Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 40 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 11. Nr. 40. Dolina, Dabrowa, Damboritz, Cholojow, Caslan, Brzesko, Buczaez, Brandeis, Bxody, Böhm.-Neustadt!, Borszow, Beneschau, Aurinowes, Jechnitz, Nadworna, Hostniln, Zawor.ow, Wällischbirken, Hruschan. Zwittan, Salzburg, Hodorow, Luditz, Neu- Naiißnitz, Podwoloczyska, Troppan. Sobeslau, Anspitz, Kossvw, Stockerau. Libochowitz, Hnmpoletz, Pribram, Sadagora, Czernowitz, Steyr, Bielitz, Plsek, Bodenbach, Borszczow. Anscha, Sissek, Zastawna, Böhm.-Leipa, Königstadtl, Wolin, Tnriian, Tejcheu, Jablonow, Pisek, Kach.au, Libin, Lnbenz. Proßnitz, Kremster, Lipnik-Biala, Teplitz-Schöuau, Mähr.-Schönberg, Anssee, Königin- Hof. Sokolow, Radantz, Olmütz, Berauii, Jägerndorf, Stanislau, Svlotwina, Monastei zyska, Krems a.D,, Pilzuo, Staab, Delatyn, Kromau, Austerlitz, Eiwanowitz, Mißlitz, Nikolsburg, Theusing, Miknliiwe, __ Der Kampf mit dem ilmeren Feinde. (Eine Iom K isipnrbetracht u n g.) -Bon Dr, M- H. Fried länd er. Wenn im alten Israel das Heer mobilisiert werden mußte, um den herattstnrmendeu äußeren Feind abznwehreu, trat vorschriftsgemäß der Priester an die Spitze des Volkes und hielt folgende Ansprache an dasselbe: „Höre Israel! Heute ziehet ihr gegen den Feind in den Krieg, seid mir nicht zaghaften Herzens, fürchtet euch nicht, seid nicht mutlos und betrübt, laßt euch nicht hange sein vpr ihnen, denn der Ewige, euer Gott ist es, der vor euch herziehet. für euch mit euren Feinden zu kämpfen und euch Hilfe zu leisten." Auch im modernen Israel — wo mau hüben wie drüben über die in neuerer Zeit -so gewaltig um sich greifende Tausfenche, wie überhaupt ü.b.ex den kalten, frostigen, alles Heilige lutb Religiöse verheerenden und zerstörenden Jndifferentismus, der sich überall fühlbar macht, bitter klagen hört .— fühlt sich jeder von der Wichtigkeit .und hohen Bedeutung feines heiligen Berufest - durchdrungene Volkslehrer veranlaßt, feiner Gemeinde am Vorabend des großen, Ehrfurcht erregenden Tages „Jom Haddiu" znzurnfen: „Höre Israel! Heute zieht ihr in den Kampf gegen .eueren Feind, nämlich gegen den inneren Feind, beu Jezer iiora, beu bösen Trieb, der noch nie mit solche überwältigender Kraft und Macht feine Mission, Israel zum Abfall zu verleiten, erfüllt hat als in de.r Gegenwart.. Zaget nicht und banget nicht, denn Gott ist mit euch, so ihr nur mit ihm seid, er wird euch beistehen und helfen, wenn ihr ihn nur anssuchet, -ihn anbetet, zu ihm euch bekehrt- Beherziget das Wort des Propheten Hosea: Scho Ä. Kehre zurück Israel zu dem '.Ewigen, 'deinem Gotte, denn du .hist ja -nur deshalb so tief gesunken, weil du . dich vonirora beherrschen ließest; dadurch, daß du dich dem Materiallsmns in die Arme geworfen nndd'ie 'Religion nicht ini geringstell he acht et hast, bist du ans 'Abwege geraten, die dich. deinem Untergänge entgegensühren nlüssen. Nehmet euch daher die wohlineinden Worte, hie an euch gerichtet werden, zu Herzen und kehrt zurück zum Ewigen." Ob es aber den Rabbine.n der modernen Zeit durch ihre begeisterten und begeisternden Reden, EiMahnnngen nnd Zurecht" Weisungen gelingt, recht günstige Erfolge zu erzielen, ist sehr fraglich. Als einst der Prophet Maleachi im Kamen Gottes feine Glaubensgenossen zur Buße ermahnte-: „Bekehret euch zu mir, so werde ich mich zn euch wenden!" stellten sie die Frage an ihn : „Worin sollen wir uns bekehren?" Auch in der modernen Zeit gibt es in gar vielen jüdischen ^Gemeinden sogenannte „Kulturmenschen", die, wenn der Rabbi in seiner Predigt das Volk zur Buße ermähnt, die Frage stellen: Bame -lioscliw worin sollen wir uns bekehren? Wir sind bei weitem nicht so irreligiös, wie der Rabbi behaupten zu müssen glaubt. Bringen wir nicht bereitwilligst die größten Opfer für die Erhaltung des Kultus, der religiösen.Anstalten und Humanitären Institutionen? Beweisen nicht die hohen Feste, besonders das Nenjahi-sfest und der Bersöhnnngstag, daß der religiöse Geist, -wie überhaupt das Bedürfnis,Mott anzurnfen, aus Israel noch immer nicht geschwunden sei? .Sind nicht an dfosen drei Tagen die -Gotteshäuser .-in den -großen wie -in den kleinen Gemeinden in.'Men ihren-Räumen dicht gestillt? Darf nicht an diesem Tage der Rabbi mit vollem Rechte seinem Auditorium zurnfen: nizahäna hmlosisva: Heute seid ihr alle vor Gott dem Herrn erschienen, euere Häupter und Bei-» treter, eure Lehrer und Führer, die Großen und die Kleinen, die Reichen und die Armen, die Vornehmen nnd die Niedrigen, die Patrizier und die Plebejer? Diese Interpellation ist leicht zn widerlegen : Allerdings kann es nicht in Abrede gestellt werden, daß in unserer Zeit für die Erhaltung der Synagogen nnd des Gottesdienstes'die größten Opfer gebracht werden, daß in vielen Bethänsern eine musterhafte Ordnung herrscht und dieselben besonders am Versöhuuugstag von Betenden, die von einem bis zum andern Abend ihren Körper kasteien, fasten und beten, dicht gefüllt sind. Woher aber mag es wohl kommen, daß von den Tausenden nnd abermals Tausenden, die au den hohen Feiertagen die Gotteshäuser aussnchen, nur die wenigsten nach dem Versöhuuugstage einen anderen Lebenswandel führen denn zuvor? Die Ursache dieser sonderbaren Erscheinung ist nicht schwer zu erforschen. Bei vielen der modernen Inden herrscht, ans Unkenntnis in religiösen Dingen eine förmliche Begriffsverwirrung. Sie verwechseln oft das Mittel mit dem Zweck, indem sie die Mittel wohl anwenden, den eigentlichen Zweck aber, der durch dieselben erreicht werden soll, ganz außer acht lassen. Die Begriffsverwirrung erzeugt Skepsis, die die Seele vergiftet, daher man heutzutage fo oft Skepttkeru begegnet, die seelenkrank sind. Um mich etw as prägnanter ans drücken zn können, will ich ein Gleichnis erzählen, das hier am Platze sein mag. In einem kleinen, von der größten Stadt weit entfernten. Orte erkrankte einmal ein armer Mann, der sich schwer plagen mußte, um seine zahlreiche Familie dürftig erhalten zn können. Der Arme lag schwer darnieder, ein Arzt war nicht im Orte und aus der Stadt einen kommen zn lassen, fehlten die Mittel. In.Ermangelung eines rationellen Arztes nahm man, wie es in Dörfern gang nu,d gäbe ist, zu Hausmitteln und zu Kurpfuschern Zuflucht, wodurch.aper selbstverständlich dem Kranken nicht int geringsten geholfen werden konnte. Da kam plötzlich hie Nachbarin und teilte her tiesbetrübten .Gattin .des kranken Mannes mit, haß der Ki.eisphysikns der nächsten Kreisstadt soeben im Orte angekommeu sei. Sofort eilte die tiefbesorgte .Frau dem Arzte entgegen, klagte ihm tränenden Auges ihr Leid und bat ihn händeringend um Hilfe. Der leutselige.Arzt verfügte sich unverzüglich an das Krankenlager jenes Bedauernswerten, untersuchte ihn gründlich, verschrieb ihm ein Mittel, das seiner Ansicht nach nicht wirkungslos sein wird, und sagte, zu der niedergeschlagenen Frau: Ich habe hier ein Mittel verschrieben, das Sie ins Wasser geben und auflöien lassen müssen, dann reichen Sie dem kranken Manne das Medikament, damit er in Schweiß kommt -und ich hin überzeugt, daß er sich inorgen schon wohler fühlen wird. In ihrer Aufregung, Angst und Verzweiflung hatte die arme Frau den Arzt mißverstanden. Kaum hatte dieser sich .entfernt,-' nahm sie das Rezept und — anstatt mit demselben in die Apotheke zn gehen — gab sie es ins Wasser, ließ es auflösen und reichte daun dem Kranken dieses sonderbare Medikament, das selbstverständlich wirkungslos geblieben. Am andern Morgen besuchte der Arzt, ehe er den .Ort verließ, nochmals den Kranken, um sich von der Wirkling des -von -ihm verschriebenen Mittels zu überzeugen, allein, wie überrascht, höchst ungenehm überrascht war er, als er sah, daß die Krankheit sich verschlechtert, das Fieber zngenommen hatte. Hat denn Ihr Mann, frng er die ängstliche Frau, von dem Mittel, das ich ihm verschrieben habe, keinen Gebrauch gemacht? O ja, eutgegnete sie, er nahm die ganze Medizin, die ich ihm reichte, ein. lind wie haben Sie das Medikament znbereitei? Ich gab, antwortete sie naiv, das Rezept.ins Wasser, ließ es aufläsen und reichte ihm dann diese Medizin. O, du liebe Einfalt, .rief der Arzt mit bitterer Ironie ans. Das bloße Rezept kann doch nicht helfen, sondern das Mittel, das verschrieben wurde. Sie hätten mit dem Rezepte in die.Apotheke gehen .sollen, dort würde man Ihnen ein Pulver bereitet, das, wenn es im Wasser ausgelöst und dem Kranken gereicht worden wäre, gewiß nicht verfehlt haben würde, dessen Genesung zu fördern. Dieselbe Bewandtnis hat es mit Israel. Ein großer Teil