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Die Wahrheit · 1913-12-05 · Heft 47 (5.12.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 47 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 47. Die Wahrheit Seite 9t •im kleinen Beethovensaale eine Vorlesung ans eigenen Werken. Karten zn 4, 3, 2, 1.50 und 1 K sind au der Kaffa des Beethovensaales, I., Strauchgasse 4, jederzeit erhältlich. Wien. (Kinderspital der isr. Kultusgemeinde Wien.) .Das zur Beurteilung der eiugelaugteu Projekte für das neu zu errichtende -KlNderspilal beim k. k. Augarten eingesetzte Preisgericht (Vorsitzender Sladtban-Direktor Ingenieur G o l d e m n n d) hat einhellig den I. Preis per L 4000.— dem Architekten Friedrich Mahler, Wien, IV. Mühlgasse 30, für das Projekt „Augarten" zuerkauut. . Au Stelle der in der Ausschreibung vorgesehenen II. und HI. Preise per Li 3000.—, bezw. K 2000.— wurde einhellig je ein II. Preis im Betrage von je K 2500.— znerkannt: dem Architekten Ignaz Reiser, Wien, II., Vereinsgasse 16, für das Projekt „Jeled" und dem Architekten Richard Modern, Wien- VITE., Josefstädrerstraße 30. für das Projekt „Maimonides". Ferner hat das Preisgericht einhellig beschlossen, dem Vorstände der Israel. Knltnsgeineinde Wien zu empfehlen, die unter den Kennworten „Vilo" und .„Charitas" eingereichren zwei Projekte um den in der Ausschreibung vorgesehenen Betrag von je L 1000.— anzukanfen. Wien. Unter überaus großer Teilnahme fand letzten Sonntag das Leichenbegängnis des auf so tragische Weise verschiedenen Mitgliedes des Jnternationalrates der Jto, Max S ch m i d t, statt. An dem Leichenbegängnisse nahmen außer der gramgebeugten Witwe und den Mitgliedern der Familie der Vorstand des Zentralvereines der jüdisch-territorialistischen Organisation in Wien, dessen Vorstandsmitglied der Verstorbene war, unter Führung des Vizepräsidenten Dr. Krenberger teil. Ueberdies. waren die Angestellten und Beamten 'der Firma Kremenetzky, in welcher Schmidt viele Jahre hindurch in leitender Stellung tätig war, mir dem Chef der Firma, Herrn Johann Kremenetzky, sowie die Beamten der Firma Schmidt und zahlreiche Freunde des Verblichenen erschienen, um dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisen. Rabbiner Dr. Grunwald hielt den Nachruf, in welchem er in eindrucksvoller Weise den großen Verlust schilderte, den die Familie und das Judentum •überhaupt durch den Tod dieses jnngen arbeitsfreudigen und sein Volk liebenden Mannes erlitten hat. Namens der Jto schilderte Dr. K reuberg er die großen Verdienste Schmidts um die Bewegung und insbesondere um die Regulierung der jüdischen Emigration ans Rußland. Am Grabe nahm Herr Kremenetzky gerührt Abschied von seinem langjährigen Mitarbeiter. Die kantoralen Funktionen versah erster Kantor Schleifer mit Chor. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift, der wir trotz der Anonymität die Veröffentlichung nicht versagen können: Hochgeehrter Herr Redakteur! Angeregt durch den in der Nummer 45 Ihrer geschätzten Zeitschrift veröffentlichten Artikel „Religiöse Streiflichter", der einen nachhaltigen Eindruck auf mich machte, bin ich so frei mit nachfolgenden Zeilen mein .Interesse und meine stete Ergebenheit für Ihr geehrtes Blatt hiemit zum Ausdruck zn bringen. Nicht so „vielleicht ganz vereinzelt" steht der geehrte, mir unbekannte Verfasser •des geistvollen Artikels „Religiöse Streiflichter" mit dem dort zum Ausdrucke gebrachten Anschauungen; in dem Herzen eines jeden, feine Religion und deren heiligen Traditionen achtenden Juden, werden diese Worte, von echt religiösen Gefühl diktiert, einen tiefen und nachhaltigen Wiederhall finden. Die „Religiösen Streiflichter" beleuchten nur zn wahr, aber noch immer nicht grellgenug, das moderne religiöse .Sein und Denken, wie ein solches sich vor einiger Zeit bei einer .solennen Feier in einem Gotteshanse, dessen „Architektonik als stilvoll" geschildert wurde, manifestirt hat. Denn nur einzig und allein dem Gotteskult in seiner hehren und weihevollsten Form — aber nicht, horribiledictu— dem Menscheukultns sollen unsere Gotteshäuser geweiht sein! Obwohl diese Zeilen, denen das Odium der Anonymität anhaftet, nicht zur Veröffenlichnng gelangen werden, bitte ich Sie doch, hochgeehrter Herr Redakteur, dieselben als dem Ausfluß meines tief religiösen Gemütes ansehen und beurteilen zu wollen, und zugleich bei dieser Gelegenheit den 'Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung entgegenzunehmen, mit der ich zeichne Euer Hychwohlgeboren Ergebenster Dr. S. ... Linz a. D. Ueber Anregung des Protektors des Vereines für oberösterreichische Luflschiffahrt, Sr. k. u. k. Hoheit -des Herrn Erzherzogs Josef Ferdinand, wurde hier das erste .Fliegerdenkmal errichtet. Die Enthüllung dieses Denkmales fand Sonntag, den 23. d. M. um halb 12 Uhr vo.rm. in Anwesenheit vieler hoher Fürstlichkeiten sowie Honoratioren und sämtlicher Spitzen der Behörden und Militärs statt. Den feierlichen Akt der Enthüllung nahm Ihre k. u. k. Hoheit Prinzessin Margarita vor. Zu diesem Feste ist auch die erlauchte, Mutter des Herrn Erzherzogs, Großherzogin Alice von Toscana mit ihren zwei Töchtern und Sr. k. und k. Hoheit dem Herrn 'Erzherzog Heinrich Ferdinand aus Salzburg erschienen. In Vertretung der israel. Knltusgemeiude. war der Kultusvorsteher Herr Benedikt Schwager erschienen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Friedmann hat sein Fernbleiben infolge Unpäßlichkeit entschuldigt. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß der Schöpfer dieses Fliegerdenkmals unser Glaubensgenosse ist. Herrn Bernhard Schwarz, Bildhauer in Linz, ist es durch seine Künstlerhand gelungen, ein wahres und schönes Meisterstück zu vollbringen und können wir mit Recht behaupten, daß dieser bedeutende Tag, nicht nur für ihn und den Seinen ein Ehrentag war, sondern ein solcher für nns Alle. Er wurde non oberwähnten hohen Fürstlichkeiten mit Dank- und Lobesworlen in anuerkenuendster Weise ausgezeichnet. Möge es dem genialen. Künstler noch gegönnt sein, ihm und seiner hochverehrten Familie zum Ruhme, uns Allen zur Freude noch tmzählige, solch schöne Meisterstücke zu vollbringen. E- Strlgebauer; Harry. (Enr Heine-Roman). Preis geh. M. 4.—, geb. M. 5.—. Reuß & Jcla, Berlagsanstalt. Konstanz. Nichts har die überragende Größe Heinrich Heines so deutlich gemacht, als die Tatsache, daß seine Gestalt nach seinem Tode nur immer gewachsen ist, daß er immer wieder Anlaß zn heftigen Meinnngsverschiedeuheilen gibt und kaum weniger als ein lebender politischer Parteiführer umstritten ist. In der ganzen Weltliteratur gibt es keine Erscheinung, über die mehr gerichtet, geprüft und gehadert wurde als über die seine, daß man aber das Werk dieses Dichters noch 50 Jahre nach seinem Tode als eure Sache gegenwärtigen Lebenskampses empfindet, spricht wohl am besten für seine Bedeutung. Nun. hat Edward Stilgebauer die Gestalt des Dichters zum Träger der Handlung seines neuesten Romans gemacht. Frei von Polemik oder rein fachlicher Biographie ersteht hier ur dem Rahmen seiner bewegten Zeit das Bild eines Menschen, defien an Er» lebnifieu überaus reiches Dasein von dem Verfasser meisterhasr bewältigt und defien tragisches Schicksal so eindringlich gestaltet ist, daß es nns selbst zum eigensten, innersten Erlebnis wird und einen liefen, nachhaltigen Eindruck hinterläßt. Es muß rückhaltslos anerkannt werden, daß Stilgebaner seinen Helden keinen Nimbus andichter und daß er sich nicht ans einer blinden Verehrung für den Dichter zu einer Glorifizierung desselben verleiten läßt, sondern — und das ist das Wertvolle an dem Buche — uns mit einem Menschen bekannt macht, der unsere Schwächen hat, der kämpft wie wir, aber durch dessen Menschlichkeiten man um so ergriffener seine Größe hindurch fühlt, die Ewigkeitswert hat. Stilgebauer gibt auch mit diesem Buche ein vorzügliches Kulturbild der ersten Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts. Die politischen und literarischen Bewegungen jener bedeutsamen Epoche läßt er mit lebendiger Gegenwart vor uns erstehen. Ganz besonders fein ist ihm die Zeichnung verschiedener Persönlichkeiten geraten, die wir im Verlaufe der Handlung kennen lernen. So im 16. Kapitel, das uns mit der literarischen Gesellschaft im Berliner Salon der Elise von Hohenhausen vertraut macht. Rahel Varnhagen von Ense, Chamisso, Friedrich Schlegel. Schleiermacher, Alexander von Humboldt treffen wir da. Bon unheimlicher Stimmung ist das 17. Kapitel, ein Abend in der berühmten Berliner Weinstube „Lutter und Wegener", wo die Kraftgenialischen ihren Stammtisch hatten. Das Granen, das man bei der Bekanntschaft mit einer der gruseligen Gespenstergeschichten E. T. A. Hofflnanns verspürt, befällt einem bei der Lektüre der wenigen Seiten dieses Kapitels, das mit wenigen aber überaus charakteristischen Strichen außer dem jungen Heine noch den Dramatiker Grabbe, den großen Schauspieler Ludwig Devrient und den schon dem Tode verfallenen Schriftsteller E. T. A. Hoffmann vor uns hiustellt und das trotz seiner Kürze einen lebendigen Eindruck dieser Persönlichkeiten auf uns vermittelt. ' Die ersten Kapitel des Romanes spielen in der Rheingegend von Düffeldors bis. Bonn und erfahren durch einige prächtige Landschafts¬ und Naturstimmungen ein reizendes Kolorit. Die späteren Seiten führen uns dann au alle die Stätten, an die in fieberhafter Hast Heine das Schicksal führte, ohne ihn irgendwo Ruhe finden zn lassen. Er, der sein Vaterland über alles liebte, wennschon man es immer wieder zu bestreiten versucht, mußte in Paris die beste Zeit seines Lebens verbringen, er, der Lebsn und Schönheit wie keiner verehrte, war die letzten zehn Jahre seines viel zn früh verendeten Daseins in qualvoller Krankheit an die düstere „Matratzengrnft" gebannt. — Der Verfasser des „Götz Kraft" gibt uns in diesem Buche ein Werk, das eine kräftige Hand formte enr Werk von reichem dichterischen Stimmnngsgehalr und dramatn'cher Spannkraft. Es läßt den Leser nicht eher los, als bis die letzte Seite dieses ergreifenden Bnches gewendet ist. Es ist ein Buch, das sich von selbst empfehlen wird. Armin Beda k. Avis für Kantoren. Gemütliche Zusammenkunft der Herren Kantoren: jeden zweiten Dienstag ab 9. d. M. von 6—8 Uhr abends, im Cafe SILLER, Wien, I., Kaiser Ferdinandsplatz Kr. 4 (Ferdinand-Saal). - ■ Gäste stets '»willkommen. .

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