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Die Wahrheit · 1914-01-02 · Heft 1 (2.1.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Aie Wahrheit Redaktion und Ndunniftratiou: Wien, ll , Avvaragassr 27 Telephon: Nebaktio» 5509/1V. Anabhäirgige Hertschnft für jüdische iSH’itiiitfyvetek: Ä»»z!>iv> >,».K 14. — Hbmmiitrauon 4938 11. *.!. Ofterr. SBoftiliarfatla» 6ajtcf«ftomo Str. 100.918. Interessen. Fiir 3nJ'cvats: Die viermal geivallc»- Nonvareille-Zelie 25 Heli-r. Kr sch eint jeden Ir ei tu g. Vsur '.>lu?t«ut>: Rdonneuienl«- und ZuierlionS. betraue nild in Wien zahldar und klaftvar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ j i«,11141.11)11,1.8 M»rt |lr. 1 Wien, 2. Immer I!M4. Inhalt: Chanukah. — Napoleon, Heine und die Juden. — Oberkantor Mayer Schorr. - Wilhelm Bacher. — Nussaeh Hat’filoh. — Verschiedene Nachrichten. - Aus der Budapester Knltusgemeinde. — Pros. Dr. Abonnements-Einladung. Me geelirlen Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für den am 1. Jänner 1914 begonnenen neuen Jahrgang ersucht, damit die regelmäßige Kspedition des Mlattes keine Zlntervrechnng erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalbjährig Kr 7.—, Mierteljührig Kr. 3.5V. K. t. Postsparkaffen-Konlo 1V0.S18. -- --- Vrobenummern gratis zur Verfügung. Infolge der mit der Lohnbewegung im Buchdruckergewerbe verbundenen technischen Schwierigkeiten bei der Herstellung des Blattes konnte die dieswöchentliche Nummer nur in kleinerem Umsange ausgegeben werden, und bitten wir deshalb sowie wegen event. Unregelmäßigkeit im Erscheinen der nächsten Nummern um Nachsicht seitens unserer geschätzten Leser. Die Redaktion. Channlrah*) Die Wahrheit zu sagen, ist es nur einem gewissen Umstande zuzuschreiben, daß ich an das jüdische Chanukafest erinnert werde. Bald hätte ich ganz vergessen, daß es überhaupt ein jüdisches Fest namens Chanuka gibt. Schuld daran sind meine Kinder. Allein es wäre ungerecht, diesen - die ganze Schuld zuzuschreiben, denn was können schließlich die Kinder dafür, daß es einen Katholizismus gibt, mit Nikolos, Krampusen, Christbäumen, Weihnachtsgeschenken. Tatsache ist es aber, daß zu dieser meiner Vergeßlichkeit betreffs des lieben 'jüdischen Festes meine Kinder sehr viel 'beigetragen haben. Schon seit Wochen hört man in meinem' Hause, welches ich selbstverständlich jüdisch zu führen mich bestrebe, nichts als Krampus, Nikolomann, Christbaum, Christkindl und viele andere ähnliche Schlagworte, daß es wahrlich kein Wunder wäre, wenn dieselben mir den Chanukah aus dem 'Kopf geschlagen hätten. . *) Obiger Artikel ist für die vorige Woche geschrieben, ist jedoch noch heute höchst aktuell. Kommt da mein Aeltester aus der Schule, sonst ein sehr braver Junge, der täglich das Morgen- und Abendgebet betet und sich sogar schon bald zur Bar mizwah vorbereiten wird, aber was der mir in den letzten paar Wochen die Ohren vollmachte mit verschiedenen Weihnachtsliedern, ist unmöglich zu schildern. Das nächste Kind, ein Mäderl, das auf den Namen Mälke hört, und Schülerin der ersten Volksschulklasse ist, das kaum noch recht lesen kann, da sollte man doch glauben, daß das Kind eben so wenig Kenntnis hat von den vielen frommen Liedern in den österreichischen Volksschulbüchern. eWit gefehlt! „Heilige Nacht" und „Stille Nacht" und weiß ich, was dort noch alles steht. Im Cheder habe ich das nicht gelernt, aber bei meiner sechsjährigenTochter Malte geht das wie bei einem alten Chason das „Aschre" selbstverständlich alles auswendig, was mich eben nicht wundert, wenn ich zu meiner Jüngsten übergehe. Meine Jüngste — wenn Sie sie fragen, wie sie heißt, antwortet sie: Braindel — ist fünf Jahre alt und besucht schon die Spielschule. Und gerade dieser kleine Schelm ist es, der mir am meisten den Kopf Vollmacht mit solchen Sachen, die in der Lage sind, selbst den besten Juden dazuzubringen, sich seines Judentums nicht mehr erinnern zu können. Kommt da meine Tochter Braindel aus der Spielschule und bringt einen Krampus mit, bei dessen Anblick ich mich fast ängstigte. Verlockend aber waren viel mehr die Süßigkeiten, die sie mitbekam: Chokolade, rote Zuckerl, weiße und grüne Zuckerl und alle die milden Gaben des heiligen Nikolos, so daß ich — schon mit Rücksicht aus die Gesundheit des Kindes — ihr einen Teil dieser Leckerbissen entreißen mußte. Nachher die vielen Fragen: Vater, kommt der Krampus? Was bringt mir der Nikolo? Wann kaufst du einen Christbaum? Was bekomme ich zum Weihnachtsgeschenk? Nun lieber Leser, hast du Kinder, die die Schule besuchen und stellen sie an dich auch solche Fragen, dann sei so gescheit und denke noch daran, daß es ein jüdisches Fest gibt, das Chanuka heißt .... Wie gesagt, den Kindern hie ganze Schuld zuzuschreiben, daß sie sich! nicht an jüdischen Festtagen so begeistern, und daß diese Begeisterung der Kinder viel dazu beiträgt, selbst bei den Eltern die jüdischen Feste vergessen zu machen, wäre eine Ungerechtigkeit, denn was können schließlich unsere Kinder dafür, daß der Geist in den Schulen durch und durch katholisch ist? Ist nicht viel-

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