Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 4. Die Wahrheit Seite 6. Vorfalls, um .gegen die iMfche Bevölkerung in gchäffi-ssttze Wfje Herz-Mllsn, ohne von -den BeUrösn, Lie Lenganz ünMulhigen Hergang der Sache kannten,.in die Schranken gewiesen zu werden- .Mn -cmöeves Beispiel: Aus Anlaß des - schändlichen . KsMer Ritulllmordprozesfes wollten Lie/Mischen Vereine Salonikis' eine öffentliche Protestversamimlung einberufen, die Polizeibehörde verbot, jedoch de Abhaltung der Bersämmlung mit der Begründung es. handle sich hierbei um eine politische Demonstration gegen eine befreundete icruswärtige Mlacht. . . . ' Unter solchen UmständM ist -es nicht zu verwundern, wenn die Juden Salonikis -auch den bestimmtesten! ofMÄlen Erklärungen äußerstes Mißtrauen entgegensetzen und - auf die künftige Gestaltung ihrer Lage in der Stadt, wo sie feit Jahrhunderten: die Majorität der Bevölkerung . bilden, mit großer Pesorgnis blicken. Eine psalmistifche Adpent-Ktn-ie. ' Bon Hur. Dr. M. Epstein, Brünn. Die katholische Advendzeit ist wohl schon vel über, aber sie gab' mir diesmal Veranlassung, mich mit ihr etwas näher zn beschäftigen. Das kam also: An meinem Lebensabende --4bei\u ich stehe bereits, an der Grenze des 80. Lebenswahres '— bietet das Stndinm der Psalmen in den letzten Jahren' für mich eine meiner eigentlichen Berufs - . tätigkeit ganz fern liegende Lieblingsbeschäftigung, nicht etwa ans Frommglünbigkeit, die mir als Freidenker, dem das . bekannte Epigramm Schillers: „Zn welcher Religion - ich mich' bekenne? Zn keiner von Allen, ans -— Religion" vorschwebt, ganz ferne liegt, auch nicht etwa als Wegzehrung fürs Jenseits, um die mir nicht bange ist. da ich im Leben immer auf schwache Kost und magere Wegzehrung eingerichtet war, sondern als freie Forschung, als Geistessport, . als wahrer Seelengennß. 'Mit den Psalmen kehre ich gewissermaßen wieder zur Jugend zurück, zu meinen Knabenjähren, wo ich dieseLieder frommglänbig aus dem jüdischen Gebetbnche in ihrem Urtexte rezitierte und auch ins Deutsche übersetzen lernte, so daß -sie znm größten Teile in meinem Gedächtnis noch haften geblieben sind, was doch kein Wunder ist, da ich diese Ge- Äete nach der Weisung meines seit fast eines halben Jahrhunderts in Gott ruhenden frommen Vaters von meinem?, .bis zum.12. Jahre, bis znm Eintritt ins Gymnasium fast täglich oder doch mindestens einmal wöchentlich am Sabbat, -also 50. mal im Jahre rezitiert hatte. Was nun des Kuaden Mund 2—300 mal hernntergeleiert daran erinnert sich 'wohl auch des Greises Geist noch'gerne. Es ist daher nur natürlich, daß ich solche Pfalmenstelleu zum größten Teile . auch noch heute auswendig zu zitieren vermag, gerne bei denselben verweilen und die dort schlummernden Gedanken herauszulösen und weiter zn entwickeln, suche. Die Bildersprache der Psalmen, ihre Natnrtrene, ihre. Kleinmalerei, ihre ethischen und poetischen Gedanken nahmen schon die Seele des fromonen Knaben gefangen und tönten gar oft bei verschiedenen Anlässen des Praktischen Lebens. im Herzen des denkenden -Mannes und des alternden Greises wieder. Jetzt im vorgerückten Alter, wo ich die. Psalmen in. sprachlicher und poetischer Beziehung leichter erfassen kann, bieten sie mir für -.Kopf und Herz, für Geist und Gemüt reichliche Nahrung, den süßesten Seelengennß in:..-meinen freien Stunden und teilweise Entschädigung für inan che Bitterkeit des Lebens, und, Most für meine durch meme Schwerhörigkeit hervo.rge- 7 rufene Vereilisamun^ imPebeM Plcht nur der Frommglänbiae und. Schw.erbedrückte.^anch .der Zweifler, der Skeptiker . uily. ^ihegke.^ d.^r WestsHuterzler wie-'derWeltfrohe finden in d^n P^lchen hM-eHenp auregen^W Most zur Welt.be- '.träMupg.' Ünb." strsoesoildere. ist die dopt ichmer lpledertönentchj» MKiMe.'Ha'ä^ ^lt^Aejchender Wrtzchtitzkhit. irr her WeUordy. nuug,'dieses Vorahuen Gottes in der Natur, derimttter Mederkehrende Ruf. nach 'Recht und Gesetz diesen' ewigen Grundpfeilern staatlicher Ordnung, ist es, was den Psalmen als Erbaunugsbuch besondern Werth verleiht. Ja' dieser^ stete Ruf nach Recht und Gesetz, Begriffe, die wie Professor Stein in dem letzten Jännerhefte''von »Nord und Süd" anläßlich der Besprechung der Politik des deutschen Reichskanzlers von Bethmann darlegt, die erstrebenswerten Ziele moderner „Kulturpolitik* im Gegensätze zur Ge'wältpolitik bilden sollen, dieser in den Psalmen ewig wiederkehrende Ruf nach Recht und Gesetz ist es, der diesen hebräischen Dichtungen seit drei Jahrtausenden bei allen Kulturvölkern jene hohe, alle andern poetischen SchöpftmgeU der antiken Welt weit überragenden Werthschätzung verschafft und ihnen als Bestandteile des Gottesdienstes in allen monotheistischen Religionen auf dem weiten Erdenrund, den ersten Platz .ge« sichert hat. (Fortsetzung folgt). verschiedene Nachrichten, Wien. Israelitische Knltusgemeinde. Die Religiousprüsnngen für Mittelschüler finden im ersten Semester dieses Schuljahres am Donnerstag den 29. Jänner 1914 von 4—6 Uhr . nachmittags in der Religionsschnle (I. Seitenstettengasse % II. Stock) durch Herrn Professor Dr. Heinrich Pollak statt. (Spenden) Wie uns mitgetheilt wird, wurden dem Oester. : Ungar. Cantoren Verein über Intervention des Präsidiums in letzter Zeit folgende Spenden zugewendet: käiferl. Rat : Alb. Frankl Kr. 100. Architekt Fuchs Kr. 100. Cultusvorsteher Ad. Schrämet Kr. 100. Moritz Edler von Kuffner Kr. 300. Kais. Rat S. Kauders Kr. 100. Dr. Philipp Ritter von Gomperz Kr. 300. Freitag abend-Bdrträge, — auch Frauen zugänglich— im Bet-Hamidrasch »Talmud Thora" II. Malzgaffe 16. Am 23. Jänner hält Herr Rabb. L. Goldstein, einen jüd. geschichtlichen Vortrag. Am 30. spricht Herr Prof. Moritz Antscherl über: Sabbatlieder am Familientisch. Beginn jedes mal um 7.30 abends. Der israel. Tempelverein für den XIX. Bezirk in Wien versendet die Einladung zn der am Sonntag, den 25. Jänner 1914, präzise V2IO Uhr Bormittags im Tem- . pelgebäude Do.llinergasse 3. stattsindenden ordentlichen General-Versammlung. (Verband der israel. Religionslehrer au den österr. Mittelschulen). Der Ausschuß des Verbandes der isr. Religions- : lehrer au den österr. Mittelschulen hielt am 14. Jänner d. I. i die erste Sitzung nach feiner Generalversammlung unter dem -■ Vorsitze deß nengeMhsten OhmMnes des Rabb. Dr. M. . Rosenman» ab, wobei" nach Erledigung lausen her Wreins- : angelegenheiten zur Wahl der vom Obmanne angeregten Jugendschristeu-Kommission geschritten wurde. In dieselbe wurde gewählt: Rabb. Dr. Rosenmann, Pros. Dr. H. Polak . Rabb. Dr. D. Fenchtwang, Inspektor Prof. Kanitz, Prof. Dr. Goldhammer, Prof. Dr. Redisch und Dr. Kupfer. Dempelbanverein des ^111. Bez. der Stadt Wien. Sonntag den 1. Feber h. I. Präcise 10 Uhr vormittags findet die ordentliche Geueral-Versgmmlnug des Josesstädter Tempelbchuvereines im Tempelgebäpbe VE., Nentzeggergasfe 12. statt. Gaste willkommen. Am 18. d. M. fand im Ceremoniensaale des Tentpels in der'Müllnergasse die Trauung des jüngsten Sohnes des i langjährigen verdtenstreichen Präsidenten G 0 t t l i\ b Bet te 1 h ei m. Herrn Dr. K a \l P e 11 el \ e i n| mit Frl. Gabriele Grnnbe r g statt' Pe voyr Rabb. Dr. Bach, dessen Schülerin die Braut war, vollzogen nmrbe. In