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Die Wahrheit · 1914-03-27 · Heft 12 (27.3.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 12 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«edaktio« und »ldiinnistratton: I Wien/ H/,'Nvvaragafsr 27 Televdon: Nedaktion 550911V. Unabhängige Heitfchrift für silbische tilumliiöviil.IC .1.4.- fjrtlbiiibvirt ... . IC ‘ 7 - Hbmmifmuion 4938 II, rrr. r öfterr. Bostsvarkasia-!;;; jB<#ec**ftoiuo Nr. 100.918. Interessen. Für JliiÜiiobrumtr: tU uili.ibtiu.IC II) ' ' JJni'Evate: Dir viermal gesvalicn- ' «oupareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Ilrei tag. Für Aiislniid: j > >.bonnemeiu«- und Inserlions. <Unii1l>lbrit|.8 Ma> r d'eräse nnd in Wien zayldar und klagbar. Motto: „Däa Siegel Wottes ist Wahrheit!“ ti »fllDft obfi- 115förc». Ur. 12 Wie» 27, Marz ISM4: Inhalt: Lehren ans den letzten Gemeinderatswahlen. — Alls der Woche. — Ein Uebergriff des mährischen Laudesrabbinates. — Steht den Kantoren auf Grund der im Statute textativ aufgezählten Amtsobliegenheiten der Charakter einer öffentlichen Bedienstnng zn oder nicht? — Samuel Naumöonrg. — Äerschiedene Nachrichten. — Das Martyrium eines Idealisten. — Literatur. Abonnements-Linlcldung. Die geehrten Kerren Aöonnenten werden um umgehende Krneuernng des Monnements für das am i. April 1914 beginnende II. Kuartal ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Nnterörechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Sanzjährig Kr. 14.— Kalöjäyrig Kr. 7.—, vierteljährig Kr. 3.50. K. k. Poftsparkasfen-Konto 100.S18. Probenummern gratis zur Verfügung. Kehren ans den letzten Gemeinderatsmahlen. Die Wiener Christlichsozialen haben diesmal im UL Wahlkörper in allen 21 Bezirken gesiegt nnd alle 48 Gemeinderatsmandate des IH. Wahlkörpers besetzt. Trotzdem können sie dieses Sieges diesmal nicht froh werden, denn es war ein Pyrrhussieg. Vor allem kann man konstatieren, daß die christlichsozialen Wählerstimmen diesmal nur 49o/g von der Anzahl der Wähler des III. Wahlkörpers betrugen (80.656 Wähler — 39.735 christlichsoziale Stimmen in ganz Wien), während dieses Verhältnis im Jahre 1908 noch über 51°/<> zeigte (63.903 Wähler — 32.989 christlichsoziale Stimmen). Die zweite für die christlichsoziale Partei sehr betrübliche Tatsache ist bit>,: daß sich die Zahl der sozialdemokratischen Wähler im III. Wahlkörper seit 1908 mehr als verdoppelt e (5.936 — 12.050). Seit dem Jahre 1908 hat also das Verhältnis der sozialdemokratischen Wahlstimmen zur Wählerzahl des HI. Wahlkörpers-überhaupt Ivieder um 7% zugeiiommen (14°/Q—21%). Aber auch die bürgerlichen Gegner der Christlichsozialen haben sich im HI. Wahlkörper seit 1908 bedeutend vermehrt (2.954^-4.901), obgleich ihnen diese Gegner in diesem Wahlkörpdr bei weitem.nicht so gefährlich werden, wie die So? zialdemokräten. Im XVI. Bezirke kamen die sozialdemokratischen Stimmen diesmal. den christlichsozialen. sehr nahe (2.317 sozialdem. — 2.810 christlichsoz.), ebenso im XX. Bezirke (1.500.christlichwz. — 1.113 svzialdenn). Im .Jahre 1908 war das Stimmenverhältnis den Christlichsozialen in den zuletztgenannten Bezirken noch viel günstiger (2.260— 970 nnd 940—250). Die Disziplin innerhalb der freisinnigen bürgerlichen Parteien zeitigte im II. und im VH. Bezirke bescheidene Erfolge (im II. Bez. 1.35O im Jahre 1914 gegen 950 im Jahre 1908 und im VII. Bez. 230 int Jahre 1914 gegen O im Jahre 1908). Stellt man nun noch in Rechnung, daß die christlichsoziale Partei noch immer die unbeschränkte Herrin von Wien ist und alle erlaubten und unerlaubten Mittel anweudete, um das Wahlglnck an ihre Fahne zn fesseln, dann muß der Ansgang der diesjährigen Gemeinderatswahlen wohl znm'Denken anregen. Die Veizweiflung der Wähler des. III. Wahlkörpers beginnt bereits die Konsequenzen zn ziehen. Hält die letzte Wablentwicklnng in den nächsten 6 Jahren dasselbe Tempo und dieselbe Richtung ein. dann gibt es im Jabre 1920 bereits 24.000 sozialdemokratische Wähler im IH. Wahlkörper. Davor muß der christlichsozialen Partei noch mehr grauen, als wenn ihre bürgerlichen Gegner Zuwachs erhalten. Mehr als die Christlichsozialen bis heute getan haben, um den unglücklichen IN. Wahlkörper zn retten (Abdrängung der jüdischen Hausierer, kleinlicher Geschästsvoykott gegen die armen Inden), können sie auch in Zukunft nicht tun. Ist also auch der NI. Wahlkörper, bisher die Hanptsäule der Christlichsozialen, der Partei nicht mehrsicher, dann entfällt auch der Hauptgrund für die Beibehaltung der Wahlkörper für die Wahl der Wiener Gemeindevertreter. Werden diese auch noch nicht sogleich fallen gelassen, so sind die letzten Wahlen doch geeignet, den Optimismus der noch herrschenden Partei gewaltig einzudämmen. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Furcht vor den kommenden Landtagswahlen diese schuldbeladene Partei zum Entschlüsse bringt, im Reichsrate das Verhältniswahlrecht für die niederösterr. Landtagswahlen zn beantragen, um ihren bisherigen politischen Besitzstand nicht aus eine Karte setzen zu müssen. Schließlich haben auch die Christlichsozialen den Spatzen in der Hand lieber als die Taube ans dem Dache. Die Wahleutwicklnng in Wien sollte endlich auch die träge freisinnige Bürgerschaft ans ihrer Untätigkeit ausrüiteln! Ohne zielbewußte und arbeitsreiche Vorbereitung gibt es keinen Wahlsieg. Jede ernst zn nehmende politische Partei muß erst selb st.ihre Wähler kennen! Es wäre gegenwärtig schon hohe Zeit, daß jede kämpfende Partei bereits einen v er l äß lich en W a h lkataster besitze. Läßt man die Landtagswahlen ohne diese unerläßliche Vorbedingung

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