Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 40 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 40. Leopold Geiger. Chewra-Kadischa XXI., Gabriel Dnkesz. Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Oberinspektor Engel, Eduard Trnka. Reichsorganisation der Hanssranen, Marie Pollak, Obering.-Witwe. ALg. Oesterr. Israel. Bund, Wilhelm Pappenheim. ZionistischerZentralverein, Jos.H. Waltuch. Oesterr.- Ungar. Kantorenverein, Oberkantoren Bauer und Morgenstern. Jüdische Tnrnerschaft Westösterreichs, Kien, rned. Schiller. Kaiser Jubilänms-Huldignngstempel H. Pazmanitengasse, Obmann Adolf Schramek. Tempelverein für die Bezirke Wieden- Margarethen, Obmann Adolf Hofmann, Schriftführer Franz Frankl. Tempelvereiu Mariahilf-Nenbau, Leopold Dick. Tempelverein Josefstadt, kais. Rat Albert Frankl. Tempelvereiu IX. Bezirk, Salo Fuchs, Postmeister, Josef Braun. Tempelvereiu X. Bezirk, I. Faltitschek. Adaß Jeschnrun X. Bezirk. Dr. S. Halberstamm. Tempelverein XI. Bezirk. Leopold Weiß. Tempelverein HU. Bezirk, S. Hosmann. Tempelvereiu XVIU. Bezirk, Samuel Funk. Tempelverein XIX. Bezirk, Moriz Müller. Tempelverein XX. Bezirk, Josef Kohn. Adaß Jisroel. Dr. Reininger. Achauß Israel, Leopold Neumann. Talmud Thora, Rabb. Scheich Liwias Eben. Obmann Leopold Gold. Adaß Jeschnrun, S. Wiudholz. Max Pappenheim. Stndenten-Unterstütznngsverein, Professor Dr. Königstein. Ferienhort, Frau Clotilde Benedikt. Selbsthilfe S. Sinnreich. „Trebitscher", Adolf Leurer und K. Jmich. „Fides", Josef Popper. Jüdischer Jugendbnnd, S. Schnabel. Misrachi, Isidor Austerlitz. Verein zur Unterstützung armer alter Männer. Gustav Planer, Josef Flesch. Jüdischer Turnverein XV. Kommerzialrat Leopold Baß. Vom Kultusvorstande: Dr. Alfred Stern, Dr. Gustav Kohn, Hofrat Dr. Rappaport, Dr. Breuer,, S. Brod, Dr. Ehrlich, Dr. Engel, Architekt Gärtner, Professor Ehrmann, E. Grünwald, kais. Rat S. Kauders, Carl Lemberger, Schramek, 'Dr. Schreiber, Ed. Schwarz, Dr. Markus Spitzer, Samuel Steiner, Ober-Jng. Stricker, kais. Rat Weil, Max Zirner. Die Beamtenschaft der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Ersten Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben an der Spitze. Die Reichsrats-Abgeordneten Dr. Ofner und Reizes, die Gemeinderäte Dr. Heim, Kodizek, Melcher, Stein. Bezirksvorsteher-Stellvertreter Klebinder, Bezirks-Rat Philip Bak, Jnstizrat Bachrach, Ludwig von Keppich-Raab, Ober-Stabsarzt Dr. Schorr, Kgl. Rat Dr. Mittler, kais. Rat Dr. Krüger. Dr. Kuh. kaiserl. Rat Julius Stern, Sanitätsconsulent Dr. König, Maler Kaufmann, Hofrat Dr. Löwner, Abr. I. Goodall ans Jerusalem, Reg. Arzt Mayer, Fritz Frankl-Göding. Simon Advokat, Redakteur der Morgenpost, Hofrat Dr. Adam Politzer. Dr. Phil. A. Robiusohn, Moriz Meuasses ans Stockholm, kais. Rät Waizuer, Maler Lazar Krestin, Dr. Bruno Pollack Von Parnau, Dr, Marek Scherlag, kais. Rat Sachs v. Sachsenhall. Jaques Ritter, Bize-Jnsp. der Straßenbahnen. Domänendirektor Glücksthal, Professor Dr. Königstein, Kommerzial-Rat Wiener, Max Jokl-Belgrad, Dr. Langstein, kais. Rat Direktor Halber. Die Rabbiner: Dr. Abeles, Dr. Bach, Dr. Baß, Dr. Bauer, Dr. Fenchtwang, Dr. Frankfurter, Dr. Gelbhans, Dr. Grunwald, Dr. Kaminka, D. Kramer, Dr. Mandl, Mayersohn, Reich, Dr. Rosenmann, Dr. Rubin, Dr. Taglicht. Die Inspektoren : Dr. Langfelder, Kauitz. Nach Verlesung der erschienenen Delegierten jener Gemeinden und Körperschaften, die sich der Protestkundgebung angeschlossen haben, betritt der Vorsitzende der Versammlung, Präsident Dr. Alfred Stern, von lebhaftem Bestalle begrüßt, die Rednertribüne und hält folgende Rede: „Es sind auf den Tag 14 Jahre, daß über Einberufung des Wiener Knltusvorstandes .hier in diesem Saale eine Versammlung staUsand, welche laut und feierlich mit aller Entschiedenheit gegen die Annahme eines jüdischen Ritualmordes, gegen die Blntlüge. Protest erhob, sind heute, nach 14 Jahren erheben wir neuerlich unsere Stimme, um eine gegen uns Juden erhobene Anschuldigung, als ob wir von religionswegen Meuschenblut vergießen und genießen, daß es einen jüdischen Ritualmord gebe, als eine freventliche, abscheul i ch e, der D u m m heit oder B o s h e i t e n t s p r i ng en d e Lüg e n it d Verleumd nn g ö ffen t lich zu erkläre n. (Stürmischer Beifall). Wir lassen'uns nicht, wie ich bereits in meiner Einberufung sagte, einlullen durch die heuchlerische Phrase, als ob ein jüdischer Ritnalmord von jüdischen Fanatikern oder Sekten verübt würde; solche jüdische Fanatiker oder Sekten gab und gibt es nie und nirgends. Ein jüdischer Ritualmord', Genuß von Blut und gar von Meuschenblnt ist für uns Juden eine contradictio in adjecto, ein Widerspruch in fic^ mib. ich habe ja bereits in meiner Einberufung darauf hingewiesen, daß in den ersten Kapiteln unserer Thora es deutlich steht: „Wer Mens ch en blnt v erg ieß t, des B lut soll w ie-d er vergossen werden, denn im Ehenbilde Gottes hat er den Menschen geschaff.en! Die Todesstrafe auf den Mord! Auf den Mord eines Menschen, ohne jegliche Unterscheidung. Und ich habe ferner hingewiesen auf das sechste der Zehn-Gebote, welches in lapidarer Kürze sagt:'„Du sollst nicht morden!" der Zehn-Gebote, welche dreimal jährlich in unseren Gotteshäusern gelesen werden, in steinernen Tafeln an der Stirnseite unserer Gotteshäuser prangen. Ebenso wie Ihnen allen bekannt ist, in welch kategorischer Weise uns jeglicher Blntgenuß strenge untersagt ist, wie strenge es untersagt ist, das Blut von Tieren und gar das Blut eines Menschen zu irgend einem Zwecke, zu einem religiösen Zwecke zu verwenden. Und wohl muß in uns gerechte Entrüstung und Empörung anfstammen, wenn nun in einem neuesten Ritnnlmordprozesse in Kiew — ich habe hier Aktenstücke zur Hand — von einer dem Blutrituale ergebenen jüdischen Sekte, den Chassidim.- gesprochen und unter diesem Titel in aller Form eine gerichtliche Anklage erhoben wird. Es gibt keine solchen Sekten innerhalb des Judentums! Wie es im ganzen'jüdischen Schrifttum , keine einzige Stelle gibt, die auch nur eine leise Deutung dahingehend zuließe, daß dem Inden der Genuß des Blutes überhaupt, geschweige denn zu rituellen Zwecken, erlaubt sei. Der Fanatismus des fanatischesten Inden bekundet und betätigt sich darin, daß er mit grenzenloserHingabe, mit Hintansetzung seiner wichtigsten Lebensinteressen, ja oft mit Aufopferung seines Lebens an den Geboten der Thora und au den Gatzungen der rabbinischeu Literatur festhält, Aber gerade, indem er dies tut, mit fanatischem Eifer tut, wird er den Blntgenuß aus tiefster Seele verabfchenen, wird es ans Gottesfurcht als das scheußlichste Verbrechen ansehen, einen Mord zu begehen, oder gar eine rituelle Handlung durch einen Mord zu schänden. Und in diesem Sinne haben die Rabbinen dieser Chassidim in Rußland, anläßlich des letzten Neujahrsfestes ein Gebet verfaßt und die Verrichtung dieses Gebetes in allen ihren Gotteshäusern angeordnet. In diesem Gebete wird. Gott nicht um Milde und Schonung, sondern um Aufklärung und Wahrheit angernfen. In diesem Gebete wird ans tiefster Seele, in wahrer Seelennot Gott angernfen, er möge die Lüge und Verleumdung entlarven, der Wahrheit und dem Rechte zum Siege verhelfen, er möge die Richter erleuchten, auf daß sie ein wahres und gerechtes Urteil fällen, denn Gott, der das Verborgenste sieht, wisse es,, daß in dem gesamten jüdischen Schrifttum keine Stelle vorkomme, die dem Genuß des Blutes überhaupt, am allerwenigsten aber-den Genuß und die Verwendung des Menschenbildes gestatte. Ans dem Prozeßmateriale des Beilis-Prozesses, über welches, wie ja bereits bekannt, zu wiederholtenmalen Untersuchungsrichter und Gerichtspräsidenten stolperten und. welches mir, 'soweit als es zur öffentlichen Kenntnis gelangt, bekannt ist, möchte ich nur zwei Aktenstücke hervörheben, welche aber geeignet sind, blitzartig den ganzen Prozeß zu beleuchten, und zu zeigen, daß derselbe seinem Wesen nach von dem bekannten Typus der Ritnalmordprozesse nicht abweicht- Das eine ist ein Protokoll, anfgenommen mit dem Archimandriten Ambrosius, der seine Aussage mit der Erklärung beginnt, er habe persönlich die Quellen, die Leh re über die t i t u e l l e Ermord u n g von C h r i st e n dnrch Inden nicht studiert und dann fortsetzt, daß er