . >c 7. — ' Hbmimftrcuiou 4.938 11. Jt. I. Oticrr. Bostsvarkasla. 6«tcf'ftouto 3(v. 100.918. Interessen. Flir Uilltn»l'e»»>te: >d:„„zl>ih> lg...... K ln Jnferate: Sie' viermal geivaitcne Nonvareillc-Zen- 25 Helle:. Erscheint jeden Kreitng. jViu: Vln-?Itmb : Abonnement». und 0»iertion». . . ... 8 '-Mtuvf betrüge find in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gotte» iat Wahrheit!“ ti ilinOfl »der IN ‘,{rc*. Ur 19. Wien 22 Mai Inhalt: Bielohlawkkiaden. — Aus der Woche. — Kulturbilder aus dem Dorada des Aurisemilismus. — Generalversammlung des Hietziuger Fraueuvereiues zum Schutze armer, verlassener Kinder. — Kalouimos den Kalonimos. — Verschiedene Nachrichlen. Kielohlawekiaden. Den bekannten christlich-sozialen Führer, der in den Jahren 1911 und 1912 von der Wiener Wählerschaft entschieden abgelehnt worden war, brachten im März l. I. die braven Meidlinger wieder in den Wiener Gemeinderal. In der Zwischenzeit war er nur noch im niederösterreichischen Landtage christlich-sozialer Vertreter. Hermann Bielohlawek war nie verschüchtert, wenn es galt, kühne Behauptungen anfznstellen und auch die von der Oeffentlichkeit mit.Heiterkeit kolportierte Versicherung, Wien und Niederösterreich besäßen die beste Verwaltung in Europa, stammt bekanntlich ans dem Mnn.de dieses Mannes. Seit nun Herr Bielohlawek wieder im Wiener Gemeinderate sitzt, ist ihm der Kamm gewaltig geschwollen und er setzt seine kecke Methode fort, unbewiesene ja sogar ungereimte Behauptungen in die Welt zu schleudern. In der am 12. Mai l. I. stallgefundenen Sitzung des niederösterreichischeu Landtages behauptete Herr Bielohlawek wieder unverfroren, im Belange der Kinderfürsoge werde Wien von keiner Großstadt Europas erreicht. Gegen die „Arbeiterzeitung", welche vor kurzer Zeit in einem Artikel, einen für Wien nicht schmeichelhaften Vergleich mit Berlin, in diesem Belange machte, polemisierte dieser „patriotische" Vertreter Wiens mit den Worten: „Da schreibt dann einer aus Bosheit solche Artikel, um Wien in den Augen der Bevölkerung herabzusetzeu". „Was nicht überall vorkommt ist die Herabziehung der eigenen Stadt in den Kot". Nach Herrn Bielohlawek darf also ein guter Patriot vaterländische Schattenseiten gar nicht besprechen, soitdern er muß trotz gegenteiliger Erfahrung behaupten, im lieben Vaterlande fei alles aufs Beste bestellt. Für Politiker vom Schlage Bielohlaweks wäre diese Methode freilich bequem, aber die Vorgänge in der Umwelt lassen sich gegenwärtig nicht mehr verhängen, und wenn dies gelänge, müßte eben die gute Vaterstadt und das österreichische Stammland rückständig bleiben und — versumpfen. Herr Bielohlawek möchte aber von den braven Wiener Wählern am liebsten das Anfgeben des selbständigen Denkens und die unbedingte Glanbenspflicht bezüglich seiner Behauptungen äls heilige Staatsbürgerpflicht verlangen. . Herr Bielohlawek glaubt offenbar, solchen Erfolg dadurch erzielen zu können,., wenn er die unliebsamen Zweifler mitausgesuchten Grobheiten bedenkt. Nur so ist es erklärlich, wie der wiedergewählte Gemeinderal in dieser Körperschaft unlängst zu folgendem Ausspruche kam: „Es ist eine Frechheit,, immer vom kvntrollosen Wiener Sladlrale zn sprechen". „Der Sladtrat wird vom Magistrale, von der städtischen Buchhaltung und von den Referenten kontrolliert."(?) Wie man sieht, schätzt Herr Bielohlawek die Urteilskraft-der guten Wiener .sehr tief ein, sonst würde er es wohl nicht wagen, ihnen einen derartigen Widersinn vorzus^tzen. Herr Bielohlawek erzählt den Wienern, die angeftellten städtischen Beamten seien ausreichende Kontrollorgane ihrer allmächtigen Brotgeber im Wiener Stadtrate! Nach der. allbekannten Skandalchronik über die Wiener Wahlen muß man also nach Bielohlawek annehmen, Herr Pawelka nud seine untergeordneten Beamten des Wiener Wahlkatasters haben sich gegen jede ungesetzliche Zumutung der regierenden Christlichsozialen allezeit mannhaft widersetzt. Selbst wenn es derart rechtlich gesinnte und unerschrockene Charaktere unter den städtischen Beamten gäbe, einschlägige Arbeiten und Referate objektiv nach gesetzlichen Normen und nicht nach Parteinutzen für die regierenden Herren abzufasfen, könnte sie dann der autonome Stadtrat niederstimmen, aber V e r l a u t b a r e n dürften diese Beamten daun in Folge des A m t s g e h e i m n i s s e s eben kein Sterbenswörtchen davon. Es ist deshalb, milde gesprochen, mindestens ein kühnes Unternehmen, von einer Kontrolle dieser allmächtigen Verwaltungsbehörde durch die Beamte n zu sprechen. Die Gutmütigkeit der Wiener hat aber auch ihre Grenzen und es ist fraglich, ob diese von der christlich-sozialen Partei mühevoll über Meidling unternommene Reaktivierung des Herrn Bielohlawek in den Wiener Gemeinderat genannter Partei von Nutzen sein werde. Herr Bielohlawek war bekanntlich schon einmal das enfant terrible der Partei nud kann ihr durch seine völlig ungenierten politischen Methoden wieder schaden. Herr Bielohlawek demonstriert den Wiener Wählern wahrscheinlich absichtlich die Allmacht seiner Partei nud lüftet die Gewaltherrschaft derselben mit beißendem Hohne zn dem Zwecke, um durch den winkenden Nutzen aus ihrer parteiischen Freunderlwirtschaft für feine Partei zu werben. Moralische Scham sei für Christlichsoziale nicht am Platze, meint Herr Bielohlawek offenbar und hindere sie an dervollen Ausnützung ihrer Gewaltherrschaft. Deshalb müssen

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