Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1913-10-10 · Heft 40 (10.10.1913) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 40 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063674-3063714--08717-3075907
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

*r. 40. Die Söabröeit eit: 9 K it 1 t_ii sgemei n d e D arnv a r. „Znr^ heutigen Versammlung g laubensbrüderlich en Gruß. Wir vereinigen.uns mit .Euch in s flammendem Proteste - gegen die infame Verunglimpfung unserer heiligen Religion." . . , ■ ' Dr. Moritz F r a n k f n r t e r. Bezirksrabbiner . -v. ' > Ferdinand G l ü ck. Knltusvorsteher. ■ I s r a e l. Kult ns g e m e i n de D e b i c ci. „Aus : Ihrer hochgeehrten Zuschrift haben wir .mit Bedauern, entnommen, daß in der Stadt Kiew abermals das noch vom Mittelalter herstammende Blntmärcheu. neuerdings anfgetischt wurde. Wir finden nicht Worte genug, unserer Entrüstung über diese llnsinnige Lüge Ausdruck zu geben und sind nur erstaunt, daß im' zwanzigsten Jahrhundert solche Beschuldigungen noch Vorkommen tonnen und daß die dortige Bevölkerung sich gegen solchen widersinnigen und nach jeder Richtung - grundlosen An- 'schnldigttngen passiv verhält. \ „Difficile esfc satiram non scribere“ — „Es ist wirklich schwer, eine Satyre nicht zu schreiben". Wir entbieten dem geehrten Vorstände der isr. Knltnsgemeinde unsere innige und warme Teilnahme und protestieren .gegen dieses ungerechte und ganz grundlose Vorgehen." Chaim Mahle r, Vorsteher. Israel. Knltnsgemeinde D o b r i s ch : „Die Initiative des verehrlichen Vorstandes freudig begrüßend und bedauernd, nicht durch' unsere Vertretung unserer Entrüstung nachdrücklicher Ausdruck geben zu können. schließt sich der Vorstand, die Zustimmung der ganzen Gemeinde verdolmetschend, jeder Resolution als Protest gegen die Anschuldigung eines Ritnalmordes gegen den Juden Beilis vollinhaltlich an und gibt seiner tiefsten Entrüstung über diese abscheuliche, aller menschlichen Vernunft hohnsprechenden und die Justiz eines jeden Kulturvolkes aufs tiefste schändende Beschuldigung, die. nur dem flüsteren Aberglauben und dem wahnsinnigen Fanatismus entspringt, lebhaftesten Ausdruck und bittet, diese Kundgebung zur Kenntnis zu nehmen und gefälligst zur Verlesung zu bringen. ■ \ Alexander F r a n k l, Vorsteher. I s r a e I. Kultnsg e m einde Gablonz a. N.: „Der unterfertigte Vorstand der israel. Kultnsgemeinde Gablonz a. N.-. schließt sich dem Proteste, welcher von der löbl. israel. Knltnsgemeinde m Wien gegen die ungehenerliche Beschuldigung des jüdischen Ritnalmordes in Kiew erhoben wird, auf das lebhafteste an. Wenn wir es nicht schaudernd selbst miterleben würden, würden wir es nicht für möglich halten, daß in dem aufgeklärten 20. Jahrhundert des kulturellen und technischen Fortschrittes , unsere ganze staatlich anerkannte Religionsgefellschaft beschuldigt wird, zur Befolgung religiöser Gesetze Menschenblut zu vergießen. Gegen eine derartige unsinnige und gefährliche Beschuldigung kann nicht entschieden genug Protest erhoben werden. Möge der stammende Protest, welchen Ihre geehrte Gemeinde gegen.dstse Beschuldigung, welche an die ärgsten Zeiten . mittelalterlicher Verfolgung erinnert, erbeben wird, dazu beitragen. daß diese Beschuldigung keine weitere Wurzel fasse und einfür allemal zunichte gemacht wird und daß unsere Religionsgesetze. welche doch die ethische Grundlage aller modernen- Religionsgesetze bilden, vor derartigen, niedrigen Verunglimpfungen bewahrt bleiben." Dr. Adolf A b e l e s Adolf Schindler Schriftführer. Vorsteher. K n l t u s g e m e i n d e H e r m a n m e ft e c: „Durch die . Selichestage verhindert, an der von Ihnen für den 6. Oktober ■ l. I. einberufenen Protestversammlung gegen die uns Juden .durch den Kieiver sogenanüten Ritualprozeß neuerlich drohende Beschuldigung eines Ritnalmordes, teilzunehmen, gestattet sich die gefertigte Kustusgemeinde, ihre vollste Zustimmung und Sympathie zu allen gegen diese, das 20. Jahrhundert schändende und beschämende, jeder Kultur hohnsprechende Beschuldigung auszusprechen und Ihre Initiative zu diesem feierlichem Protest aufs freudigste zu begrüßen. Traurig genug, daß dies noch notwendig! Möge endlich die Zeit anbrechen, wo derartige Ausgeburten böser und schlechter Menschen unmöglich, ja undenkbar sind! Israel. Knltnsgemeinde Hermanmestec. Der'Knltnsgemeindevorsteher: Alfred Falk. Israel. Knltnsgemeinde Inn s b ruck: „Voll und ganz stimmen wir dem Proteste zu, den die Versammlung von Glaubensgenossen am 6. Oktober gegen die Ritnalmordlüge erhebt. Es ist eine Schmach unseres Jahrhunderts sich noch mit einer so erbärmlichen, bewußten Lüge beschäftigen zu müssen, die nur rafsinierteste Bosheit und Fanatismus zeitigen kann und es ist der Gradmesser der Kultur des Landes, in dem solche schamlose Lügen mit Erfolg verbreitet und wie es scheint, offiziell unterstützt werden. Wilhelm D a u n h a u s e r Martin Steiner Vorsteher. Schriirführec. Knltnsgemeinde K l a s n o - W i e l i c k a : „Die israel. Kultnsgemeinde Klasnv-Wielicka gibt ihre vollste Zustimmung zu dem heutigen Proteste gegen die von der offiziellen Jndenbetze in durchsichtiger Absicht mutwillig konstruierte, gerichtliche Anschuldigung eines jüdischen Ritnalmordes. Dieser freche Anschlag auf die Reinheit unserer erhabenen, der Welt vorauleuchteuden Religion entfesselt in jedem jüdischen Herzen einen Sturm der Entrüstung. Ihnen gebührt daher besonderer Dank für die Veranstaltung der heutigen Protestversammlung, durch welche der österreichischen Judenheit Gelegenheit geboten wird, ihren tiefsten Abscheu gegen die Blutlüge und Verunglimpfung des Judentums schärssten Ansdrnck zu verleihen. Präsident der israel. Kultnsgemeinde: Kaiserl. Rar R o s e n z w e i g. Knltnsgemeinde K r e m s i e r. „Die am Samstag, den 4. Oktober l. I. im Sitznngssaale der israel. Knltnsgemeinde zu Kremsier tagende Versammlung erhebt feierlich den Protest gegen jene Beschuldigung. die gegen einen Glanbensbrnder in Rußland.erhoben wurde, und sogar zum Gegenstand einer, durch die öffentliche Meinung Rußlands beeinflußten Gerichtsverhandlung, gemacht werden soll. Wir fordern keine Gnade für den Beschuldigten, sondern Gerechtigkeit, und diese muß sagen, daß jene fürchterliche Beschnldignng eine „Lüge" ist. die die Versammlung im Namen der Menschlichkeit ans das energischeste znrückweist. Die Versammlung beschließt einstimmig, sich dem großen Proteste der israelitischen Knltnsgemeinde vollinhaltlich anznschließen. und betraut mit diesem den zweiten Gemeinderat der isr. Knltnsgemeinde. Herrn Ignaz Brauchbar." Kremsier, am 4. Oktober 1913. Der Knltusvorsteher kais. Rat Jgn. K n ö p f e l m a ch e r. Der Kultusvorsteher-Stellvertreter Leopold Färber. I. Rat Heinrich I o k l, II. Rat Jgn. B r an ch b a r. Rabbiner Dr. Albert Schweiger. Der Sekretär Mark. H i r s ch. K u l t u s g e m e i n d e K r i s o u d o v. „Es ist nuferer Gemeinde leider nicht möglich, uns durch einen Delegierten an der heutigen Protestversammlnng zu beteiligen. Doch sei uns .unbenommen, gegen die furchtbaren und ungeheuerlichen Anschuldigungen, die man im blinden Raffenhasse gegen unsere Stammesbrüder erhebt, auf diesem Wege auf das s ch ä r f st e zu p r o t e st i e r e n. Ein derart niedriges und so ganz unmotiviertes Ansinnen ist ein Schandfleck, selbst für ein kultnrarmes Volk, es befleckt aber die Zivilisation der gesamten Menschheit tlnd entwertet unsere Kultur. Wir sehen es als Pflicht aller in Betracht kommenden Faktoren an. alles zu unternehmen, woraus ersichtlich wird, mit welch einem Abscheu und gerechter Empörung die westlichen Knlturstaaten die Entwicklung dieses neuen Kiewer Blntmärchens verfolgen. Wir schließen uns im vollen Umfange der Protestresolution an, welche die heutige Versammlung beschließen wird und geben uns der Hoffnung hin, daß es in Rußland noch denkende, vom Rassenhaffe nicht verblendete Richter gibt". Israelitische Knltnsgemeinde Krisondov: Julius H i tz, Mor. Holzer, E. K o h n, Ed. W e i l, Filip P o l l a k, I. K r a n s, Ad. H i tz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.