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Die Wahrheit · 1913-10-10 · Heft 40 (10.10.1913) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 40 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seile 14. Die Wahrheit Nr. 40. Rem mitgeteilt- Daß ihre Schwester und Verwandten des Ermordeten gesprochen, hahe sie nicht erzählt. Aus den Aussagen der Mutter und der Großmutter Andrej Juschtschinskys ist ersichtlich, daß er aus einem Verhältnis der ersteren mit Tschirkow. stammt, welcher sie nach zweijährigem Zusammenleben verließ, um seine Militärpflicht zu erfüllen, und weder für die Mutter noch für das Kind pekuniär Sorge trug. Während der Untersuchung verbreitete sich noch die Version, der Mord s ei voll b e r u f s m äßigenVerbrecheru begangen worden. Mitschuldig sei die Mutter T i ch e b e r j a k s, des Schulkameraden Juschtschinskys, die beständigen Verkehr mit der Verbrecherwelt unterhalte. Die Untersuchung ergab Doch in dieser Richtung, kein Belastungsmaterial, wohl aber gegen den Juden Mendel Beylis, der als Angeklagter in Untersuchung gezogen wurde. Mn tauchte das Gerücht auf, Jnschtschinsky fei das Opfer berufsmäßiger Verbrecher, doch sei der Mord ill der Äbsicht begangen. einen Po g r o m hervorzürufen. Auch dieses Gerücht bezeichnete die Tscheberjak als Mitschuldige.. Drei Wochen nach der Verhaftung des Beylis teilte der Chef der Kiewer Geheimpolizei Mrfchtschük, der anfangs die Nachforschungen leitete Und dann von seinem Posten entfernt wurde, dem Untersuchungsrichter mit, er habe in Lützanowka in der Erde ein Bündel mit offenbar Juschtschiusky gehörenden Sachen gefunden. Mifchtschuk erfuhr von dem Bündel durch einen gewissen Kuschnir, der ihm versicherte, Jnschtschinsky sei von Dieben ermordet worden, die einen Ritualmord simulierten, uin einen Pogrom zu veranlaffeni; ihre Mitschuldigen seien Kutscherenko, Züpenko, Romanjük und Wjera Tscheherjak. Aus dem von Mischtschuk mitgeteilten Briefe. Kuschnirs geht hervor, daß genannte Personell vor dem jüdischen Passahfeste die Ermordung eines Knaben beabsichtigten. Die Absicht sei im Hause Nomanjuks ausgeführt worden. Auf Weisung Wiera Tscheberjaks sei Andrej Jnschtschinsky zum Opfer gewählt und seine Sachen vergraben wurden. Es werden dann die bekannten Erhebungen des Journalisten Brasul Brutschewski erwähnt, denen die Anklage keine Bedeutung beisetzte, weiters das „Gutachten" des Professors S i k o r s k i und die Belastungsmomente. gegen Behlis, die sich ausschließlich aus Mitteilungen voll Kindern und Aussagen von Zellengenossen stützen. Melldel Beylis hat bei seinen wiederholten Vernehmungen jede Teilnahme an dem ihm zur Last gelegten Verbrechen entschieden abgelehnt und seine Unschuld beteuert. Auf Grundlage der von dem Staatsanwalt festgestellten Erhebungen wird gegen Meuachil Mendel Dewjew Beylis, 39 Jahre alt, die Anklage erhoben, daß er nach vorheriger Verständigung mit anderen, von der Untersuchung nicht entdeckten Personen in' vorbedachter Absicht a u s r e l igi ö fe m Fa n a ti s m u s d e n zw ö l fj äh ri g e tt Andrej Jnschtschinsky, um ihm zu Ritualzwecken das Leb en zu rauben, als er am 25. März 1911 aus dem Grundstück der Ziegelbrennerei Sajzew mit änderen Kindern spielte, ergriffen und in das Gebäude der Brennerei geschleppt hat, seine Mitschuldigen' mit seinem Wissen und mit seiner Zustimmung Andrej Jnschtschinsky die Hände banden und den Mund züdrückten und sodann töteten, indem sie ihm mit einem spitzen Werkzeug 47 Wunden ün Kopf', Hals und Körper beibrachten, feine Gehirnnervell und Halsvenen und die Arterie all der linken Schläfe Und auch die harte Hirnhaut, die Leber, die rechte Niere, die Lungen und das Herz verletzten, wobei diese Verletzungen von andauernden schweren Qualen begleitet waren und fast vollständige Blut- . leere des Körpers Juschtschinskys verursachten, d. h. ein Vevbrechen, welches im Artikel 13 und Punkt 2 des Artikels 1453 des Strafgesetzes vorgesehen ist. Auf Grund des Angeführten unterliegt Beylis der Verantwortung vor dem Kiewer Geschwornengericht. Nach Verlesung der Anklageschrift entspann sich eine formelle Debatte' über die Frage, ob der Prozeß Hellte' trotz des Fehlens der Zeugen förtgefuhrt werden sollte. Der Pro-, kurator Und Vertreter der Anklage Staatsanwalt W ipp er trat unbedingt dafür ein, daß die Verhandlung heute Nicht abgebrochen werden solle. Dem. traten die Verteidiger des Beylis Gruse über g und K arabts chew ski entgegegen, die darauf verwiesen, daß unter anderen auch Professor Sikorski angeblich krankheitshalber nicht gekommen sei. Dagegen befinden sich unter den erschienenen Zeugen die Experten Prof. B e ch t e r e w und P a wl o w sowie Pater P r a n a i t i s. Der Gerichtshof zog sich sodann zu einer Beratung zurück, die eine Stunde dauerte, und erklärte dann, im Sinne des Staatsanwalts f ü r d i e F o r t f it h r u n g d e s P r ozeff es sich zu entschieden haben. Entgegen dem Verlangender Verteidigung beschloß das Gericht,-sämtliche Sachverständige mit Ausnahme der Mediziner bis 5. Oktober a. St. zu entlassen. . 4-- ch . An sämtlichen' Hochschulen Rußlands finden heute Protest- Versammlungen statt und die Studentenschaft hat beschlossen, zum Zeichen des Protestes gegen die Anklageschrift einen eintägigen Vorlesungsstreik zu inszenieren. In der griechisch-katholischen Kirche wollte gestern ein Jude, welcher offenbar irrsinnig ist, während des Gottesdienstes einen Protest gegen das RiLnälmordMärchen vorbriligen. In Verbindung damit steht die Pogrömagitätion. Heute abend würden iu den Straßen Juden überfallen. mm anlässlich des 25jährigen Jubiläums des Öesterr. - iirigar. Kantoren-Vereines, mit fachwissenschäftlicheh Aufsätzen von hervorragenden Kantoren. Elegant gebunden blÖSS K 2 — Grünzweigs Werke . . , Rafael Moor, Kaiserhymne K 6. „ 2. Zu beziehen durch, den Vorstand des „Öesterr. nngar. Kantoreh-Yerein“, Wien, n/i; Uerschiedene Wachrichteu Wien. Herr Rabbiner Dr. M. Ros e li iit a n it röirb am ersten Tage des diesjährigen Lanbhüttenfestes, Donnerstag, den 16. Oktober 1913 im Leopoldstädter Tempel die. Predigt halten. « Wien. (E i n w e i h n n g d e s m e n e r b a n t en H ei m e s zur Ä ns spei s n n g a r me r i s.r.ae l i t i scher Schn lk i il d e r sK n a b e n- und M ä dche it h o r t] f ü r d e n XVI. und'XVII. B ez i r k.).Sonntag, den 28. September fand in Ottakrings Wnrlitzergasse 11, die feierliche. Einweihung. des unter dem Präsidium Direktor Beno K a h a n e, Obmann,- Benedikt Schm i d e k, Obmann- Stellvertreter, Ottömar K a tz, Schriftführer,-. Samuel Fische r, S. Fisch e r, Kassiere erbauten neuen Heimes des Vereines statt. Der nach jeder Richtung hin gelungene'Prachtbau, welcher mitden niodernstett technischen Neuerungen ausgestattet ist/ repräsentiert sich prächtig. Die Feier, welche unter der Leitung des Festkomitee-Obmannes Siegfried S t e i n, XVII., Obmann-Stellvertreter M. Golde n b e r g, der Herren Jakob' K v h n^ S. F i s ch e r, Samuel N e n ni a n n, Moritz A n s p i tz, des Amtsleiters der israelitischen Knltnsgemeinde des XVI* Bezirkes, Herrn Sigismund R o ch m i s, und.Dr.- Hermann M o d e r'n s stand, leitete Herr I. Kantor B. K a u s m.a n n ein, welcher das Ma tauwu in Begleitung des durch den Leopoldstädter Tempelchor berstärkten Ottakringer Tempelchores unter der bewahrten LeitNilg des Dirigenten J.^ Pirr th weihevoll Und mächtig ztim Vortrag' brachte,- worauf Herr li Kantor K a n s m a n ueineii Psalm, ioelcher ihm Gelegenheit bot, seine schönen Stimmittel und sein musikalisches Verstäildnis zur vollen Geltung zu bringen, sang. In einer feierlichen Ansprache begrüßte Herr, Obmann K a h a n e die zahlreich erschienenen Festgäste, Mrälif ein vom Hvrtlehret Herrn Ä b e l e s verfaßter Prolog' von einem Mädchen des Ho'rtes hübsch vorgetragen wurde'. Rabbiner Dr.- I. M.- V ach hielteine zu Herzen gehende alle Zuhörer hinreißende Weiherede, worauf Vizepräsident der Knltnsgemeinde, k. k. Höfrat Dr. R a p p a p.o r t näm'ens des Vorstandes der Knltnsgemeinde dein Vereine' den' Dank' für den gelnngenen' Baü und die wrikere - Fördernirg'' in w'lirüieü- ÄlorMMZssipW---Nam'eüs des ki f.

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