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Die Wahrheit · 1914-05-15 · Heft 18 (15.5.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 18 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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J.'k- ‘ “i...;';r.. .Redaktion imb.-SHbminiflratioit: gißten. 11., Nvvarägaffe 27 .:Xel{pQoii: Nedaktion 6509/1V. AirabHänflige Zeitschrift für jüöische i8*eininH*vet*: $tiuift|iibrifi.K 14.- fjillbiütKitt. I» 7 — Kbmtiiifttaiiou 4938 11. K. {. üsterr. Vosllvarkasia. 6<J)t<f*ftoitto Nr. 100.918. Interessen. ftiic Jfiiltu-Sbriuiiltr: Inlvrate: Dir viermal geivallene . Noupareille-Zeiie 26 Heller. Erscheint jeden Irr ei tag. jViir AiiSlu»»: Bbounfumite« und Jniernoiis. 'MiuiftUtÖviii.. H Wiurr Settäfle nnd tu Wien iabioac ' und klagbar. Motto: „Daa Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 8 ülnitn oder Hl ftrc*. Ur. 18. Wien. 15. Mar Inhalt: Besoldung der -Beamten und Lehrer nach politischem Nutzen für die christlichsoziale Partei. — Aus der Woche. — Naturalisation und Aufenthalts-Erlaubnis in Theorie und Praxis. — Der Kaftan in den deutschen Badeorten. — Pester israel. Religionsgemeinde. — - Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Oesterr.-Ung. Kantoren-Berein. Besoldung der Kramten n. Zehrer nach politischem Mutzen siir die christlichsoxiale Partei. Die u.-ö. Landtagswahlen stehen für den Herbst des laufenden Jahres in Sicht. Dies mag der Grund fein, daß man nun im niederösterreichischen Landtage wieder daran geht, nicht nur der Lehrernot in Niederösterreich durch eine Gehaltsaufbesserung zu steuern, sondern, nach der Versicherung des derzeitigen niederösterreichischen Schulreferenten, Herrn Leopold Knnschak, auch den Forderungen der Wiener Lehrpersonen näherzutreten. Tatsache ist es, daß die längst nötigen Lehrergehaltsregulierungen in den Jahren 1910 und 1912 vor wichtigen Wahlen dnrchgeführt wurden. Ebenso wahr ist es aber auch, daß nur die wahlberechtigten männlichen Lehrpersonen immer am günstigsten dabei abgeschnillen haben. Auch die am 3. Mai l. I. von den christlichsozialen Blättern veröffentlichte Gehaltsvorlage des Landesausschusses Knnschak ist von demselben Grundsätze beherrscht. Die männlichen, definitiven Lehrpersonen I. Klasse sollen einen jährlichen Mehrbezug von inindestens 800 K erreichen können, während die weiblichen Lehrkräfte gleicher Kategorie noch immer mit dem Jahresbezuge von mindestens 700 K hinter dem ihrer männlichen Kollegen znrückbleiben sollen. Der Skandal des Lehrerinnenzölibates soll b eibehalten werben — die Lehrerinnen besitzen ja doch kein Wahlrecht (!). Die provisorischen Lehrkräfte mit Reifezeugnis sollen jährlich statt wie bisher 1000 X — 10 80 K erhalten. Diese jungen Lehrpersonen besitzen ja wegen ihrer Jugend noch kein Wahlrecht, deshalb werden sie monatlich statt 83 EI 33 jh. ganze 90 K erhalten. Auch nach der Lehrbefähignngsprüfnng soll für so junge Lehrpersonetl die Aufbesserung nur 120 L jährlich betragen. Ist aber der junge Lehrer H. Klasse bereits definitiv geworden, was ans automatischem Wege erst nach 5 Dienstjahren erfolgen kann, dann ist er wohl schon 24 Jahre alt ünd besitzt bereits das Wahlrecht, seine Besserstellung beträgt 'jetzt daher jährlich 300 L. Dies ist verhältnismäßig freilich auch wenig, aber er kann'ja, wenn er praktisch wählt, bald 'zum Lehrer I. Klasse anfrücken. Gewerbs- und Geschäftsleute,. welche oft gar nicht 'genau wissen, wie groß ihre Hausbedürsnisse sind, meinen, freilich oft, der Landlehrer sei gut gestellt, wenn er einen Gesamtjahresbezug von durchschnittlich 4700 K errei ch en k a n n. Die Rechnung ist aber falsch, wenn der Landlehrer eine kindergesegnete Familie hat, denn der Lehrer besitzt selten Privatvermögen und mich alle seine Lebensbedürfnisse am Laude miudesteus ebenso teuer bezahlen wie in der Stadt. Strebt er aber für seine Kinder eine höhere Ausbildung an. was ihm wohl nur die borniertesten Spießbürger übelnehmen können,, dann befindet er sich in permanenter Notlage, denn er findet höhere Bildungsanstalten nur in der kostspieligen Stadt. Auch die Wiener Lehrer sind noch nicht glänzend gestellt und es ist für dieselben sehr kränkend, daß alle n.-ö. L a n d e s b e a m t e u und Wiener Magi ft r a ts b eamten, auch dann, wenn sie nur die Vorbildung einer Untermittelschule genossen haben, also hinter der Vorbildung einer Lehrperson z u r ü ck st e h e n. weit b e s s e r e Bezüge genießen. Ist die Lehrerarbeit weniger wert, als die eines Verwaltnngsbeamten? Freilich, für robuste Politiker mag beispielsweise ein Wahlkataster-Beamter wichtiger sein, als ein Lehrer, der das junge Volk heranbildet. Aber die Kindeseltern sollten in ihrem eigenen Interesse wohl gegen eine solche tendenziöse, stiefmütterliche Behandlung der Erzieher und Bildner ihrer Kinder kräftig protestieren. Je mehr die Lehrperson quälenden materiellen Sorgen und Notlagen enthoben wird, desto unparteiischer und berufsfreudiger kann sie ihr wichtiges Amt anssühren. Tüchtige und unparteiische Lehrpersonen müssen in den Wiener Schulen aber besonders von den bildungseisrigen jüdischen Kindeseltern gewünscht werden! Geldmittel für eine ausreichende und zn f riedenstellende Lehrergehaltsregulierung besitzt Wien und Niederösterreich derzeit in ansreichendem Maße. Es ist wohl jedem politischen Kinde bekannt, daß der kleine Finanz p l a n im letzten Jahre nur dadurch durchgebracht wurde, weil man die Lehrernot als Vorspann für ihn benützt hatte. Die christlichsoziale Partei will aber den nunmehrigen Ertrag, der neuen Steuern nicht den Lehrpersonen und der Schule widmen, sondern einen Großteil davon für andere und ganz besonders für Partei zw ecke verwenden. Diese Praktik übte die gegenwärtig regierende Partei allezeit unb der Ertrag der Biersteuer wurde auch im Jahre 1904 .nur zum Teile für die damalige Lehrergehaltsregulierung verwendet.

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