Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kebotiion mid ittdministration: Tnabhäugtge Herischrist für jnöische Aernu»t»reio: Wien. H/, Nvvaragasis 27 Xeltpbou: ilicbafiion 5509/1V. M»»zl>Ur> ig.Iv 14. - i Halbliidria.K 7 —! Hbmimftrqtiou 4938 11. Jf. k. öfterr. Vostsvarkaffa. 6<»«f«ftoiuo Nr. 3011.918. Jtrferefett. Für Niiltiivl'llli»N: •U.uitiiibviii. IC II» - j JJuIvTate: Dir viermal geivaltenc »«.iiisareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Ilreitag. Fnr Vlurliiuö: r.bounvmciue* linb InserUons. 6«tnot nrib in Wien jaQltmr iiub klagbar. Mott«: „Das Siegel Hotte» ist Wahrheit!“ 1 <M.iiul«Uvi|i.H >m.,rr t> (Hitbrl obrr 1« ilic* ffr. 2 Wien. 9. Jänner l!M4. Inhalt. Gottesmcher. — Das Budget der Wiener Kultusgemeinde. — Tempelverein Mariahilf-Neubau. — Verein Misrachi. Wien. — Die jüdischen Schulen in Palästina. — Verschiedene Nachrichten. Abonnements-Einladung. Iie geehrten Kerren Köonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für den am 1. Jänner 1914 öegonnenen neuen Jahrgang ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Utattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Ganzjährig Kr. 14.— Kalbjährig Kr 7.—, vierteljährig Kr. 3.50. K. k. Postsparkaffen-Konto 1VO.S18. Probenummern gratis zur Verfügung. Infolge der mit der Lohnbewegung im Buchdruckergewerbe verbundenen technischen Schwierigkeiten bei der Herstellung des Blattes konnte die dieswöchentliche Nummer nur in kleinerem Umfange ausgegeben werden, und bitten wir deshalb sowie wegen event. Unregelmäßigkeit im Erscheinen der nächsten Nummern um Nachsicht seitens unserer geschätzten Leser. Die Redaktion. G altes jnch er. Auf dem NationalheilLgtum der alten Griechen stand in weithin sichtbaren Lettern der von Plato aufgestellte Satz: „Erkenne dich selbst!" Ein schwaches Abbild nur des gedachten Begriffes nannte Plato, der Menschheit größten Denker, die Erscheinungen dieses Lebens, dessen reinstes Bild der sich selbst erkennende Philosoph, nirgends anders als in den Tiefen der eigenen Seele zu suchen hat. Freundschaft und Liebe, Opfermut und Treue, Selbstlosigkeit und Hingabe, sie entsprießen allein diesem neugeschaffenen 'Boden dieser neu erstandenen inneren Welt, diesem fruchtbaren Acker, in dem das alte: „Erkenne dich selbst", die ersten tiefen Furchen zog! ,'Sp Stilgebauer dessen „Götz Kraft" ich vor einiger Zeit in die Hand bekam, ut& welcher den Titelhelden dieses interessanten Buches,.solche -edle Worte in den Mund legt. * Das soll jedoch nur die Einleitung dessen sein» was ich mich bemühen will, seelisch und geistig zu charakterisieren : Ein Dichterphilosoph Und überzeugter Verkünder der Gotteslehre, so entschwand er uns der hochbetagte Rabbi S. in jenes unbekannte 'Land, das er einst in Worte von wunderbarer Feinheit und Schönheit, eine bessere Ruhestätte und Heimat nannte, so daß uns im Angesicht -des Nach Erkenntnis der Wahrheit ringenden Menscheng'eistes ein Verstehen erfaßte. „Erkenne dich selbst", rief wie jener Wieltweise im alten Griechenland 'der von tieferem religiösem Sinn und anspruchslosester Bescheidenheit durchdrungene Gelehrte von dem Postulate des reinen Inhaltes seinen Jüngern zu, welche andachtsvoll seinen Worten lauschten Wie die Glöckchen am Zaune des himmelblauen Mantels einst hell und zierlich tönten, wenn der Priester ein- und ausging im Tempel, tönt uns metallisch ihr Echo aus Unendlicher Ferne zu: „Erkenne dich selbst!" Wohin aber flüchten, um Selbsterkenntnis auszuüben — ohne auf Blasphemien zu stoßen? Etwa in eines unserer modernen repräsentativen Gotteshäuser? Wenn man wirklich mit seinem Gotte Zwiesprache halten möchte, kann man ja gar nicht den Weg zu "seinem Herzen finden, weil mehr Pose, wie Herzensfrömmigkeit vorhau-e den ist. Eine graziöse Verbeugung vor seinem Schöpfer beim „Schemauno Esra" und das zurecht gelegte parfümierte Tränentüchlein, wenn das Stichwort des Souffleurs, Pardon Vorbeters zum „Maskier" ertönt, erhöhen nicht die Weihe. In einem deutschen Städtchen soll es sogar vorgekommen sein, daß eine Repräsentantin des zarten Geschlechts ganz vernehmlich sich auf das lauf gesprochene Gebet verlassend, in eine Pause hinein rief: „Die dritte Tour hat er mit ihr getanzt!" Tableau —; dieses Flüstern und Raunen, wobei die Medistance oft üppige Blüten treibt, ist einem wogenden Kornfeld vergleichbar, das in wirrer Unruhe die Früchte guter Gedanken nicht zur Reife gelangen läßt, ja sogar sie im Keime erstickt, es fehlt eben zumeist die Intuition. — Ich sage das gewiß mit vielen Gesinnungsgenossen -Eines Geschlechtes. Ich weise auf den Bibeltext, ida Engel -noch auf Erden wandelten und welche dem bedrängten Erdensohne zuriefen: „In das Gebirge hinauf flüchte dich, sonst bist du verloren" .